Stand: 02.02.2017 11:13 Uhr  | Archiv

Was bringen die Online-Proteste gegen Trump?

Die Social-Media-Kanäle haben bei der US-Wahl eine wichtige Rolle gespielt - sie waren gerade auch für Unterstützer von Donald Trump eine entscheidende Plattform für Austausch und Information. Nun wird bei Facebook, Twitter und Co. aber auch der Widerstand gegen den neuen US-Präsidenten immer größer und die Online-Petitionen zahlreicher. Als Trump-Kritiker hat man inzwischen fast die Qual der Wahl, wo man sich gegen ihn engagieren will. Aber was bringt das Ganze?  

Screenshot des Twitter-Profils Trump_regrets. © Screenshot
Auf dem Twitter-Profil "Trump_regrets" bedauern viele User ihre Entscheidung, Trump gewählt zu haben.

Die Wut und die Reue im Netz - sie wachsen offenbar von Tag zu Tag. Etwa auf Trumps liebstem Social-Media-Kanal Twitter. Der dort eigens eingerichtete Account mit dem unmissverständlichen Namen "Trump_regrets" hat innerhalb kürzester Zeit knapp 1.300 Tweets gesammelt. Allesamt von angeblichen Trump-Unterstützern, die ihre Wahlentscheidung inzwischen bereuen. Etwa so:

"Ich habe für Sie gestimmt. Ich wollte einen Wandel. Aber nicht das."

"@realDonaldTrump, ich schäme mich, dass ich jemals für Sie gestimmt habe."

"Nachdem ich begriffen habe, dass ich Trump unterstützt und für ihn gestimmt habe, werde ich nie wieder trinken. Die schlimmste Entscheidung unter Alkoholeinfluss, die ich je getroffen habe."

Mehrere Millionen Unterschriften

Auch via Facebook wird Widerstand deutlich. Hier wirbt beispielsweise das große Online-Kampagnennetzwerk Avaaz um Unterschriften von Trump-Gegnern. Ihren offenen Brief "Welt gegen Trump" gibt es in 17  Sprachen. Darin heißt es:

"Sehr geehrter Herr Trump, So nicht! Die Welt weist Ihre Angstmacherei, Ihre Hetztiraden und Ihre Scheinheiligkeit zurück. (...) Als Bürger und Bürgerinnen dieser Welt stehen wir geschlossen gegen Ihre Politik der Spaltung.“

Knapp fünf Millionen Nutzer haben den offenen Brief bereits unterschrieben. Speziell in Deutschland ruft die Organisation Campact seit Anfang der Woche ihre Mitglieder dazu auf, online gegen Trumps politische Pläne zu unterzeichnen.

Glaubwürdigkeit der Petitionen ist ein Problem

US-Präsident Donald Trump ballt eine Faust. © dpa Bildfunk/AP Foto: Andrew Harnik
Die Entscheidungen von US-Präsident Donald Trump sorgen frü viele Protest-Aktionen - auf der Straße und im Netz.-

Der Zulauf bei all diesen Petitionen ist derzeit groß. Auch weil es so herrlich einfach ist, sagt Christian Scherg, Experte für Online-Kommunikation. Das allerdings untergrabe auch die Glaubwürdigkeit: "Das Problem ist, dass viele Plattformen auch nicht wirklich Sorge tragen, dass hier seriös abgestimmt wird. Das heißt, die Zugangsvoraussetzungen sind relativ gering, und das Thema Datenschutz oder Verifikation der einzelnen Accounts wird nicht so wahnsinnig ernst genommen." Eines gelinge so aber, sagt Scherg: Die hohe Beteiligung sorgt für enorme Aufmerksamkeit.

Britisches Parlament beschäftigt sich mit Petition

Bleibt allerdings die Frage: So überaus vielfältig die Möglichkeiten inzwischen sind, sich online gegen Trump zu engagieren - sind sie auch wirksam? So genau könne man das gar nicht sagen, meint Kampagnen-Experte Scherg: "Es kommt immer darauf an: Es gibt in der politischen Gesellschaft ganz klare, standardisierte Regeln, wann eine Petition zugelassen wird. Aber viele Online-Petitions-Plattformen halten sich nicht an diese Regeln. Das bedeutet, dass es auch Glückssache ist, ob es in den politischen Diskurs einfließt oder nicht."

Es geht aber auch anders: Die Online-Petition gegen einen Staatsbesuch des US-Präsidenten in Großbritannien hat alle Bedingungen und Fristen berücksichtigt - und inzwischen mehr als 1,8 Millionen Unterzeichner. Genug, um zu erreichen, dass das Für und Wider des Staatsbesuchs im Parlament thematisiert werden muss.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 02.02.2017 | 08:08 Uhr

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