Stand: 13.10.2011 08:00 Uhr  | Archiv

Wie kann ich mich vor Trojanern schützen?

Jeden Donnerstag um kurz nach 8 Uhr hören Sie bei NDR Info die neuen Trends aus der digitalen Welt. Damit Sie auch mitreden können über das, was gerade spannend ist im Netz. Sie bekommen auch wichtige Tipps, bei welchen Entwicklungen sie lieber etwas vorsichtiger mit ihren Daten sein sollten. In dieser Woche geht es um Trojaner. Der Begriff "Staatstrojaner" hatte es in den vergangenen Tagen nach den Recherchen des Chaos Computer Clubs ja in die Schlagzeilen geschafft.

Von Nils Kinkel, NDR Info

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Wie kann ich mir sicher sein, dass kein Unbefugter auf meinen Rechner zugreifen kann?

Bundestrojaner, Bayerntrojaner oder Staatstrojaner: Die Spionagesoftware hat viele Namen bekommen in dieser Woche. Wir wissen so langsam, was mit dem Überwachungsprogramm möglich ist: Zum Beispiel können Polizisten damit Telefongespräche über Skype abhören oder Kamera und Mikrofon am Rechner an- und ausschalten.

Wie kommt ein Trojaner überhaupt auf meinen Rechner und wie kann ich mich davor schützen. Was macht so ein Trojaner auf dem Computer?

Im Cyber-War funktionieren die Waffen ähnlich wie vor rund 1.000 Jahren im trojanischen Krieg. Die Angreifer waren damals die Griechen, die das schöne Pferd aus Holz gebaut und ihre Soldaten im Bauch versteckt hatten. So konnten sie unbemerkt die sichere Festung von Troja einnehmen. Kriminelle machen das heute ähnlich: Das Pferd ist inzwischen eine hübsche Software, auf den ersten Blick attraktiv. Wenn ich sie aber erst mal heruntergeladen habe, dann werde ich die Gangster auch nicht mehr so einfach los. Dann können sie von einem anderen Rechner zum Beispiel meine Passwörter oder Kreditkartennummern abfangen. Weil im Internet Milliarden umgesetzt werden, ist aus dem Sport von Hackern inzwischen ein großer Markt der organisierten Kriminalität geworden. Die Hersteller von Antivirenprogrammen haben im vergangenen Jahr 20 Millionen manipulierte Programme entdeckt, die Hälfte davon sind inzwischen Trojaner.

Wie schaffen es die Kriminellen, einen Trojaner auf meinem Rechner zu verstecken?

Früher wurde ein Computer-Virus gerne per E-Mail verschickt. Inzwischen werden lieber beliebte Internetseiten manipuliert. Zum Beispiel können dort Werbebanner ausgetauscht werden. Dann reicht es schon aus, wenn ich die Seite anklicke. Die Methode wird "Drive by Download" genannt. Im Vorbeifahren habe ich also den Trojaner zufällig mitgenommen. Die Hacker setzen dabei auf Schwachstellen in meinem Browser. Dabei ist es ziemlich egal, ob ich mit dem Internet Explorer oder Safari Firefox im Internet surfe. Der virtuelle Angriff lässt sich ganz gut vergleichen mit Einbrechern, die so lange an Fenstern und Türen rumdrücken und rütteln, bis der Rahmen an einer Schwachstelle nachgibt. Auch moderne Software hat immer wieder Sicherheitslücken.

Wie kann ich mich vor den Einbrechern schützen, wenn ich auf das Internet nicht verzichten will?

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Wie mache ich meinen PC sicher?

Das Risiko im Netz minimieren: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat Empfehlungen herausgegeben, wie Computer-Nutzer sich vor Missbrauch schützen können. extern

Wie wirksam ist Anti-Viren-Software?

NDR Info

Anti-Viren-Software hilft nicht gegen den Staatstrojaner, berichtet heisesecurity. extern

Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht. Einbruchssicher wird der Rechner immer mit den aktuellen Versionen der Programme. Das Häkchen also gleich auf automatisch aktualisieren setzen. Und dann immer nur bei den Herstellern auf der Seite ein Update durchführen. Das gilt auch für Anti-Viren-Programme. Bei jedem Gratis-Programm vielleicht ein Mal mehr nachdenken, ob ich es überhaupt brauche. Beim "Bundestrojaner" hätten alle diese Tipps aber nichts gebracht: Bis vergangenen Sonnabend hatte ihn kein einziges Anti-Viren-Programm entdeckt. Inzwischen haben die Anbieter reagiert. Allerdings reicht es nach einem Test von heise security aus, die Datei minimal zu verändern, schon wird der Trojaner nicht mehr erkannt. Das zeigt: Der "Bundestrojaner" ist eben für jeden Abhörfall individuell konfiguriert. Den besten Schutz dagegen gibt es nur, wenn die Gesetze geändert werden und der Staat keine Trojaner mehr zum Abhören einsetzen darf.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | | 13.10.2011 | 08:08 Uhr

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