Stand: 14.03.2014 16:43 Uhr  | Archiv

Hannovers Geschichtsschreiber im Netz

von Celia Borm
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Bernd Schwabe hat schon fast 1.000 Artikel über Hannover verfasst.

100 Stunden pro Woche arbeitet Bernd Schwabe - ohne dafür auch nur einen Cent zu bekommen. Der Hannoveraner schreibt Artikel über seine Stadt und stellt sie beim Online-Lexikon Wikipedia ins Netz. "Stiften, Schenken, Ehrenamt. Etwas für die Allgemeinheit tun und natürlich Bildung, Bildung, Bildung, das fasziniert mich", sagt er. Und aus dieser Faszination sind bereits fast 1.000 Texte entstanden. Etliche neue hat er schon im Kopf.

Plattform mit Defiziten

2001 wurde Wikipedia von US-Amerikaner Jimmy Wales gegründet. Bis heute ist er ihr treu geblieben - auf der CeBIT 2014 hält Wales einen Vortrag. Es existieren mehr als 1,5 Millionen deutschsprachige Einträge auf der Plattform. Jeder kann dort Autor sein, korrigiert wird durch die Community. "Wikipedia hat aber noch einige Defizite, unter anderem in der demokratischen Gestaltung. Es gibt viel zu wenig Menschen, die die Plattform mitgestalten. Die meisten beteiligen sich nur als Konsumenten", sagt Schwabe. Und das müsse sich ändern. Für Hannover wünscht er sich, dass sich eine Gruppe von Menschen bildet, die unter ihren richtigen Namen Artikel veröffentlichen. Die Pseudonomysierung nämlich sieht er auch als einen der Schwachpunkte der Enzyklopädie. "Das ist eine pubertäre Forderung, das alles frei sein muss. So kann man anonym zum Beispiel immer wieder Löschanträge stellen. Es gibt natürllich aber auch Themen, durch die man sich als erkennbarer Autor in Gefahr begeben kann."

Wikipedia-Autor Bernd Schwabe auf der CeBIT. © NDR Foto: Celia Borm

Autor trifft Wiki-Gründer: "Es war wunderbar"

Bernd Schwabe investiert 100 Stunden in der Woche in das Schreiben von Artikeln für Wikipedia. Auf der CeBIT 2014 hat er den Gründer Jimmy Wales live erlebt.

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Geschockt vom "Monsteregoismus"

Über Jahre hat Schwabe von Erspartem gelebt und seine Kraft in die Online-Artikel gesteckt. Früher war er in der Wirtschaft tätig. "Ich war immer wieder über den Monstergeoismus schockiert, den es dort gab. Wenn mal eine Million zusätzlich reinkam, hat sich immer jemand aus der Geschäftsführung gefunden, der das Geld für sich allein haben wollte", erinnert sich Schwabe. Heute stört ihn vor allem, dass "Global Player wie Facebook oder Microsoft so tun, als würden sie die Menschen beschenken, sie dabei aber verkaufen." In Wikipedia sieht er einen Gegenentwurf zu Monopolen, die sich global bildeten. "Dort ist Bürgerbeteiligung für jeden möglich, der Internetzugang hat."

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Monitor-Beitrag zu Wikipedia

Der Beitrag zeigt, wie Firmen auf die Inhalte des Online-Lexikons Wikipedia versuchen Einfluss zu nehmen und wie schwierig es ist, solche Manipulationen aufzudecken. extern

Museum schätzt Genauigkeit

Wissen von allen, für alle. Das ist Schwabes Ziel. Weil es bei ihm keine Aussage ohne Beleg geben soll, wie er sagt, schreibt er Artikel über seine Heimatstadt. "Hier habe ich die Quellen vor der Haustür. 'Think global, act local' heißt es." Eine der wichtigstens Quellen für Schwabe ist das Historische Museum Hannover. Thomas Schwark, Direktor des Museums, weiß Schwabes Genauigkeit zu schätzen. "Er geht sehr systematisch vor und orientiert sich an den Erkenntnissen der Historikerinnen und Historiker." Bei einer Plattform wie Wikipedia, bei der es Lücken und Oberflächlichkeiten gebe, sei das nicht selbstverständlich. Auch was Bildrechte betreffe, sei Schwabe sehr akribisch, sagt der Direktor.

"Gedächtnis darf nicht verloren gehen"

Schwabe sieht Museen, Bibliotheken und andere Institutionen in der Pflicht, ihre Archive zu öffnen. "Digitalisiert es und stellt es auf Commons frei", so seine Forderung. Dabei bezieht er sich auf eine weitere Datenbank, auf der Dokumente weltweit frei zur Verfügung stehen. Nach Ansicht von Schwabe ist Eile geboten. "Die Menschen, die noch den Krieg in Deutschland erlebt haben, sterben jetzt, wo das Internetzeitalter beginnt. Es muss ein Bewusstsein her, dass dieses Gedächtnis nicht verloren geht", sagt Schwabe. Nur so könne auch die Jugend verstehen und schätzen, wie Wohlstand und Freiheit in Deutschland entstanden seien. "Allein bei der Quellenlage in Hannover ist das eine Aufgabe für 500 Jahre. Ich komme nicht mehr hinterher", sagt er. Deswegen will Schwabe nun eine Arbeitsgruppe bilden. Möglichst zentral und ausgestattet mit der nötigen Hardware. Nur ein Raum fehlt noch und die nötigen Unterstützer.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 14.03.2014 | 19:30 Uhr

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