Stand: 23.02.2017 13:23 Uhr  | Archiv

Netzwerk "Schmalbart": Mit Fakten gegen Hetze

von Melanie Stein, NDR Fernsehen

Das rechts-nationale US-Portal "Breitbart" hetzt gegen Ausländer und feiert Rechtspopulisten. Damit Menschen hierzulande rechter Propaganda nicht auf den Leim gehen, hat Publizist Christoph Kappes das Netzwerk "Schmalbart" gegründet. Es setzt auf Fakten.

Ein Artikel des Breitbart-News-Networks zur Flüchtlingspolitik in Sumte. © breitbart.com
Ein Artikel des Breitbart-News-Networks zur Flüchtlingspolitik im niedersächsischen Sumte.

Auf den ersten Blick scheint "Breitbart" mit nachrichtlichen Fotos und Beiträgen zu aktuellen Themen ein gewöhnliches Newsportal zu sein. Doch bereits beim Lesen der Überschriften fällt auf: Die Geschichten haben stets eine rechts-nationale Perspektive. Für Aufsehen sorgten Schlagzeilen wie "1.000-Mann-Mob setzt älteste deutsche Kirche in Brand", "Schulen führen Migrations-Gehirnwäsche-Workshops durch" oder "Verhütung macht Frauen hässlich und verrückt". Viele Beiträge haben einen fremden- oder frauenfeindlichen Grundton. Liberale Werte werden verachtet, Massenmedien angegriffen. Und das funktioniert: Internet-User klicken und teilen derartige Artikel oft häufiger als die Geschichten etablierter Medien. Breitbart selbst meldete für Oktober vergangenen Jahres 37 Millionen Nutzer.

"Rekomposition isolierter Fakten"

Doch nicht immer sind die "Breitbart"-Meldungen derart plakativ. Insbesondere die Artikel über liberale Feindbilder wirken zum Teil nüchtern. Der Hass entlädt sich oft erst in den Kommentarspalten. Publizist Christoph Kappes beschreibt die Methode von "Breitbart" als "Rekomposition isolierter Fakten", um die eigenen Mantras stetig wiederholen zu können.

Für den 54-Jährigen ist das größte Problem der News-Seite, "dass sie die Informationen immer so aufbereiten, dass es immer die Ausländer sind, die irgendwas anzünden oder Straftaten begehen." Die Gegenseite - Straftaten, die deutsche Bürger beispielsweise begehen - werde nicht dargestellt.  

"Vereinfachern nicht auf den Leim gehen"

Auch wenn es die vom Unternehmen angekündigte deutschsprachige Ausgabe noch nicht gibt, berichtet "Breitbart" häufig über Themen aus Deutschland. Der rechten Propaganda, die auch von anderen Blogs veröffentlicht wird, will Autor Christoph Kappes mit Fakten begegnen. Deshalb gründete er gemeinsam mit Medienschaffenden und Aktivisten das Netzwerk "Schmalbart".  

Ihr Ziel: "Dass diejenigen, die in ihrem Urteil schwanken, nicht den Vereinfachern auf den Leim gehen". Dabei werde die Plattform nicht allein Anti-Positionen vertreten. Kappes will Vielfalt vertreten, wenn es um die Frage geht, wie Demokratie aussehen kann.  

Nicht bange machen lassen

Derzeit arbeiten etwa 20 Mitstreiter von "Schmalbart" an einer Faktendatenbank zu aktuellen politischen Themen. Sie wollen über die neue rechte Bewegung aufklären. Auch Artikel und Kommentare gibt es auf der Website.

Einige der Autoren publizieren unter Pseudonym. Dafür hat Kappes Verständnis, er sieht ein solches Versteckspiel aber auch als Gefahr an: "Wir müssen raus, gern auch mit Namen und Gesicht agieren. Denn wenn die Zivilgesellschaft in der Mehrheit anfängt wegzugucken oder sich einzukapseln, dann wird es wirklich schwierig."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 23.02.2017 | 08:08 Uhr

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