Stand: 24.03.2015 17:30 Uhr  | Archiv

Paid content: Lösung für die Zeitungskrise?

Wer seit dem 24. März auf die Internet-Seite der "Süddeutschen Zeitung" geht, wird freundlich und in gänzlich neuem Design empfangen. Die Leserinnen und Leser finden jetzt die komplette Zeitung im Netz, zusammen mit weiteren Artikeln, Recherchen und Hintergründen. Ein Schritt mit Signalwirkung: Eine von Deutschlands wichtigsten überregionalen Qualitätszeitungen wagt sich auf das Terrain des sogenannten Paid Contents - des bezahlten Inhalts.

Bezahlschranke "alternativlos"

Aber: Dieses Angebt ist nicht mehr umsonst: Der Leser wird aufgefordert für die Artikel zu zahlen - die "Süddeutsche" verlegt einen Teil ihres Produkts hinter eine Paywall. Ein "alternativloses" Modell, so Stefan Plöchinger, Digitalchef der "Süddeutschen Zeitung", im Gespräch mit ZAPP. Zehn Geschichten wöchentlich sind ab jetzt für jeden Leser kostenfrei, danach muss man sich für einen Tagespass oder ein Abo entscheiden.

Nach langen Diskussionen hat man sich in München auf dieses Modell geeinigt, weitere Änderungen aber nicht ausgeschlossen. "Wir gehen nicht davon aus, dass wir jetzt schon hunderttausende Abonnenten innerhalb des ersten Jahres haben, sondern dass wir Sachen herausfinden durch dieses Experiment und das Modell dann immer weiter justieren, so dass wir durch eine längere Sicht einen Weg sehen, wie wir Journalismus nachhaltig finanzieren können", so Plöchinger.

Strikte Schranke bei der "Rhein-Zeitung"

Ein eher weiches Modell. Anders handhabt das die "Rhein-Zeitung" in Koblenz. Sie hat Anfang des Jahres ihren Content komplett hinter eine Schranke verlegt. Wer lesen will, muss zahlen. Angefangen hatten auch sie mit der weicheren Variante a la „Süddeutsche“. Doch die Blattmacher waren schnell ernüchtert. „Wir haben uns für zehn freie Artikel entschieden, sind dann auf zwei freie Artikel runtergegangen und haben immer wieder nachgeguckt: Wie viele Leser, wie viele Nutzer gelangen überhaupt an diese Bezahlschranke? Und wir haben festgestellt, das sind verschwindend geringe Nutzerzahlen“, erklärt Marcus Schwarze, bei der Rhein Zeitung zuständig für den Online-Auftritt.

Jetzt, mit der beinahe kompletten Paywall, sind die Zugriffszahlen massiv eingebrochen. Doch damit hatte die Redaktion gerechnet. Dennoch werten die Koblenzer ihren Wechsel in der Online-Strategie als Erfolg: Es wachse die Erkenntnis bei den Lesern, dass guter Journalismus nicht zum Nulltarif zu haben sei. Zudem brauche es einfach Zeit, bis die Leser sich an das neue System gewöhnen.

Qualität soll sich lohnen

Stefan Plöchinger hält von einem strikten Modell, zumindest für die eigene Zeitung, nicht viel. Er will weiter herausfinden, was die Leser von der neuen Seite erwarten und wofür sie bereit wären zu zahlen. "Am Schluss müssen wir eben durch die Inhalte überzeugen, die eben besser sein müssen als auf den anderen Nachrichtenseiten. Das ist in Wahrheit eben kein Zahlenmodell, sondern ein journalistisches Qualitätsmodell. Zum Schluss werde ich für Journalismus wirklich nur dann Geld verlangen können, wenn ich auch Qualität liefere."

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 25.03.2015 | 23:20 Uhr

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