Stand: 24.01.2018 06:00 Uhr

Facebooks Newsfeed-Änderungen und die Folgen

Mehr Beiträge von Freunden, dafür weniger von Unternehmen, Medien und politischen Gruppen - so lautet in etwa die Neuordnung, die das Online-Netzwerk Facebook derzeit vollzieht. Der Newsfeed - also das Herzstück des sozialen Netzwerks, über den jeder Nutzer seine Inhalte angezeigt bekommt - wird radikal umgebaut. Das hat Konsequenzen nicht nur für Nutzer, sondern auch für Unternehmen.

Für Facebook geht es - kurz gesagt - ein Stück weit zurück in die Anfangszeit, als das soziale Netzwerk vor allem eine Plattform war, auf der sich Freunde und Bekannte austauschten. Urlaubsfotos statt neueste Nachrichten, mehr von den berühmt-berüchtigten Katzenvideos, dafür weniger harte Fakten.

Ein Facebook-Logo mit Schrift © WVU

So verpassen Sie nichts vom NDR bei Facebook

Durch die Änderungen im Facebook-Newsfeed könnte es sein, dass Inhalte des NDR seltener angezeigt werden. Wir zeigen Ihnen, wie Sie auch künftig nichts vom NDR verpassen.

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Facebook-Manager Adam Mosseri formuliert es so: "Facebook wird sich stärker bemühen, die Menschen zusammenzubringen. Wir wollen ein viel größeres Augenmerk auf soziale Beziehungen legen. Wenn die Nutzer mehr und mehr das Gefühl haben, bedeutsame Interaktionen auf Facebook zu haben, dann wird das gut für die Menschen sein. Und für uns."

Zuckerberg: Facebook soll "repariert werden"

Bei Facebook-Gründer und Vorstandschef Mark Zuckerberg klingt es noch pathetischer: Er kündigte Anfang des Jahres an, "Facebook reparieren" zu wollen. Das solle bei den gut zwei Milliarden Mitgliedern für mehr Glück und Gesundheit sorgen.

Reaktion aufs Image-Problem?

Was er nicht erwähnt: Sein Unternehmen hat ein Image-Problem. 2017 hagelte es Kritik: Facebook tue nicht genug gegen die Verbreitung von Hass und Fake News in seinem Netzwerk. Dazu kommt politischer Druck, weil via Facebook während des US-Wahlkampfs russische Propaganda-Inhalte verteilt wurden.

Ist der Rückzug in die private Kommunikation also eine Flucht vor der gesellschaftlichen Verantwortung? Nein, erklärt Mosseri: "Ich denke, es wird keine Zukunft ohne schwierige Diskussionen geben. Ganz einfach, weil viele Menschen unser Netzwerk jeden Tag nutzen und es ein ganz wichtiger Teil der Kommunikation und Information ist. Damit geht immer ein großes Maß an Aufmerksamkeit einher. Die Gewichtung im Newsfeed wird daran nichts ändern."

Facebook seit Langem in der Kritik

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Facebook-Unternehmens-Chef Mark Zuckerberg wird vorgeworfen, zu wenig gegen Fake News und Hate-Speech zu unternehmen.

Eine radikale Veränderung bedeutet der Strategieschwenk aber vor allem für Medienhäuser. Hatte sich Facebook in den vergangenen Jahren doch noch sehr bemüht, den Anteil der Medieninhalte, vor allem im Video-Format, zu steigern.

Fiete Stegers aus der NDR Online-Redaktion beobachtet die Auswirkungen seit Monaten: "Die Medienhäuser befürchten, dass ihre Reichweite ganz stark nach unten geht. Sie posten immer fleißig Links und andere Inhalte und wollen, dass die Nutzer sie sich dort angucken oder auf ihre eigenen Internetseiten kommen. Und tatsächlich ist bei vielen Medienhäusern ein Einbruch zu beobachten. Eine Analysefirma, die sehr viele Kunden aus dem Medienbereich hat, sagt, dass die Reichweiten um 15 Prozent herunter gegangen sind." Die Änderungen bei Facebook werden seiner Meinung nach erst im Laufe der Monate immer stückweise in Kraft treten. Auch bei der Facebook-Seite der Tagesschau, so Stegers, sowie bei einzelnen NDR-Seiten  sei der Verlust schon spürbar.

Entscheidend ist die Interaktionsrate

Es gibt aber auch für Medien-Seiten auf Facebook weiterhin Chancen. Entscheidend ist die Interaktionsrate jedes einzelnen Beitrags, also die Frage: Regt er zum Kommentieren und zum Teilen an. "Das ist das Versprechen, dass die Nutzer wirklich die Inhalte erreichen, über die sie reden, mit denen sie viel zu tun haben wollen. Das kann aber auch ein zweischneidiges Schwert sein, denn die Inhalte, bei denen viel kommentiert und viel geredet wird, sind vielleicht nicht die relevantesten."

Nutzer sollen Beiträge bewerten

Falschnachrichten aber, so hat auch Zuckerberg jetzt festgestellt, sind eine Gefahr für die Demokratie. Sie sollen möglichst auf Facebook nicht mehr stattfinden. Dafür sind die Nutzer künftig um Mithilfe gebeten: Sie sollen die Medienbeiträge künftig bewerten. Guter oder schlechter Beitrag? Ist er relevant? Ist die Quelle vertrauenswürdig?

Auch diese Ergebnisse werden also in Zukunft über die Präsenz eines Medienbeitrags auf Facebook mit entscheiden.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 24.01.2018 | 08:20 Uhr

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