Stand: 27.12.2016 13:14 Uhr  | Archiv

Hacker-Treffen: Den Sicherheitslücken auf der Spur

von Nils Kinkel

Lahmgelegte Telekom-Router, Hackerangriffe auf den Bundestag oder illegales Umbuchen von Flugtickets: Das Jahr 2016 ist aus Sicht eines Hackers eigentlich ganz normal verlaufen."Die Frage ist immer nur, wann passiert es denn", sagt Linus Neumann, Sprecher beim Chaos Computer Club (CCC). "Da, wo Menschen sich auf Informationstechnik verlassen, passieren Fehler. Und es gibt immer wieder Interessengruppen, die solche Fehler ausnutzen und zu ihrem Vorteil nutzen."

Der Verein, der seit Dienstag im Hamburger Kongresszentrum CCH tagt, hält sich an die eigene Hackerethik. Und einer ihrer Grundsätze lautet: Computer können dein Leben zum Besseren verändern. "Das geht nur dadurch, dass wir selber mit der Perspektive des Angreifers, des Verbrechers, des politischen Hackers auf unsere Systeme blicken und dafür sorgen, dass sie immun und resilienter werden."

Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen.

Das Hackertreffen ist nicht nur technisch, sondern schon immer auch politisch. Die zunehmende Schnüffelei von Geheimdiensten auf Smartphone und Festplatten lehnen viele der Besucher auf dem Kongress ab. Für Hacker gilt nämlich auch der Grundsatz: öffentliche Daten nützen, private Daten schützen.

Linus Neumann macht sich deshalb Sorgen, wenn Politiker nach einem Terroranschlag direkt den Zugriff auf verschlüsselte Botschaften von WhatsApp oder anderen Messenger-Diensten fordern: "Wenn sie als Geheimdienst hingehen und diese Systeme unsicher machen, dann leiden wir alle daran. Banken und Politiker, die diese Verschlüsselung benötigen, um unsere Volkswirtschaft am Laufen zu halten." Vor allem im Jahr 2016 wäre das ein katastrophales Signal, so Neumann weiter. In diesem Jahr hätten die Hacking-Angriffe nämlich so viele Probleme verursacht wie in keinem Jahr zuvor.

Wahlcomputer und Fake News: Gefahr für die Demokratie

Die Computer-Wissenschaftler möchten in den vier Tagen ihrer Jahreskonferenz die öffentliche Plattform nutzen, um auf Fehler im System hinzuweisen. So wird beispielsweise der Amerikaner Alex Haldermann in seinem Vortrag erklären, warum US-Wahlcomputer eine Gefahr für die Demokratie sind. "Das ist sehr spannend, weil der Chaos Computer Club seit Jahren vor dem Einsatz von Wahlcomputern warnt und wir gespannt sind, welche Probleme aufgezeigt werden", erklärt Neumann, "auf dass wir auch weiterhin in Deutschland auf diesen Unsinn verzichten können."

Kritisch sehen die Hacker auch die Möglichkeit der Wahlmanipulation im kommenden Bundestagswahlkampf. Das Thema "Fake News" beschäftigt auch hier die Debatte. So soll in einem Vortrag gezeigt werden, mit welchen Tricks Rechtspopulisten arbeiten und wie sie demaskiert werden können.

Rückblick

12.000 Besucher bei Hamburger Hacker-Kongress

Nach vier Tagen ist der 32. "Chaos Communication Congress" in Hamburg zu Ende gegangen. Der größte Hackerkongresses Deutschlands war mit 12.000 Besuchern komplett ausgebucht. (30.12.2015) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 27.12.2016 | 13:00 Uhr

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