Stand: 24.03.2017 09:59 Uhr  | Archiv

Kann eine App vor Datenkraken schützen?

von Arne Schulz, NDR Info

Soziale Netzwerke, Onlineshops, Apps auf dem Handy - sie alle erheben umfangreiche Daten von ihren Nutzern. Welche das konkret sind, kann man in der Datenschutzerklärung nachlesen. Aber wer macht das schon? Meist müssen Nutzer sich durch Dutzende Seiten juristischer Fachtexte arbeiten. Verbraucherschützer fordern seit Jahren kürzere, leicht verständliche Datenschutzerklärungen. Inzwischen gibt es einige vielversprechende Ansätze. Die "NDR Info Perspektiven" geben einen Überblick über die aktuelle Lage und stellen als Lösungsmöglichkeiten unter anderem eine App vor, die Nutzern mehr Sicherheit bringen könnte.

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Oft genug werden Nutzer im Internet aufgefordert, auch sensible Daten wie Kreditenkarten-Nummern anzugeben.

Frederick Richter vom Vorstand der Stiftung Datenschutz glaubt, dass Nutzer im Internet immer mehr abstumpfen, weil sie so häufig mit Datenschutzerklärungen konfrontiert werden. An dieser Stelle müsse angesetzt werden, zum Beispiel bei der Verständlichkeit. Eine weitere Möglichkeit: Man könne die Datenschutzerklärung transparenter und damit lesbarer und leichter erfassbar machen.

Auf dem IT-Gipfel 2015 haben Verbraucherschützer, Unternehmen und Verbände diskutiert, wie das konkret aussehen könnte. Herausgekommen ist dabei der sogenannte One Pager: Auf einer einzigen Seite sollen die wichtigsten Informationen übersichtlich zusammengefasst werden. Ein Link verweist dann auf die detaillierte Langfassung. "Das heißt, juristisch verbindlich bleibt der lange Text. Aber zum Verständnis und zur Hilfe kann der kurze Text sehr gut beitragen", sagt Richter.

Große Unternehmen denken um

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Auch Unternehmen wie Zalando gestalten Datenschutzerklärungen für ihre Kunden übersichtlicher.

Als erstes großes Unternehmen hat die Telekom den One Pager vor einigen Monaten eingeführt. In wenigen Stichpunkten beantwortet der Konzern, welche Daten er erfasst, wie er das tut, wofür er die Daten anschließend benutzt und welche Rechte man als Kunde hat. Verbraucherschützer loben die Telekom für diesen Schritt: "Es ist übersichtlich und enthält weit verständliche Informationen. Das finden wir sehr sinnvoll", sagt Kathrin Körber von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Allerdings könne man die Din-A4-Seite der Telekom noch anschaulicher gestalten, meint Körber - zum Beispiel mit kleinen Grafiken.

Die Risiken des "One Pagers"

Der Onlinehändler Zalando hat die Idee aufgegriffen und gerade als erstes Unternehmen einen One Pager mit Piktogrammen veröffentlicht. Außerdem bietet Zalando ein Programm an, mit dem kleine Unternehmen ganz einfach ihren eigenen One Pager erstellen können.

Doch die Idee hat auch Schwachpunkte, warnt Frederick Richter von der Stiftung Datenschutz: "Der Fluch der Vereinfachung ist natürlich die Ungenauigkeit. Wenn ich einen komplexen Vorgang versuche, auf einer Seite abzubilden, dann wird es zwangsläufig unschärfer." Deshalb ist der One Pager wohl nur eine gute Zwischenlösung.

Eine App könnte mehr Sicherheit bringen

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Professor Christian Thorun von der Quadriga Hochschule Berlin hält Apps für sinnvoll, die Nutzern Empfehlungen zum Datenschutz geben.

Viel weiter reicht die Idee eines digitalen Helfers. Das ist eine App, der man sagen kann, wie die eigenen Daten verwendet werden dürfen. Die App gleicht dann die Vorgaben automatisch mit den Datenschutzerklärungen verschiedener Anbieter ab. Am Ende kann sie den Nutzern sogar konkrete Empfehlungen geben, erklärt Professor Christian Thorun von der Quadriga Hochschule Berlin: "Diese Hinweise können dann dazu führen, dass Verbraucher sagen: Mensch, ich würde den Zugang zur Standortfreigabe hier gerne entziehen. Oder: Diese App widerspricht in so vielen Punkten meinen eigenen Vorstellungen von Datenschutz, dass ich diese ganz deinstalliere."

Was wie Zukunftsmusik klingt, wird tatsächlich schon entwickelt. Seit einem Jahr arbeitet Thorun mit weiteren Forschern und mehreren Unternehmen an einer App namens "Privacy Guard". Sie analysiert die Datenschutzerklärungen und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Smartphone-Apps. Schon in zwei Jahren soll das Programm auf den Markt kommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | NDR Info Perspektiven | 24.03.2017 | 08:38 Uhr

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