Drei Schülerinnen und Schüler simulieren mit Wahlurnen die Landtags- und die Bundestagswahl 2021 © ndr Foto: Alina Boie

Juniorwahl: Schülerinnen und Schüler in MV wählen auf Probe

Stand: 22.09.2021 18:16 Uhr

Wahlkabinen, Wahlurnen, originalgetreue Stimmzettel: Bei der Juniorwahl haben Jugendliche in MV den Wahlsonntag schon vorab durchlebt. Bei der Juniorwahl war Mittwoch schon Wahltag.

"Einmal hier der Stimmzettel für den Bundestag und der hier ist für den Landtag", erklärt Karolina Zyczynska (18) ihren Mitschülern. "In der Kabine bitte zweimal falten und dann in die Urne werfen." Zwei Wahlkabinen und zwei Wahlurnen stehen in einem Raum in der Integrierten Gesamtschule Bertolt Brecht in Schwerin bereit: eine für die Landtagswahl und eine für die Bundestagswahl. Drei Schülerinnen sammeln die Wahlbenachrichtigungen ein und geben die Stimmzettel aus. Auf den ersten Blick sieht es hier schon vier Tage vor der Bundestags- und der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern aus wie in einem ganz normalen Wahllokal. Allerdings sind hier viele Wählerinnen und Wähler noch nicht volljährig. Die Juniorwahl ist ein Projekt zur politischen Bildung im Unterricht und die Wahl ist nur eine Probe.

Über 100 Schulen in MV machen bei der Juniorwahl mit

Im Zuge der Juniorwahl durften Jugendliche am Mittwoch ihre Stimme abgeben. Mehr als 100 Schulen in Mecklenburg-Vorpommern waren bei der Aktion dabei. Für die richtige Vorbereitung sorgen die Lehrkräfte im Unterricht. Dabei geht es nicht nur um den Wahltag an sich, sondern auch um die Vorbereitung. "Wir haben den Lehrplan so organisiert, dass die grundlegenden Dinge zur Wahl im Unterricht besprochen werden", sagt Sabine Heinecke, Lehrerin für Sozialkunde. "Wir möchten, dass die Schülerinnen und Schüler später als mündige Erwachsene wählen gehen."

Unterrichtsprojekt für mehrere Wochen

Darum ging es im Unterricht in den Wochen vor dem Juniorwahltermin um Hintergründe zu Wahlen, Demokratie, Wahlkampf und um aktuelle politische Themen. Die Juniorwahl ist ein Projekt eines Berliner Vereins, der seit 1999 Schulen im gesamten Bundesgebiet mit Unterrichtsmaterial und der Wahllokalausstattung versorgt. "Es gibt Schüler, die bereits politisch aktiv sind, und es gibt Schüler, die sich noch sehr distanzieren, weil sie noch nicht so viel Interesse haben, weil sie sagen: sie wissen noch nicht genug", berichtet Lehrerin Sabine Heinecke.

Viele Schülerinnen und Schüler befürworten Wahlrecht für Jugendliche

Anton Schmulinski ist 17 Jahre alt und würde am Sonntag gern mitwählen. "Spätestens mit 16 habe ich angefangen, mich mit der Politik zu beschäftigen, vor allem durch Fridays for future", sagt der Schweriner Schüler. Mit Informationen zu politischen Themen versorge er sich vor allem bei Youtube und auf Instagram. Auch Wahlhelferin Karolina würde gern wählen und findet, dass Jugendliche bei Wahlen mitstimmen dürfen sollten. "Ich finde es sehr wichtig, dass wir Jugendlichen mitbestimmen, was unsere Zukunft betrifft, weil wir auch die Zukunft gestalten", sagt die 18-Jährige. Ihr fehlt allerdings die deutsche Staatsbürgerschaft, um an den Wahlen am Wochenende teilnehmen zu können.

Das Wahlergebnis geht am Sonntag um 18 Uhr online

Bei der Juniorwahl teilnehmen dürfe nur, wer ein Ausweisdokument und die Wahlbenachrichtigung dabei habe - eben wie bei der richtigen Wahl. Ein Schülerausweis gelte bei der Juniorwahl aber auch. Wie bei den Landtagswahlen und Bundestagswahlen auch, veröffentlichen die Juniorwähler ihre Ergebnisse auch erst am Wahlsonntag nach 18 Uhr. Aber auch dann ist das Projekt noch nicht beendet. Zum Plan gehört auch, die Wahl, die Ergebnisse und den Ablauf mit den Schülerinnen und Schülern auszuwerten.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.09.2021 | 18:20 Uhr

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