Stand: 30.12.2016 13:41 Uhr  - NDR Info  | Archiv

Das Internet der Dinge und wie man es einhegt

von Nils Kinkel, NDR Info

In Hamburg haben sich Hacker zum Jahrestreffen des Chaos Computer Clubs versammelt. Die Konferenz ist nicht nur technisch, sondern war schon immer auch politisch. Die zunehmende Schnüffelei von Geheimdiensten auf Smartphone und Festplatten lehnen viele der Besucher ab. Für Hacker gilt nämlich auch der Grundsatz: öffentliche Daten nützen, private Daten schützen - gerade auch im Hinblick auf das neu entstehende Internet der Dinge.

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Mit dem Smartphone das eigene Heim steuern: Das geht dank des Internets der Dinge mittlerweile - ist aber nicht ohne Risiko.

Auf der Bühne im Hamburger Congress Centrum sitzen die vier Sprecher vom Chaos Computer Club und zerlegen das Jahr 2016, das Jahr der Hackerangriffe. Einer auf dem Podium ist Linus Neumann. Er macht sich Sorgen über die vielen Kaffeemaschinen und Glühbirnen, die mit dem Internet verbunden sind.

Das sogenannte Smart Home hält er nicht gerade für eine schlaue Idee. "Was wir gerade im Markt sehen ist, dass wir alles Mögliche, was man schon seit Jahrzehnten kaufen konnte, jetzt noch mal kaufen sollen, weil da jetzt Internet dran ist. Und da sehen wir einiges Risiko in den nächsten Jahren auf uns zukommen."

Was, wenn der Toaster gehackt wird?

Neumann kann nicht nur beim Jahresrückblick komplexe Probleme sehr gut erklären. Er ist er ein gefragter Experte in Ausschüssen. Neulich war er Gast im Bundeswirtschaftsministerium. Dort hat er vor dem Internet der Dinge gewarnt. Wenn beispielsweise ein vernetzter Toaster manipuliert wird, weil er anders als ein teurer Computer kein Sicherheitsupdate bekommt.

Frank Rieger vom Chaos Computer Club macht einen  Vorschlag: "Wir haben da so eine Minimalforderung: Auf jedem Gerät sollte mindestens ein Aufkleber drauf sein mit der Aufschrift 'contains Internet', wenn das Gerät ans Netz angeschlossen ist. Und eine verpflichtende Erklärung auf der Packung, auf der steht, für wie lange der Hersteller Sicherheitsupdates für dieses Gerät zur Verfügung stellt."

"Starke Verschlüsselung ist gut für das Land"

Viele Hacker verdienen ihr Geld inzwischen mit IT-Sicherheit. Auf dem Kongress geht es aber nicht um Anti-Viren-Software. Es geht um gesellschaftliche Verantwortung, zum Beispiel beim Thema Verschlüsselung. "In Deutschland sind wir in der Situation, dass die Bundesregierung da erst mal gewobbelt hat. Sich dann aber doch auf die Leitlinien deutscher Cryptopolitik zurückbesonnen hat. Die besagt, dass starke Verschlüsselung gut ist für dieses Land. Wir wollen keine Hintertüren haben. Da hat sich dann doch die jahrelange Arbeit, die wir da geleistet haben in diesem Bereich, bezahlt gemacht."

Aufklärung bleibt wichtig

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Linus Neumann sieht für den Chaos Computer Club auch in Zukunft noch einiges an Aufklärungsarbeit zu leisten.

Die Aufklärung ist also wichtig, damit am Ende auch Politiker verstehen, wie das Internet funktioniert. Die Bundesregierung rüstet inzwischen auf. Je mehr wir unser Leben digitalisieren, umso mehr Angriffe wird es geben. Und deshalb ist es gut, wenn auf dem Kongress schon kleine Kinder mit Lötkolben und Festplatten experimentieren. Für Linus Neumann ist klar: Der Chaos Computer Club wird noch lange aufklären müssen. "Ich weiß nicht, ob das Hacken selber den Mainstream erreicht hat. Was auf jeden Fall den Mainstream erreichen sollte, ist eine Kompetenz im Umgang mit der Technik. Und ein Verständnis davon ist eine Voraussetzung für Hacking."

Die Botschaft auf dem Kongress: Nicht mit dem Finger auf Hacker in China oder Russland zeigen. Computerprobleme können nur gemeinsam gelöst werden.

Weitere Informationen

Hacker-Treffen: Den Sicherheitslücken auf der Spur

Bis Freitag trifft sich die Hacker-Szene in Hamburg, um über Computer-Trends zu diskutieren. Mehr als 12.000 Teilnehmer werden beim Chaos Communication Congress erwartet. (27.12.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 30.12.2016 | 15:20 Uhr