Sendedatum: 22.05.2017 15:38 Uhr  | Archiv

Interne Facebook-Richtlinien veröffentlicht

Wenn sich Nutzer bei Facebook über einen ihrer Meinung nach hasserfüllten Kommentar oder ein Bild beschweren, lautet die Antwort von Facebook in vielen Fällen: Das sei kein Verstoß gegen die Richtlinien. Der "Guardian" hat jetzt die internen Richtlinien enthüllt, nach denen Facebook-Mitarbeiter entscheiden, was gelöscht wird und was stehen bleiben darf.

Gewalt und Hatespeech ein Problem für Facebook

Gewaltverbrechen, die live ins Netz übertragen werden, islamistische oder rassistische Propaganda, Stalking und Selbstmord-Ankündigungen: Im dem sozialen Netzwerk teilen die zwei Milliarden Nutzer nicht nur tolle Momente und Ideen, wie Gründer Mark Zuckerberg gerne betont, sondern bei Facebook werden auch eine Vielzahl gruseliger oder hasserfüllter Inhalte verbreitet. Diese werden, sobald sie gemeldet wurden, von Prüfteams gesichtet und bearbeitet.

Prüfteams werden mit Beispielen geschult

Der britischen Zeitung wurden interne Schulungsunterlagen für Facebooks Prüfteams zugespielt. Insgesamt handele es sich um mehrere tausend Seiten mit vielen Beispielen, wie die sogenannten Gemeinschaftsstandards in der Praxis ausgelegt werden sollen. Woran sollen die Facebook-Mitarbeiter eine satirische Äußerungen von Drohungen unterscheiden? Sind Fotos von Tierquälerei erlaubt - oder kommt es auf den Zusammenhang an? Müssen Facebook-Mitarbeiter die Polizei verständigen, sobald ein Nutzer das Wort Selbstmord in den Mund nimmt? Facebooks Antwort in diesem Fall: Nein, eher nicht.

Wenn-Dann-System kann nicht alles abdecken

Links

Guardian

Die britische Zeitung veröffentlicht die Unterlagen und ihre Analysen unter dem Titel "Facebook Files". extern

sueddeutsche.de

Auch die "Süddeutsche Zeitung" konnte die dem "Guardian" vorliegenden Dokumente einsehen. extern

Die geleakten Unterlagen zeigen, dass Facebook den Nutzern großen Spielraum für die Meinungsfreiheit lässt, sich aber gleichzeitig bemüht, seinen Mitarbeitern klare Entscheidungsgrundlagen für die Grenzen der Meinungsfreiheit mit auf den Weg zu geben. Aber gerade die konkreten Anweisungen machen deutlich, dass eine solches Wenn-Dann-System seine Grenzen hat: Letztlich wird es in vielen Fragen um Einzelfall-Entscheidungen gehen, die je nach individuellem Wertesystem der Prüfer und Nutzer unterschiedlich beurteilt werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 22.05.2017 | 15:38 Uhr

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