Stand: 02.06.2016 14:28 Uhr  | Archiv

Ich zahl' mit Google! - Was wird aus dem Bargeld?

von Wolfgang Stuflesser, ARD-Korrespondent in Los Angeles
Wolfgang Stuflesser, Korrespondent in Los Angeles. © Wolfgang Stuflesser
Ans bargeldlose Bezahlen selbst kleinster Beträge hat sich ARD-Korrespondent Wolfgang Stuflesser in den USA längst gewöhnt.

Die McDonald's-Filiale in Mountain View im Silicon Valley, nicht weit entfernt vom Firmensitz des Online-Giganten Google. Hier gibt es die üblichen Burger, Pommes und süße Limonade. Und doch ist diese Filiale anders: An der Kasse muss ich nur sagen, dass ich "mit Google" bezahlen möchte - und schon gehört der Cheeseburger mir.

"Hands Free" heißt das System - und tatsächlich brauche ich dafür keine Hand zu rühren: Mein Geldbeutel liegt noch im Auto, und selbst das Smartphone bleibt in meiner Hosentasche. Es hat aber - automatisch und mit meinem Einverständnis - den Google-Servern mitgeteilt, dass ich hier in dieser Filiale bin. Ich muss der Kassiererin nur noch meine Initialen sagen, und auf dem Bildschirm der Kasse erscheint ein Foto von mir. Sie bestätigt, dass tatsächlich der Typ vom Foto vor ihr steht - und der Rest der Zahlung läuft über Google.

Faszination und Ungewissheit

Ein Tablett von McDonalds mit der einem Werbepapier von "Hands Free" dem Google-Bezahlsystem © NDR Foto: Wolfgang Stuflesser
Google hat das Pilotprojekt "Hands Free"-Payment im Großraum San Francisco gestartet. Vorerst kann man damit nur Burger und Pizza kaufen.

Das Ganze geht so schnell und reibungslos, dass ich einerseits fasziniert bin, andererseits ist mir aber unheimlich zumute, wie viele Daten die beiden Großkonzerne Google und McDonald's im Hintergrund wohl über mich austauschen. Also frage ich andere Kunden, ob das System was für sie wäre. "Das klingt cool", sagt Dennis. In Sachen Datenschutz hat er keine Bedenken. Er glaube, dass Google gute Dinge tue.

"Hands Free" geht beim bargeldlosen Bezahlen vermutlich technisch am weitesten, aber grundsätzlich ist die Idee natürlich nicht neu: Schon die in den USA allgegenwärtige Kreditkarte ersetzt in vielen Fällen das Bargeld. Selbst Kleinstbeträge von ein paar Dollar kann ich hier damit zahlen. Annie dagegen zahlt alles in bar. Sie benutzt noch nicht mal Kreditkarten. Das spare eine Menge Geld bei den Kreditzinsen, erklärt mir die Immobilienmaklerin.

Zum Bezahlen ist kein Knopfdruck mehr nötig

Die neue Apple Watch © dpa Bildfunk Foto: Kay Nietfeld
Apple Pay macht's möglich: Mithilfe von iPhone oder Apple Watch ist das Bezahlen im Supermarkt oder sonstwo ein Kinderspiel.

Schon seit einer Weile gibt es Systeme, bei denen man sein Smartphone an der Kasse an ein Lesegerät hält und dann per Geheimzahl oder mit dem Fingerabdruck die Zahlung freigibt. Brian kann sich gut vorstellen, dass er irgendwann mit Google bezahlen wird. Er benutze nämlich schon häufig Apple Pay mit seinem iPhone: es sei schnell, bequem - und hoffentlich sicher.

Apple hat die Funktion auch in die Apple Watch eingebaut. Im Supermarkt zahle ich regelmäßig, indem ich die Hand mit der Uhr an den Leser halte.

Kundendaten sind ein sensibles Thema

Apple-Chef Tim Cook hat die Position seiner Firma in Sachen Datenschutz klar formuliert. Im Interview mit dem Journalisten Charlie Rose sagte er, dass Apple versuche, bei diesen neuen Diensten bewusst keine Daten zu sammeln. Und trotzdem hinterlasse ich beim Bezahlen mit Apple Pay natürlich eine Datenspur - am Ende zumindest bei meiner Kreditkartenfirma, die die Zahlungen von meinem Konto abbucht. Das wiederum nutzt auch dem amerikanischen Staat, weil sich so Schwarzgeldzahlungen oder Geldwäsche leichter finden lassen.

Ohne Bargeld geht es (noch) nicht

Während ein Ende des Bargelds in Ländern wie Schweden offenbar fast schon absehbar ist, scheint mir dasselbe in den USA dagegen undenkbar. Allein schon wegen der Trinkgeldkultur hier: Die Stundenlöhne sind so niedrig, dass zum Beispiel Kellnerinnen und Kellner oder auch Friseure auf Trinkgelder angewiesen sind. Ich selbst habe allein dafür immer etliche Ein- und Fünf-Dollar-Noten im Geldbeutel. Das Gleiche gilt für Straßenmusiker oder Obdachlose.

Und doch sagt Vanessa Hughes, Bargeld bringe für sie als Inhaberin eines kleinen Süßigkeitenladens auch Probleme. Bei ihr hätten Leute auch schon mit gefälschten Zehn- und 20-Dollar-Noten bezahlt. Wenn selbst bei diesen kleinen Scheinen Fälschungen im Umlauf seien, tue das einem Geschäft wie ihrem schon weh.

Passant Ian dagegen sagt, er liebe Bargeld - und erinnert an Prostituierte oder Stripperinnen und Stripper. Es sei zwar nicht in allen Bundesstaaten legal, was sie tun, aber sie müssten doch auch leben und seien Teil der amerikanischen Gemeinschaft. Aber wer weiß, vielleicht arbeiten Google und Co. ja auch da schon an einer neuen technischen Lösung.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 02.06.2016 | 10:08 Uhr

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