Stand: 24.07.2014 11:38 Uhr  | Archiv

Rührender Hashtag für Nahost-Versöhnung

Seit gut zwei Wochen hält die kriegerische Auseinandersetzung zwischen Israel und Palästinensern die Welt in Atem. Ein Konflikt, der unlösbar scheint. Nun hat sich im Internet eine vielleicht naive, aber rührende Gegenbewegung formiert: Versehen mit einem bestimmten Schlagwort tauschen Menschen mit jüdisch-israelischem und muslimisch-arabischem Hintergrund Fotos und Geschichten des friedlichen Miteinanders aus.

Von Wolfgang Stuflesser, ARD-Korrespondent in Los Angeles

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Sulome Anderson küsst ihren Freund und hält ein Schild hoch, auf dem steht: "Juden und Araber weigern sich Feinde zu sein".

Der Hashtag, also das Schlagwort, mit dem die Fotos bei Twitter und auf anderen Online-Seiten markiert sind, sagt alles: #JewsAndArabsRefuseToBeEnemies - "Juden und Araber weigern sich, Feinde zu sein". Dazu sind Fotos zu sehen wie das von Sulome Anderson, die ihren Freund Jeremy küsst. Sie ist Halb-Libanesin, er Jude aus einer orthodoxen Familie und amerikanisch-israelischer Staatsbürger.

Viele solcher gemischten Pärchen haben es den beiden nachgemacht und sich zusammen fotografiert. Sara zum Beispiel im innigen Tanz mit ihrem frisch angetrauten Ehemann Ben - sie aus dem Iran, er aus Israel. Oder ein Paar mit Kind, und darunter steht: "Jasmin ist Israeli, Osama ist Palästinenser - sie sind eine glückliche Familie." Sibel Süzen hält auf ihrem Foto ein Blatt Papier in die Kamera, darauf steht: "Meine Mutter ist Jüdin, mein Vater Muslim: Wie kann ich mein eigener Feind sein?"

Gegen den Hass in sozialen Netzwerken

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Die Initiatoren der Kampagne: Dania Darwish und Abraham Gutman.

Angefangen hat die virtuelle Kampagne am 10. Juli. Abraham Gutman und Dania Darwish, beide Studenten am Hunter College in New York, veröffentlichten eine Facebookseite unter dem Titel, der nun als Hashtag im Netz die Runde macht. Sie forderten alle auf, ihre eigenen Geschichten und Fotos beizutragen, erklärt Gutman im Interview mit der BBC: "In den letzten anderthalb Monaten fiel es mir schwer, auf Twitter und Facebook zu gehen: Alles war voller hasserfüllter Kommentare. Wir dachten, vielleicht können wir ja ändern, wie wir über all das reden."

Inzwischen hat die Facebookseite der Studenten mehr als 16.000 Fans und ist voll von anrührenden Geschichten der Versöhnung und des friedlichen Miteinanders. Mehrere tausend Mal wird der Hashtag im Moment jeden Tag verwendet - vor allem in den USA, Kanada und Großbritannien. Natürlich ist auch dem Initiator klar, dass eine solche Kampagne die Gewalt der Waffen nicht beenden wird, aber die Hoffnung auf mehr Menschlichkeit will er nicht aufgeben: "Wir hatten ein Foto, das uns jemand aus dem Bombenschutzkeller in Tel Aviv geschickt hat, auch wieder mit dem Schlagwort 'Juden und Araber weigern sich, Feinde zu sein'. Ich finde, das sagt eine Menge."

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 24.07.2014 | 08:08 Uhr

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