Stand: 21.10.2014 08:45 Uhr  | Archiv

Hamburg wird für Start-ups immer attraktiver

Beim Nationalen IT-Gipfel in Hamburg geht es auch um ein Versprechen, das die Bundesregierung mit der digitalen Agenda gegeben hat: Deutschland solle künftig mithalten können im globalen Wettbewerb um innovative Technologien und Unternehmensgründungen. Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hat bereits angekündigt, dass er seine Stadt als einen der größten IT-Standorte Deutschlands sieht. Und tatsächlich ist die Stadt bei kleinen Start-ups beliebter geworden - sie steht jetzt auf Platz drei in Deutschland.

Das Büro des Hamburger Startup-Unternehmens Familonet. © NDR Foto: Bettina Less
Lockere Arbeitsatmosphäre bei den Entwicklern der App Familonet im Büro in Hamburg.

Ein helles Großraumbüro im Hamburger Schanzenviertel. Acht Männer und Frauen, die meisten von ihnen Mitte 20, sitzen ohne Schuhe an ihren Schreibtischen und tippen in die Tastaturen. "Hier zählt wirklich viel, dass alle gemeinsam an einem Strang ziehen, im Team, gemeinsam an der großen Sache arbeiten", berichtet der 27-jährige Michael Asshauer, der mit zwei Freunden die App Familonet gegründet hat. Sie soll, wie ein winziges soziales Netzwerk, Familien untereinander verbinden. "Jedes Familienmitglied kann seine täglichen Orte anlegen, also Schule, Zuhause, Sportverein, und dann bekommen die anderen Familienmitglieder ganz automatisch eine Nachricht aufs Handy, wenn derjenige da angekommen ist oder den Ort wieder verlässt." 100.000 Nutzer haben sich die Smartphone-App bereits heruntergeladen.

Bürokratische Hürden überspringen

Begonnen mit ihrer Arbeit an der App haben die Familonet-Entwickler vor zwei Jahren. Seitdem haben Asshauer und seine Freunde Gründungskapital eingeworben, Fördergelder beantragt und Mitarbeiter eingestellt. Nervenaufreibend fand er dabei die zahlreichen bürokratischen Hürden - in Deutschland sind das nach wie vor mehr als in den meisten anderen Ländern. "Man will mit seinem Projekt durchstarten, man brennt für seine Idee, und kommt erst gar nicht zu dem Punkt, was man eigentlich machen will, nämlich seine Idee umsetzen."

Den Standort Hamburg allerdings schätzt Asshauer. Zwar könne noch keine Rede sein vom "Silicon Valley an der Elbe", aber: "Es gibt in Hamburg auch eine sehr rege Start-up-Szene. Das ist in den vergangenen Jahren noch mal stark angewachsen. Da unterstützen sich Gründer auch gegenseitig. Deshalb ist Hamburg durchaus auch ein attraktiver Standort."

"Politische Infrastruktur noch besser machen"

Einer, der die Start-ups durch regelmäßige Treffen miteinander vernetzt, ist Oliver Rößling aus der Geschäftsleitung des Softwareherstellers Absolut Software. Im IT-Gipfel in Hamburg sieht er eine Chance: "Ich erhoffe mir davon, dass die Politiker einfach das Bewusstsein dafür bekommen, dass da tatsächlich noch ein bisschen was gemacht werden muss. Und vielleicht auch in den eigenen Köpfen noch mal hinterfragen, was man in der politischen Infrastruktur tatsächlich noch besser machen könnte."

Zwar habe sich in Hamburg in den vergangenen zwei Jahren vieles verbessert, und auch gute Förderprogramme seien aufgelegt worden. Aber diese kommen für die Startups erst im zweiten Schritt. Zuerst brauchen die meisten Investoren. "Man hat hier noch viel altes Geld, da sitzt man ganz gerne drauf im Norden. Das wäre natürlich ein schönes Investitionspotenzial. Gerade bei den niedrigen Zinsen, die im Moment am Markt sind, könnte es total Sinn machen, auch in den Markt zu investieren", sagt Rößling.

Investoren in Hamburg Mangelware

Vor allem gilt das aus Sicht der jungen Hamburger Start-ups. Während in Berlin auch internationale Investoren den IT-Start-ups bereitwillig Geld zur Verfügung stellen, gilt in der Start-up-Szene der Spruch: Wer in Hamburg Investoren findet, der findet sie überall.

Michael Asshauer und seine zwei Mitgründer von Familonet haben es trotz allem geschafft und hoffen jetzt, dass ihre Idee Früchte trägt: "Das kann am Anfang kein Mensch sagen, wenn er ein Startup gründet. Aber im Moment sieht es aktuell sehr gut aus. Es geht mit allen Zahlen steil nach oben, und wir hoffen natürlich, dass es so gut weitergeht."

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 21.10.2014 | 06:20 Uhr

Mehr Nachrichten

Auswertung von Coronatests im Labor. © dpa Foto: Daniel Bockwoldt

Corona-Ticker: 219 Neuinfektionen in Schleswig-Holstein bestätigt

Das sind etwa 70 mehr als vor einer Woche. Für ganz Deutschland meldet das RKI gut 14.600 neue Fälle. Mehr Corona-News im Ticker. mehr

Warnemünde: Das Hotel Neptun (l) und das a-ja-Resort (r) liegen direkt am Strand der Ostsee. © dpa-Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck

Hotels und Pensionen in MV dürfen über die Feiertage öffnen

Kosmetiksalons können bei sinkenden Corona-Zahlen vom 5. Dezember an wieder öffnen. Restaurants bleiben vorerst geschlossen. mehr

Eine junge Frau geht in einem Einkaufscenter an einem Weihnachtsbaum vorbei. © dpa - picture alliance Foto: Frank Hoermann/SVEN SIMON

Weihnachtsgeschäft startet in Niedersachsen gedämpft

Der große Ansturm blieb von Lingen über Hannover bis Braunschweig am ersten Adventssonnabend aus. mehr

Orange-rot gefilterte Leuchtstoffröhre an einer Brüstung eines Kirchturms
2 Min

Advent: Kirchen setzen Leuchtzeichen gegen Einsamkeit

Zu jedem Advent leuchten drei Kirchen der Hamburger Nordkirche in gold-orangenen Lichtern. Insgesamt sollen zwölf am Ende in der Stadt erstrahlen. 2 Min