Stand: 08.08.2016 06:00 Uhr  | Archiv

Cyberkriminalität: Wie kann man sich schützen?

von Katja Scherer, NDR Info Wirtschaftsredaktion

Viele Hackerangriffe und Infektionen mit Computerviren sind nur deshalb erfolgreich, weil die Opfer nicht genügend abgesichert sind. Ausreichender Schutz sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Computer-Tastatur mit Ketten umwickelt © picture-alliance/Chromorange
Cyberkriminalität ist zum Massenphänomen geworden.

Mehr als 40 Millionen Cyber-Angriffe registrieren Experten derzeit pro Jahr, mit steigender Tendenz: Phishing, das Abfangen von Daten, das Kontrollieren eines Rechners - eigentlich ist all das strafbar. Doch angewendet würden die Gesetze so gut wie nie, sagt Rechtsanwalt Marco Gercke: "Die meisten privaten Nutzer wissen nicht, dass das Straftaten sind. Selbst wenn sie es wissen, bringen sie es selten zur Anzeige, weil es einen gewissen Energieaufwand darstellt."

Nicht genügend Personal zur Strafverfolgung

Straftaten, bei denen Geld im Spiel ist, lassen sich zwar theoretisch recht gut nachweisen, in der Praxis aber gibt es Hürden. So haben viele Polizeibehörden gar nicht genug Personal, um allen Delikten nachzugehen. Dazu kommt, dass viele dieser Straftaten transnational sind, sagt Gercke: "Oft sitzen die Täter im Ausland. Die Ermittlungsverfahren sind dann extrem zeitaufwendig. Deshalb wird oft nicht so intensiv ermittelt."

USA und Deutschland blocken besseren Datenaustausch ab

Schon seit Jahren versuchen die Vereinten Nationen, den Datenaustausch zwischen den Strafverfolgungsbehörden zu verbessern, aber die USA, Deutschland und andere europäische Länder blocken ab. Er rechne nicht mit einer schnellen Einigung, sagt Gercke. Bürger und Unternehmen müssten sich selbst schützen, um am besten gar nicht erst Opfer einer Straftat zu werden. Zum Teil reichten dafür schon einfache Maßnahmen, meint Steffen Hahn, Leiter der Ermittlungsstelle Cybercrime beim LKA Hamburg: "Updaten und Antiviren-Produkte zu nutzen, das ist unabdingbar."

Sparsamerer Umgang mit Daten im Netz

Auch bestimmte E-Mail-Verschlüsselungsprogramme wie Enigmail oder Thunderbird könnten helfen. Noch weiter geht die Software Tor, die auch die Spuren beim Surfen im Netz verwischt. Völlig anonym zu bleiben sei im Internet allerdings kaum möglich, sagt Hahn. Das Wichtigste sei daher: "Wenn das Thema Datensparsamkeit wichtiger genommen würde, wäre im Sinne der Kriminalitätsbekämpfung schon viel gewonnen."

Internetnutzer müssten lernen, kritischer mit Inhalten im Netz umzugehen. Das gelte zum Einen bei der Preisgabe ihrer eigenen Daten, aber auch beim Empfangen von Inhalten: "Wenn man angeschrieben wird, sollte man erst überprüfen, ob man den Adressaten kennt. Muss ich auf den Anhang klicken?" Ein solches Vorgehen mache es den Tätern schwerer.

IT-Sprache für jeden verständlich machen

Aber nicht nur die Bürger seien in der Pflicht, sondern auch Unternehmen und Forschung, sagt Thorsten Holz, Professor für IT-Sicherheit an der Universität Bochum: "Es müssen Techniken entwickelt werden, die IT-Sicherheit leichter verständlich und nutzbar zu machen." Zum Beispiel müssten Fehlermeldungen so formuliert werden, dass sie jeder versteht und nicht nur Techniker.

Nachholbedarf gibt es Experten zufolge zudem auch bei der Sicherheit von vernetzten Haushaltsgeräten. Hersteller, die solche Geräte produzieren, müssten dafür sorgen, dass die erhobenen Daten sicher übertragen und gespeichert werden. Bisher sei das kaum der Fall.

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NDR Info | 11.08.2016 | 10:41 Uhr

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