Stand: 17.08.2016 18:12 Uhr

Sexismus-Vorwürfe gegen YouTube-Stars

von Beke Schulmann

Am Freitag beginnen die "Video Days" in Köln - das größte YouTuber-Treffen in Europa. Die Stars der Szene erreichen über die sozialen Medien Millionen junger Menschen mit ihren Videos. Einige werden im Internet zurzeit scharf kritisiert - für Sexismus in ihren Beiträgen.

Marie Meimberg hat im Juli beispielsweise in einem online veröffentlichten Artikel ihrem Ärger Luft gemacht.

"Von den 16-jährigen Zwillings-Lochis bis hin zur 32-jährigen Joyce Ilg, (…) - überall findet man sie, die Videos, die den wirklich wichtigen Fragen der Menschheit nachgehen: 'Was Männer an Frauen geil finden' oder 'Was Frauen nie sagen, aber denken' (…) und völlig egal, ob hier ein YouTuber oder eine YouTuberin vor der Kamera steht, was dabei rauskommt, ist wirklich sexistischer Klischeescheiß vom allerfeinsten.“

YouTube-Stars erreichen über die sozialen Medien Millionen junger Menschen mit ihren Videos.

Meimberg ist Academy-Präsidentin des Webvideopreises, betreibt selbst einen YouTube-Kanal und zeigt sich schockiert von den Inhalten einiger ihrer Kollegen. "Die Szene, die sich immer wieder als Gegenkonzept zu RTL und den veralteten deutschen Print- und TV-Machern sieht, die sich als das Neue feiert und ihre Freiheiten lebt, ausgerechnet jene überflutet ihre jungen Zuschauer mit Geschlechterrollenklischees, die selbst Berlin Tag & Nacht zu billig wären“, betont Meimberg.

Worüber sie sich so ärgert, sind Videos wie dieses: Es trägt den Titel "Worauf stehen Männer bei Frauen? Mit Melina": Drei junge Männer und eine junge Frau arbeiten eine Strichliste ab:

"Wie behindert ist das, dass ich jetzt den nächsten Punkt machen muss? Kochen! Ich bin kein Anti-Emanzipationstyp. Also ich sag nicht: Frauen gehören nur in die Küche - blabla - aber ich hab schon oft Frauen gedatet, die gesagt haben, hä kochen? Nee, ich fass hier gar nichts an. So altmodisch das klingt: Wenn 'ne Frau nicht kochen kann, ist es keine Frau.“

Dieses Video der YouTuber Ape Crime wurde weit über eine Million Mal geklickt.

Junge Erwachsene bedienen klassische Geschlechtermodelle

Maike Groen von der Technischen Hochschule Köln forscht zu Gender-Aspekten in den digitalen Medien und stellt fest: Junge Erwachsene reproduzieren auf Kanälen wie YouTube häufig klassische Geschlechtermodelle. "Das ist sexistisch, weil es eben sehr reaktionäre Vorstellung davon, was ist weiblich und was ist männlich, bedient", sagt Groen. "Und die Hoffnung, die eigentlich ja mal mit dem Web 2.0 oder dem Internet an sich verbunden war, dass es eben zu einer Auflösung von so starren Rollenmodellen kommt - insbesondere im Bereich Geschlecht - ist auf jeden Fall nicht zu sehen auf YouTube."

Es geht um Anerkennung und Klicks - also um Geld

Die jungen Männer besetzten dort unter anderem klassisch männlich dominierte Bereiche wie Politik, während sich die jungen Frauen schminkten oder vorführten, was sie eingekauft haben. Natürlich gehe es den YouTubern dabei um Anerkennung und Klicks - also auch Geld - sagt Groen. Und wer vermeintliche Tabus bricht, bekommt Klicks. So nennt Katja Krasavice zum Beispiel eines ihrer Videos "S*X in ner Höhle" - in dem sie eigentlich ein Videospiel testet:

"Ich werde auf jeden Fall übelst steinzeitmäßig hier sein und mich auch anpassen, aber ich wär ja nicht Katja, wenn ich das alles hier so normal machen würde, ich will natürlich auch wissen, wie es in der Steinzeit war, gab’s da schon irgendwelche Bitches, (…) wie haben die zum Beispiel einen Mann gefunden ohne Flirt-App?"

Homophobie, Sexismus oder Rassismus entgehen Kontrolleuren häufig

Um eindeutig sexuelle Inhalte von der Plattform fernzuhalten, gibt es eine Kontrolle der Videos durch das Unternehmen. Beiträge, in denen beispielsweise zu viel nackte Haut gezeigt wird, werden gelöscht. Videos, die Homophobie, Sexismus oder Rassismus enthalten, würden den Kontrollen allerdings meist entgehen, sagt Maike Groen. "Was eigentlich schöner wäre, wenn es nicht über das Verbieten ginge, sondern über Alternativen. Also wenn es zum Beispiel Förderungen geben würde von Personen oder Projekten, insbesondere eben auf Youtube, die alternative Rollenmodelle oder Geschlechtsmodelle oder Sexualitäten vorstellen" so Groen. "Damit Jugendliche auch mehr Bandbreite und mehr Angebote erfahren."

YouTuberin Marie Meimberg probiert es mit einer Alternative: Um darauf aufmerksam zu machen, dass YouTuberinnen häufig aufgrund ihres Aussehens bewertet werden und nicht für den Inhalt ihrer Videos, rief sie eine Kampagne ins Leben: Sie nennt sie #nichtschön.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 18.08.2016 | 08:08 Uhr

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