Stand: 20.03.2017 15:38 Uhr

Wenn die Nachrichten aus der Kaffeetasse kommen

von Melanie Stein

Erreichen uns Nachrichten zukünftig über sprechende Tassen oder schlaue Frühstücksbretter? Einige Bastler unter den Journalisten suchen neue Wege - zwischen allgegenwärtigen Medien und Entschleunigung.

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Kurznachrichten dank Kippsensor: Ist das die Nachrichtenportionierung der Zukunft?

Jakob Vicari aus Lüneburg gehört zu den Bastlern unter den Journalisten. Seine neueste Erfindung: die Nachrichtentasse. Sie liefert Informationen in bekömmlichen Portionen - eine Nachricht pro Schluck wird vorgelesen.

Ein sogenannter Kippsensor erkennt, wann die Tasse weg vom Mund geführt und auf den Tisch gestellt wird. Erst dann ertönt die Meldung. Die Idee zu diesem Prototypen kam Vicari wegen eines morgendlichen Problems. "Ich werde morgens einfach so vollkommen überrollt von den Radionachrichten. Dazu gibt’s dann noch ganz viel Notifications auf meinem Smartphone und das ist mir einfach zu viel." Sein Gedanke: "Wie kann ich die Nachrichten so konsumieren, dass ich sie morgens vertrage?"

Medien der Zukunft: Allgegenwärtig, aber im eigenen Tempo

Neben seiner gesteuerten Kaffeetasse hat der freie Journalist auch ein Frühstücksbrett gebaut. Darauf zu sehen: ein kleiner Monitor, auf dem Kurz-Meldungen von Twitter einlaufen. Für Vicari ist das der Journalismus der Zukunft. "Wir müssen uns viel mehr Gedanken darüber machen, was die Situationen sind, in denen Menschen Journalismus nutzen. Es kann sein, dass die Zeit der Nachrichtensendungen, die für alle gleich sind, abgelaufen ist. Stattdessen möchte jeder die Nachrichten individuell auf sein Tempo abgestimmt haben."

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Tweets neben dem Toast: Prototyp von Jakob Vicari

Die Ideen des Wissenschaftsjournalisten reihen sich ein in die Vision vom Internet der Dinge. Kleidung, Spiegel, Kaffeemaschinen - in Zukunft sollen sämtliche Gegenstände mit Minicomputern ausgestattet werden, die miteinander kommunizieren und so den Nutzern das Leben erleichtern. Für den Journalisten und Unternehmer Marco Maas bietet das Chancen aber auch neue Herausforderungen für Journalisten. "Wenn man sich überlegt, dass Nachrichten schon jetzt ihren Weg zum Nutzer über Facebook finden, nicht mehr über die Website des Anbieters, habe ich als Journalist ein echtes Distributionsproblem. Das kann ich nur lösen, wenn ich mit Technologie-Entwicklern rede."

Wer kontrolliert, wie Nachrichten das Publikum erreichen?

Maas selbst baut derzeit die App "xMinutes". Ein Programm, das lernt, wann Personen überhaupt Zeit haben, Nachrichten zu konsumieren und für welche Themen sie sich interessierten. Maas kann sich vorstellen, mit Vicari zusammenzuarbeiten. "Jakob ist ein Hardwarebastler und wir bauen gerade eine Nachrichtendistributionslösung. Was läge da näher, als zu überlegen, wie ein Kühlschrank oder ein Badezimmerschrank der Zukunft aussehen könnte." Vicari könne sich um den Schrank kümmern. Und Maas und seine Firma darum, "welche Art der Nachrichten wir darauf kriegen können".

Journalisten, die Technik bauen - das zeigt ein neues Selbstverständnis. Denn Journalisten müssen sich kümmern, neue Wege zu erschließen, mit Berichten Geld zu verdienen. Eine andere Motivation ist laut Vicari aber auch der Datenschutz. "Ich glaube, dass wir in unserem Nachrichtenverhalten längst getrackt werden und Google über uns sagen kann, für welche Nachrichten wir uns interessieren." Die einzige Antwort darauf könne sein: "Plattformen bauen, die uns gehören und wo wir sagen können, was die von uns wissen sollen und was nicht."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 20.03.2017 | 15:38 Uhr

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