Stand: 26.02.2015 13:47 Uhr  | Archiv

Start-ups: Angst vor dem Scheitern überwinden

von Vassili Golod

Microsoft-Gründer Bill Gates, Google-Chef Larry Page oder Apple-Ikone Steve Jobs - die großen Namen in der IT-Branche sind alle männlich. In der Welt der Informationstechnik sind Frauen eher eine Ausnahme. Der Frauenanteil in Deutschland liegt bei gerade mal 14 Prozent. Bei der Social Media Week in Hamburg wird diskutiert, woran das liegen könnte und was man in Zukunft anders machen kann.

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Jungunternehmerin Miriam Bundel betreibt ein Start-up-Unternehmen im Bereich der "Share Economy".

Wer auf der Digitalkonferenz in Hamburg unterwegs ist, trifft viele selbstbewusste und zielstrebige Frauen. Eine von ihnen ist Miriam Bundel. Die 25-Jährige hat ein abgeschlossenes Studium und ist Geschäftsführerin eines eigenen Unternehmens. "Ich war für kurze Zeit fest angestellt und habe da einfach festgestellt, dass das doch nicht so mein Ding ist", erzählt Bundel. Anschließend hat sie als freie Grafikdesignerin für diverse Start-ups gearbeitet und sich in dieser Zeit die ersten Vorbilder gesucht. Vorbilder für die Selbstverwirklichung, denn den Gründergeist hatte sie nach eigenen Angaben schon immer in sich.

"Share Economy" als Erfolgsrezept

Mittlerweile hat sie auch ihr eigenes Start-up gegründet. "Shelf-Sailor" nennt sich die Online-Plattform, auf der Menschen ihre Sachen auslagern können. Ist die eigene Wohnung zu voll, mietet man sich einfach einen Raum im Keller des Nachbarn. Bundels Unternehmen vermittelt die privaten Lagerflächen. Das Start-up basiert auf dem Prinzip der "Share Economy", die momentan ein echter Trend ist.

Weniger im Trend ist dagegen der Gründungsgedanke bei Frauen. Nur knapp über zehn Prozent der Start-ups in Deutschland werden von Frauen initiiert. Bundel weiß das nur zu gut: "Ich gehöre auf jeden Fall zu einer Minderheit. Auf Events stehe ich als Frau zum Teil alleine da", sagt sie. "Ein Grund ist eine gewisse Schüchternheit, eine Zurückhaltung, ein mangelndes Selbstbewusstsein wahrscheinlich."

Mut gehört zur Start-up-Gründung dazu

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"Einfach mal machen", rät Heide Peuckert vom Startup Weekend Hamburg.

Über die Ursachen wird bei der Social Media Week fleißig spekuliert. Alles wird auf den Prüfstand gestellt, in alten Ressentiments gekramt: Vielleicht verhindert die klassische Rollenverteilung von Mann und Frau die weiblichen Start-ups, meinen einige. Andere sagen, Frauen verkaufen sich unter Wert, können nicht netzwerken, sind zu schüchtern. Vor allem aber verweisen viele auf die Angst vor dem Scheitern.

Davon sollte man sich nicht abschrecken lassen, meint Heide Peuckert. Sie engagiert sich für das Startup Weekend Hamburg vom 10. bis 12. April in Hamburg - und spricht jungen Frauen Mut zu: "Man muss einfach mal machen, einfach ausprobieren, sich trauen, sich das angucken und reinschnuppern. Frauen können genauso gründen und auch erfolgreich gründen."

"Hey, ich kann das doch!"

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Das Thema "Gründungsinitiative von Frauen" findet auf der Social Media Week viele Zuhörerinnen.

Die Probleme sind benannt, der Diskurs läuft. Auf der Social Media Week haben sich viele junge Frauen präsentiert und an eigenen Beispielen gezeigt, wie es gehen kann. Vielleicht werden sie schon bald anderen als Vorbilder dienen. Peuckert glaubt jedenfalls fest daran und ist optimistisch, dass es in naher Zukunft mehr weibliche Gründerinnen geben wird: "Es wird immer mehr initiiert, es gibt mehr Netzwerke, die sich natürlich auch noch ein bisschen stärker verbinden müssen." Sie ist fest davon überzeugt, dass es in Zukunft mehr Möglichkeiten für Start-up-Gründerinnen geben wird. "Ich glaube, dass viel mehr Frauen das Bewusstsein bekommen: 'Hey, ich kann das doch! Ich bin doch auch Gründerin. Und vielleicht ist das sogar was für mich.'"

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 26.02.2015 | 08:08 Uhr

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