Stand: 14.01.2017 10:00 Uhr  | Archiv

Handys in Schulen: Unterschiedliche Regeln in MV

Schüler schreiben SMS und telefonieren auf einem Schulhof. © dpa-Bildfunk Foto: Sebastian Kahnert
Für den Gebrauch von Smartphones an Schulen im Nordosten gibt es keine einheitlichen Regelungen. (Archivbild)

Heutzutage geht fast jeder der älteren Schüler mit seinem Smartphone zur Schule. Zur Nutzung von Mobiltelefonen an Schulen existieren in Mecklenburg-Vorpommern keine einheitlichen Regelungen. Jede Schule entscheidet selbst, wie sie den Handy-Gebrauch regelt, sagte ein Sprecher des Bildungsministerium in Schwerin. Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter einigen der über 600 Schulen im Nordosten ergibt ein unterschiedliches Bild.

Störende Smartphones können eingezogen werden

Demnach reichen die Bestimmungen der Schulen vom kompletten Verbot der Handynutzung im Schulgebäude bis dahin, dass die Geräte stummgeschaltet auf dem Tisch liegen dürfen. In manchen Fällen werden die Geräte im Unterricht eingesetzt. Vermeiden wollen die Schulen unbedingt, dass die Mobiltelefone den Unterricht stören. Passiert das, sei das vorübergehende Einziehen des Geräts durch die Lehrkraft ausdrücklich als Erziehungsmaßnahme möglich, hieß es aus dem Ministerium.

Nicht überall erwünscht

An allen befragten Schulen war zwar das Mitbringen der Telefone erlaubt, aber nicht in jedem Fall erwünscht. So etwa in der Regionalen Schule "Ehm Welk" in Ueckermünde. Dort sei das Filmen und Fotografieren auf dem Schulgelände verboten, sagte Schulleiter Dieter Ewert. Während des Unterrichts müssen die Geräte ausgeschaltet in der Tasche bleiben - nicht zuletzt, weil Schüler in der Vergangenheit auch zuweilen lieber der Musik aus dem Kopfhörer anstatt den Worten der Lehrer gelauscht hätten.

Handys in Regale ablegen

Der Leiter des Gymnasiums Carolinum in Neustrelitz, Henry Tesch, hält es bei einem Einzugsradius von 60 Kilometern für angemessen, dass die Schüler erreichbar sind oder ihre Familien anrufen können. Im Carolinum müssen die Geräte in Regalen in den Unterrichtsräumen abgelegt werden - ausgeschaltet. Allerdings dürften etwa im Mathe-Unterricht bestimmte Apps benutzt und in anderen Fächern Mobiltelefone zur Recherche herangezogen werden.

Gestörte Kommunikation

An der Evangelischen Schule in Neubrandenburg sind eingeschaltete Handys im Schulgebäude tabu. Man habe es sich nicht leicht gemacht und zunächst ein sechswöchiges "Handyfasten" ausprobiert, so Schulleiter Karsten Quaschning, denn die Lehrer seien unzufrieden gewesen. Insbesondere Siebt- und Achtklässler hätten in den Pausen bis zur letzten Sekunde mit ihren Geräten gespielt, anstatt an den Unterricht zu denken. Dies habe zu einer gestörten Kommunikation untereinander geführt. Nach der Probezeit sei nochmals diskutiert worden. "Mittlerweile ist das Verbot akzeptiert", so Quaschning. Die Schule sieht sich in ihrer Entscheidung bestätigt: Die Schüler würden wieder mehr kommunizieren, der Unterricht sei ungestörter.

Räumliche Begrenzung

An manchen Gymnasien wie etwa dem Innerstädtischen Gymnasium Rostock und dem Gymnasium Reutershagen sind Handys zwar nicht generell verboten, ihre Benutzung außerhalb des Unterrichts ist aber räumlich begrenzt - etwa auf den Pausenhof oder die Cafeteria. Das Schweriner Goethe-Gymnasium erlaubt die Smartphone-Nutzung während der Pausen auch im Schulgebäude. Es gebe damit keine großen Probleme, sagte die stellvertretende Schulleiterin Gabriele Gründler. An der Ecolea dürfen die Schüler ihre Handys im Unterricht zum Nachschlagen etwa von Fachbegriffen verwenden. Wer dagegen private Nachrichten tippt, muss das Handy abgeben - so steht es in der Hausordnung, die jeder Berufsschüler unterschreibt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 14.01.2017 | 11:00 Uhr

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