Stand: 16.01.2017 11:54 Uhr  | Archiv

Facebook: Recherche-Büro soll Fakten checken

von Daniel Bouhs

Sogenannte Fake News, also gezielt gestreute Unwahrheiten im Netz, sollen zum Wahlsieg des künftigen US-Präsidenten Donald Trump beigetragen haben. Hierzulande sorgen sich Politik und Medien vor einer Welle aus Falschmeldungen vor der Bundestagswahl. Das Unternehmen Facebook hat nun den Kampf gegen Fake News angekündigt - gemeinsam mit dem Berliner Recherchebüro Correctiv.

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Nachrichten von erfundenen Fakten unterscheiden - in sozialen Netzwerken ist das nicht immer ganz einfach.

Die Fake News, bei der Correctiv-Geschäftsführer David Schraven besonders aufgehorcht hat, ist gerade zwei Wochen alt: Flüchtlinge sollen an Silvester in Dortmund erst eine Kirche angesteckt und ihre Aktion dann auch noch bejubelt haben. Tatsache war aber:Syrer hatten den Waffenstillstand in ihrer Heimat gefeiert, während eine Rakete ein Baugerüst traf. Eindeutig ein Versehen, aber für rechtspopulistische Filterblasen auf Facebook frische Munition. Und für Journalist David Schraven ein weiteres Argument dafür, dass die Gesellschaft etwas gegen Falschmeldungen und verdrehte Fakten tun muss: "Wir haben jetzt den Bedarf, der ist offensichtlich. Und jetzt müssen wir uns die Methoden überlegen, wie wir das bekämpfen."

Rechercheure überprüfen Beschwerden, entfernen aber nichts

Schraven hat vor zwei Jahren die Berliner Redaktion Correctiv gegründet, die nun gemeinsam mit Facebook Fake News identifizieren will. Facebook will dafür Nutzern die Möglichkeit bieten, zweifelhafte Nachrichten-Einträge zu melden. Correctiv prüft dann die Fakten. Stellt sich ein Eintrag als Fake heraus, will Facebook ihn aber nicht löschen, sondern prominent mit einer entsprechenden Warnmeldung versehen.

Keine Bezahlung von Facebook für Journalisten

Hinter Correctiv steht kein Medienkonzern. Die Redaktion finanziert sich durch Fördermittel von Stiftungen und Mitgliedsbeiträge. Jeder Bürger kann beitreten. Die 20 Journalisten von Correctiv arbeiten dann auch erst mal kostenlos für Facebook. Das sei aber auch gut, "damit man auch wieder rauskommt, wenn es nicht läuft", sagt Schraven. Und langfristig? "Wenn das super viel Arbeit ist, muss man ein eigenes Finanzierungsmodell hinkriegen."

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Rechercheur David Schraven: Sein Redaktionsbüro ist der erste von Facebook anerkannte Faktenchecker in Deutschland.

Das könnte auch heißen, dass Facebook zuschießt. "Klar", sagt Schraven, "am Ende wird das auf jeden Fall nicht so sein, dass Correctiv-Mitglieder Facebook bezahlen."

An Geld mangelt es Facebook gewiss nicht. Das Netzwerk versorgt fast zwei Milliarden Nutzer mit Werbung und setzt damit jährlich Milliarden um. Fake News sind aber für die Plattform ein Risiko: Sie könnten Nutzer verprellen - und damit das Geschäft gefährden. Facebook hat also auch selbst ein Interesse, gegen Fake News vorzugehen. Auch, weil hierzulande die Politik Druck macht. Zuletzt unter anderem die Grünen-Politikerin Renate Künast, die selbst Opfer von Fake News wurde: "Facebook muss sich entscheiden, auf welcher Seite sie stehen. Auf der der Demokratie, wo es Grundrechte gibt und man nicht Nachrichten erfindet - oder wollen sie auf der anderen sein?"

Auch andere Redaktionen wollen Kampf gegen Fakes aufnehmen

Ziemlich sicher ist, dass schon bald auch andere deutsche Redaktionen neben Correctiv systematisch Fake News mit Recherchen entlarven werden. Sowohl die Deutsche Presse-Agentur als auch die ARD sind einem Mediennetzwerk namens First Draft Coalition beigetreten. Das Bündnis will weltweit Fake News auffliegen lassen - in Zusammenarbeit mit von Fake News geplagten Online-Diensten wie Facebook, aber auch Google.

Correctiv-Chef Schraven, der selbst aus dem Ruhrgebiet kommt, mahnt unterdessen: Viel Zeit bleibt für den effektiven Kampf gegen die Propaganda-Schleudern der Fake News nicht: "Für mich ist der entscheidende Punkt nicht die Bundestagswahl im Herbst. Für mich ist das, wo es um alles geht, die Landtagswahl im Mai in Nordrhein-Westfalen, im bevölkerungsreichsten Bundesland. Da wird sich entscheiden, ob die Populisten die Macht erringen können in Deutschland oder nicht. Und deswegen muss das sehr, sehr, sehr schnell gehen."

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 16.01.2017 | 07:08 Uhr

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