Stand: 24.10.2016 16:00 Uhr  | Archiv

Wie privat ist, was mir auf Facebook gefällt?

Wer sich in sozialen Netzwerken äußert, muss mit den Konsequenzen leben: Politische Äußerungen, strafbare Kommentare oder Lästerereien über den Job können Folgen haben.

Facebook und der Like-Button © picture-alliance
Digitale Beifallsbekundungen bei Facebook sind oft öffentlich sichtbar.

Seine Facebook-Likes wurden ihm zum Verhängnis: Ein von der CDU vorgesehener Kandidat wird nun doch nicht Justizminister in Mecklenburg-Vorpommern. Der Vorwurf: Er war in dem sozialen Netzwerk Fan einer AfD-Seite geworden und soll Kommentare auf anderen AfD-Seiten mit "Gefällt mir" markiert haben. Diese Art der Sympathiebekundung für den politischen Gegner war den eigenen Parteifreunden zu viel.

Dabei muss das Markieren einer Facebook-Seite mit einem "Gefällt mir" durch Nutzer gar nicht unbedingt heißen, dass diese tatsächlich Fan des Inhalts sind: Vielleicht möchten sie nur über neue Inhalte der Seite auf dem Laufenden gehalten werden. Und das funktioniert innerhalb von Facebook nun einmal am besten durch ein "Gefällt mir". Allerdings sollten die Nutzer bedenken, wie so ein "Gefällt mir" auf Dritte wirken kann. Wer also als Mitarbeiter einer Firma oder Mitglied einer Partei lediglich die Konkurrenz auf Facebook beobachten will, sollte überlegen, wann andere Methoden dafür besser sind: So lassen sich im Facebook-Reiter "Interessen" Seiten beobachten, ohne deren Fan zu werden. Oder die Seiten können einfach als Lesezeichen gespeichert werden. Nachteil: Dieses müssen extra aufgerufen werden.

Immer wieder umstritten unter Facebook-Nutzern ist auch die Markierung von Beiträgen oder Kommentaren über Unfälle, Todesfälle oder Kriegsnachrichten mit einem "Gefällt mir". Freut sich der jeweilige Nutzer dann wirklich über den Inhalt dieses Berichts - oder bedankt er sich nur dafür, dass ihn diese Information erreicht hat? Facebook hat für dieses Fälle Variationen seines "Gefällt mir"-Knopfes eingeführt - darunter sind zornige oder traurige Emojis. Aus der Welt schaffen lässt sich die Mehrdeutigkeit dadurch aber nicht. In manchen Fällen können die neue Emojis sogar für neue Missverständnisse oder Konflikte sorgen.

Wie sieht es mit Meinungsfreiheit und Privatsphäre aus?

Meinungsfreiheit und und ein Recht auf Privatsphäre gelten natürlich auch für soziale Netzwerke. Allerdings gibt es auch ähnliche Einschränkungen wie im sonstigen Leben. Wer seine Ansichten via Facebook mit einer dreistelligen Anzahl von "Freunden" oder gar öffentlich teilt, äußert sich dort eben nicht streng vertraulich, sondern eher vergleichbar mit einem Gespräch in einer Kneipe oder auf einem Bahnsteig, das auch von anderen mitgehört werden kann.

Mit Kritik beispielsweise am eigenen Arbeitgeber oder deftiger Wortwahl sollte man sich also zurückhalten, da sie den Betroffenen durchaus zu Ohren kommen und dann Konsequenzen haben können. Die Gerichte haben damit in den vergangenen Jahren einige Erfahrung sammeln können. Und strafbare Äußerungen bleiben auch in einer vermeintlich privaten Chat-Gruppe mit einem geschlossenen Benutzerkreis strafbar.

Die wichtigste Verhaltensregeln fürs Posten und Liken im Internet: nichts Unüberlegtes tun, den gesunden Menschenverstand einschalten.

Wer kann sehen, was einem Facebook-Nutzer gefällt?

Die Facebook-Privatsphäre-Einstellungen sind detailliert und kompliziert. So können zwar Nutzer auf ihrer öffentlichen Profilseite den Kasten verbergen, welche Seiten sie mit "Gefällt mir" markiert haben. Ihre eigenen Kontakte können aber in der Regel mitverfolgen, wo sie "Gefällt mir"-Markierungen verteilen oder Kommentare hinterlassen. Es gibt sogar spezielle Suchwerkzeuge, die auf einen Blick alle Kommentare eines beliebigen Facebook-Users anzeigen.

Links

Facebook: Privacy Basics

Hier erklärt Facebook selbst seine Datenschutz-Einstellungen für Nutzer. extern

Wer seine Facebook-Freunde auf Bildern markiert, macht diese Bilder auch für deren Freunde sichtbar. Wer Kommentare auf öffentlichen Seiten hinterlässt, aber auch in vermeintlich privaten in Gruppen hinterlässt, sollte sich im Klaren sein, dass diese für andere lesbar sind. Immer öffentlich sind zudem die Profilbilder eines Nutzers - auch frühere, sofern sie nicht gelöscht wurden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 24.10.2016 | 16:00 Uhr

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