Stand: 18.09.2013 12:00 Uhr  | Archiv

Wenn sich Computerspiele und Realität treffen

Was passiert, wenn Computerspiele nicht am Rechner, sondern auf der Straße gespielt werden? Und wie sieht ein Ego-Shooter-Ballett aus? Das können Interessierte in Hamburg erfahren, denn die Innenstadt ist bis Freitag eine Bühne für Computerspieler. Am Dienstagabend wurde "play13", das 6. Festival für kreatives Computerspielen, mit einem Senatsempfang im Rathaus eröffnet.

Anschließend wurde der Rathausmarkt zum Spielfeld und Hamburger Passanten zu Computerspiel-Figuren beim Streetgame, das zu den Festival-Highlights gehört. Von Mittwoch bis Freitag werden jeweils von 14 bis 16 Uhr auf dem Gänsemarkt Streetgames gespielt.

Kreativer Umgang mit Computerspielen

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Medienpädagoge Andreas Hedrich ist einer der Initiatoren des Festivals "play13".

"Computerspiele sind viel mehr, als nur an der Maus zu hängen", sagt Andreas Hedrich. Der Medienpädagoge ist Sprecher der Initiative Creative Gaming, die das Festival veranstaltet und damit alle Altersgruppen ansprechen will. So wird es am Freitag einen Familiennachmittag geben, bei dem Eltern und Kinder die Faszination von Computerspielen gemeinsam auf einem digitalen Spielplatz erleben können. Eine interaktive Ausstellung im Gängeviertel und auf dem Gänsemarkt zeigt eine Auswahl von Independent Games und lädt zum Ausprobieren ein. In Workshops wird beispielsweise gezeigt, wie Computerspiele entstehen oder kreativ genutzt werden können. Wer Interesse hat, kann sich auch kurzfristig noch auf derInternetseite des Festivals anmelden und mitmachen.

Programm stark ausgeweitet

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"Jeder ist eingeladen, die Möglichkeiten, die in Computerspielen stecken, kennenzulernen", sagt Vera Marie Rodewald von der Festivalleitung.

Insgesamt gibt es etwa 80 Veranstaltungen an neun Spielorten - neben Workshops und Ausstellungen auch Talks, Vorträge sowie Besichtigungen von Spielefirmen. Zu den Veranstaltungsorten gehören unter anderem das Metropolis-Kino, das Nachtasyl im Thalia Theater und der Hühnerposten. "Wir haben das Programm deutlich vergrößert - es gibt erstmals auch Abendveranstaltungen wie einen Poetry Slam und einen Battle of the Bands", sagt Vera Marie Rodewald. Die Medienpädagogin gehört ebenfalls zur achtköpfigen Festivalleitung. Zum Abschluss wird am Freitagabend ab 20 Uhr im Hühnerposten gefeiert - auf der Bühne steht die Hamburger Band Fuck Art, Let's Dance.

Fünf Jahre Potsdam - jetzt Hamburg

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Hausarbeit 2.0: Tobias Othmar Hermann präsentiert "Dusteroids Reality". Dabei benutzt der Spieler einen Staubsauger mit eingebautem PC.

In den vergangenen fünf Jahren fand das Festival in Potsdam statt. "Die Förderung war dort aber etwas mau und die Verankerung hat nicht wirklich geklappt", erklärt Hedrich den Umzug an die Elbe. Der Medienexperte hat als Hamburger ein gutes Netzwerk in der Stadt. Nach einem erfolgreichen "Mini-Festival" 2012 in der Hansestadt habe man sich für den Standortwechsel entschieden. "Play13" wird von mehreren Hamburger Institutionen getragen und zudem von der Bundeszentrale für politische Bildung unterstützt. "Das Festival wird hier besser angenommen und hat eingeschlagen wie eine Bombe. Das Programm ist immer weiter gewachsen", freut sich der Medienexperte. "Bei dem Festival können wir alles verbinden, was wir in den Bereichen Medienkunst und Medienpädagogik anbieten." Ziel sei es, dass Medien und Computerspiele ernster genommen werden.

Workshops für Schüler - Fortbildungen für Lehrer

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Tina Ziegler, Gründungsmitglied der Initiative Creative Gaming, möchte bei "play13" die medienpädagogische Bedeutung von Computerspielen zeigen.

Die Initiative Creative Gaming fördert seit 2006 einen alternativen und künstlerischen Umgang mit Computerspielen. So soll Jugendlichen gezeigt werden, dass sie auch selbst gestalten können. Hedrich: "Viele Schüler haben ein umfassendes Genrewissen - aber sie wissen bisher nicht, was sie damit erreichen können." Die Initiative bietet ihre Workshops und Projekte deshalb beispielsweise in einer Stadtteilschule in Hamburg-Wilhelmsburg an. Es gibt auch Fortbildungen für Lehrer. Die Initiative begleitet dabei die Pädagogen und zeigt Möglichkeiten, Computerspiele sinnvoll in den Unterricht einzubauen.

Einblicke in die Gamesbranche

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Bei "Pong Invaders Reality" tritt der Spieler mit einem echten Tischtennisschläger und Ball gegen auf Milchglas projizierte Aliens an.

Das Festival "play13" gibt auch Einblicke in die Berufswelt. Schließlich gilt der Standort Hamburg als das Paradies für die Computerspielbranche in Deutschland. Ihren Erfolg hat die Hansestadt einer gut funktionierenden Infrastruktur zu verdanken: Der Berater Achim Quinke rief 2003 gemeinsam mit dem Senat ein Konzept für die Förderung der Branche ins Leben. Außerdem gründete er das Netzwerk gamecity:Hamburg. "Die Gamesbranche ist ein großer Wirtschaftsfaktor, das Netzwerk in der Stadt funktioniert gut", betont Hedrich. "Hamburg steht vor allem für Nachwuchsförderung." An der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) gibt es den einzigen Master-Studiengang Gamedesign Deutschlands. Die Chancen stehen also gut, dass sich das Festival für kreatives Computerspielen in der Stadt etabliert.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 18.09.2013 | 19:00 Uhr

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