Stand: 08.08.2016 06:00 Uhr  | Archiv

Wie User Opfer von Cyberkriminalität werden

von Katja Scherer, NDR Info Wirtschaftsredaktion

Immer wieder kommt es vor, dass Kontoverbindungen, E-Mail-Adressen oder sonstige persönliche Informationen gehackt werden. Für Cyberkriminelle sind diese Daten ein wertvoller Rohstoff.

Symbolbild für Passwort Abfrage. © fotolia.com Foto: pn_photo
Immer wieder gelingt es kriminellen Hackern sensible Kundendaten zu stehlen.

Es war eine Nachricht, die wohl nicht nur Eltern aufschrecken ließ: Ende vergangenen Jahres wurde bekannt, dass beim Spielehersteller Vtech knapp fünf Millionen Datensätze gestohlen wurden - auch die von Kindern. Auch das Karriereportal LinkedIn wurde bereits gehackt. Für Kriminelle sind solche Datendiebstähle ein lukratives Geschäft: Sie verkaufen ihre Beute auf illegalen Online-Marktplätzen, im sogenannten Darknet. Laut Thorsten Urbanski vom Bochumer Softwarehaus G-Data wird dort nach Schätzungen von Ermittlungsbehörden deutlich mehr umgesetzt als weltweit im Drogenhandel.

Angreifer deutlich professioneller

Die Angreifer sind in den vergangenen Jahren deutlich professioneller geworden. Während früher Hobby-Hacker sinnlose Spam-Mails verschickten, geht es heute fast immer ums große Geschäft. Die Täter sind in hoch spezialisierten Gruppen organisiert: "Gruppen, die die Software entwickeln, die die Rechner kompromittieren und Gruppen, die das Ganze dann zu Geld machen", sagt Thorsten Holz, Professor für IT-Sicherheit an der Universität Bochum.

Login-Daten durch Phishing-Mails

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Interessant ist für die Täter alles, was sie finden können: Kreditkartendaten natürlich, aber auch E-Mail-Adressen, persönliche Daten und Passwörter - wie im Fall von LinkedIn. Viele Menschen verwenden ihre Login-Daten mehrmals, sodass die Täter mit einem Passwort auf zahlreiche Plattformen zugreifen können. Dieses Wissen können sie nutzen, um sogenannte Phishing-Mails zu erstellen. Also gefälschte Mails, durch die die Täter Zugriff etwa auf die Login-Daten des Onlinebankings bekommen: "Während früher die Mails noch recht unprofessionell aussahen, haben die professionelleren Banden heute perfekte Texte und eine persönliche Ansprache. Sodass das Opfer verleitet wird auf einen Link zu klicken." Zum Beispiel auf eine gefälschte Flugbuchungsseite.

Manchmal haben die Täter aber auch gar keine kommerzielle Motivation: In der Vergangenheit wurden auch schon Laptop-Kameras missbraucht, um Menschen in ihren Schlafzimmern zu beobachten. Oder die Täter nutzen private Rechner, um ein sogenanntes Botnetz aufzubauen. Das sei für Straftäter existenziell um anonym zu bleiben, sagt Steffen Hahn, Leiter der Ermittlungsstelle Cybercrime beim LKA Hamburg.

Identifizierung der Täter immer schwieriger

Dieses Verfahren sei eigentlich schon sehr alt, die Botnetze aber würden immer ausgefeilter. So werde es immer schwieriger, die Identität der Täter zu entschlüsseln. Immer mehr Angriffe gibt es zudem auch auf Handys, denn diese sind, anders als Computer, fast immer eingeschaltet. Und in Zukunft könnten selbst Kaffeemaschinen betroffen sein, sagt Udo Schneider von der Softwarefirma Trend Micro: "Viele Menschen suchen derzeit nach Geschäftmodellen, wie man aus dem Internet der Dinge, zum Beispiel einer Kaffeemaschine oder einem Connected Car, Geld machen kann. Die große Angst dabei ist, dass Cyberkriminelle das für ihre Zwecke nutzen." Klar ist daher: Je weiter die Digitalisierung fortschreitet, desto wichtiger ist, dass wir uns schützen.

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NDR Info | 09.08.2016 | 10:41 Uhr

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