Ein Balkendiagramm vor Flagge von Mecklenburg-Vorpommern und einer Wahlurne. © Fotolia.com, iStockphoto Foto: Martina Berg, ericsphotography

Reaktionen auf Wahlumfrage: CDU nach "SPD-Tsunami" zerknirscht

Stand: 09.09.2021 15:57 Uhr

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat ihre Partei angesichts der guten Umfragewerte vor Euphorie gewarnt. Die SPD-Vorsitzende sagte, Umfragen seien noch keine Wahlergebnisse.

Auf 39 Prozent kommt Schwesigs SPD gut zweieinhalb Wochen vor der Landtagswahl nach der neuesten Umfrage von infratest-dimap. Sie freue sich über die Zahlen, sagte die Regierungschefin. "Wir wollen stärkste Kraft werden. Wir wollen die Landesregierung wieder anführen und ich möchte meine Arbeit als Ministerpräsidentin fortsetzen und dafür brauchen wir jede Stimme für die SPD", so Schwesig.

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Sack gibt sich zerknirscht

Ihr Herausforderer von der CDU, Michael Sack, nannte die Werte für die Union "in keinster Weise befriedigend". Auf 14 Prozent kommt die CDU laut Umfrage. Es wäre ein neuer Tiefstand. "Die Zahlen sind sehr enttäuschend. Das ist eine Situation, die wir so nicht erwartet haben", sagte Sack. Für die CDU gehe es darum, Regierungsverantwortung zu übernehmen. "Das bleibt auch unser Thema", so Sack weiter. Nach den Zahlen wäre eine Neuauflage der rot-schwarzen Koalition möglich, die SPD könnte danach aber auch mit der Linken regieren, die auf 10 Prozent kommt.

Politikwissenschaftler Muno: "Es müsste schon ein Riesen-Skandal kommen"

Der Rostocker Politikwissenschaftler Prof. Wolfgang Muno glaubt angesichts der Differenz von 25 Prozentpunkten zwischen SPD und CDU, dass sich bis zum Wahltag höchstens noch etwas am Abstand, aber nicht an der Reihenfolge bei den beiden Konkurrenten ändern werde. "Es müsste schon eine Art 'Fukushima-Moment' oder Riesen-Skandal kommen, um hier noch etwas zu verändern", sagte Muno bei NDR MV LIVE. "Die CDU wird geradezu von einem SPD-Tsunami überrollt."

Muno: SPD bei Themen und beim Personal überlegen

Noch bei der Wahlumfrage im Juli lag die SPD nur vier Prozentpunkte vor den Christdemokraten. Muno führt den Trend darauf zurück, dass die SPD bei den beiden entscheidenen Faktoren Sachthemen und Personen die Nase vorn habe. Selbst beim Thema Wirtschaft - eigentlich eine Domäne der CDU - trauten die Menschen den Sozialdemokraten mittlerweile mehr zu als der CDU. Und mit Blick auf das Spitzenpersonal habe sich Schwesig äußerst erfolgreich ihre Präsenz als Corona-Managerin genutzt, "um sich als Landes-Mutter zu präsentieren". Auch der Bundestrend spreche derzeit klar für die SPD.

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Muno sieht Versäumnisse bei CDU nach Kokert-Rückzug

"Die CDU schwächelt im Bund wie im Land ganz stark und hat Führungsprobleme und Probleme, inhaltliche Themen zu setzen." Der immer noch Teilen der Wähler wenig bekannte Spitzenkandidat Sack habe mit Blick auf den sich abzeichnenden Trend zur Personalisierung des Wahlkampfes gegenüber Schwesig eindeutig die schlechteren Karten. Zudem habe es die Landes-CDU versäumt, sich nach dem Rückzug des Ex-Landeschefs Vincent Kokert geschlossen und personell gestärkt aufzustellen, so Muno. "Deswegen spricht im Moment alles für die SPD und sehr wenig für die CDU", so Muno.

Linke in der Regierung? "Das schreckt in MV keinen mehr"

Muno wies darauf hin, dass in Mecklenburg-Vorpommern nach der Wahl auch eine rot-rote Regierung möglich werden könnte. Das hänge auch davon ab, wie viel Stimmen die sonstigen kleineren Parteien bekommen. "Eine Beteiligung der Linken an der Regierung, das schreckt MV keinen mehr", so Muno. Die Linke agiere hierzulande eher pragmatisch, das ängstige die Menschen nicht. Mecklenburg-Vorpommern war zudem das erste Bundesland, in dem eine Vorgängerpartei der Linken mit in der Regierung saß.

AfD bei 17 Prozent - Landes-Chef Holm zufrieden

Die AfD bleibt im Vergleich zur August-Umfrage stabil bei 17 Prozent und wäre somit weiter zweitstärkste Partei. "Wir freuen uns, dass wir so stabil da stehen", sagte Landeschef Leif-Erik Holm dem NDR. Der Endspurt komme erst noch. "Die letzten zwei Wochen werden es entscheiden." Holm hob hervor, dass die Kompetenzwerte seiner Partei gestiegen seien. Mit Sorge sehe er, dass dem Land Rot-rot drohe. "Da droht ein weiterer Abstieg für unser Land."

FDP will "weiter ausbauen", Linke "nicht zufrieden", Grüne wollen "kämpfen"

Die FDP verliert leicht um einen Prozentpunkt von 8 auf 7 Prozent. "Das reicht uns nicht. Wir wollen weiter ausbauen. Wichtig ist für uns, dass sich das Ergebnis stabilisiert", sagte der Landesvorsitzende der Liberalen, René Domke, dem NDR. Jetzt komme es auf die Schlussmobilisierung an. Auch die Linke büßte einen Prozentpunkt im Vergleich zur Augustumfrage ein und steht aktuell bei 10 Prozent. "Wir sind mit dem Umfragergebnis nicht zufrieden" sagte die Spitzenkandidatin der Linken für die Landtagswahl, Simone Oldenburg. Die Umfrage habe geziegt, dass Bildung das Thema nummer Eins sei. Ihre Partei werde weiter in diesem Bereich für bessere Unterrichtsbedingungen streiten. "Dafür braucht es eine starke Linke." Die Grünen bleiben stabil bei sechs Prozent. "Wir sehen immer wieder im Bund und im Land: Wer den Wandel möchte, der muss auch mit ein bisschen Gegenwind rechnen", sagte Spitzenkandidatin Anne Shepley. Jetzt komme es darauf an, in den verbleibenden zweieinhalb Wochen, "noch einmal richtig zu kämpfen".

 

 

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 09.09.2021 | 16:10 Uhr

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