Stand: 22.03.2018 18:31 Uhr  | Archiv

Facebook muss endlich erwachsen werden

So wie im Moment hat man Facebook-Chef Mark Zuckerberg wohl noch nie erleben können - zumindest nicht vor einer Weltöffentlichkeit: Ein Firmenchef, der nicht stolz die neuesten Mitgliederzahlen oder den Aktien-Höhenflug seines Unternehmens lobt, sondern der ganz kleine Brötchen backt. Facebook hat einen Fehler gemacht, Facebook soll sich verändern. Ganz neue Töne. Ob man Mark Zuckerberg abnehmen kann, was er da gesagt hat? Ob er das wirklich ernst meinst?

Ein Kommentar von Jörg Brunsmann, Westdeutscher Rundfunk

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Jörg Brunsmann meint, dass Mark Zuckerberg Verantwortung übernehmen muss. Andernfalls verspiele er die Zukunft seines Unternehmens.

Für Facebook waren die vergangenen Jahre seit der Gründung 2004 eine einzige Rekordfahrt. Immer neue Mitglieder, immer neue Werbepartner, die heiß waren auf das, was die Mitgliederdaten an gezielter Werbung zuließen. Umsatz und Gewinn wuchsen im Rekordtempo. Und das Ende schien bis vor Kurzem noch lange nicht erreicht.

Dass der Konzern in so kurzer Zeit so unglaublich viel Geld verdienen konnte, das liegt auch daran, dass man es sich denkbar einfach gemacht hat. Man hat sich um die Technik des Netzwerkes gekümmert, sich ein schickes Aussehen gegeben, um neue Mitglieder geworben und Konkurrenten mit unverschämt hohen Milliarden-Summen vom Markt geholt. Ein weltumspannender Konzern, aufgebaut in etwas mehr als zehn Jahren.

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Wäre Facebook ein realer Treffpunkt ...

Nur eins haben die Facebook-Manager dabei konsequent verdrängt: dass mit dieser Größe und dem mittlerweile fast Monopol-Status auch viel Verantwortung einhergeht. Wäre Facebook ein realer Treffpunkt, ein großes Einkaufs- und Veranstaltungszentrum irgendwo in der Stadt, wie würde es dort wohl aussehen? Es gäbe viele schöne Ecken, an denen man sich treffen könnte, aber auch viele Bereiche, in denen anerkannte Regeln der Zivilisation außer Kraft gesetzt wären. Da würden Menschen beleidigt und verprügelt, Nazis würden offen durch die Gegend marschieren, islamische Extremisten würden Hass-Parolen skandieren und fast überall würde man angesprochen, ob man nicht irgendwas kaufen oder irgendjemanden unterstützen will. Der Betreiber wüsste von all dem, würde sich aber konsequent raushalten. Es sei denn, jemand zeigt seine nackten Brüste - dann fliegt man achtkantig raus und darf die nächste Zeit nicht wiederkommen.

Facebook hat viel Vertrauen verspielt

Die Verantwortlichen von Facebook haben bis jetzt immer so getan, als hätten sie mit den Inhalten auf ihrer Plattform nicht das Geringste zu tun. Es war billig und bequem, sich um all das nicht zu kümmern. Hin und wieder störten Politiker und Behörden das fröhliche Geldverdienen, aber eine echte Bedrohung waren sie nicht.

Das ist jetzt anders. Denn Facebook hat bei vielen seiner Nutzer das Vertrauen verspielt. Noch wissen viele nicht, ob sie mit ihren Freunden woanders hingehen sollen, welches Netzwerk das überhaupt sein könnte und ob es da wirklich besser zugeht. Und deshalb hat Facebook auch noch die Chance, aus seinen Fehlern zu lernen. Das Netzwerk muss erwachsen werden, es muss Verantwortung übernehmen für das, was dort passiert. Und es muss die Daten von uns Mitgliedern besser gegen Missbrauch schützen.

Das kostet Geld, das macht Arbeit, das ist unbequem für den Konzern. Passiert nichts, könnten viele Mitglieder bei nächstbester Gelegenheit das Soziale Netzwerk verlassen. Eine Lawine, die sich irgendwann nicht mehr aufhalten lässt. Mark Zuckerberg hat nur zwei Möglichkeiten: Verantwortung übernehmen - oder seinem Konzern beim langsamen Sterben zuschauen.

Tagesschau.de
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Facebook als "Gefahr für die Demokratie"

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NDR Info | Kommentar | 22.03.2018 | 18:30 Uhr

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