Eine Frau sitzt ein einem Schreibtisch und arbeitet an einem Laptop. Im Hintergrund steht ein Skelett. © NDR Foto: Lisa Synowski

Bildung: Wahlprogramme der Parteien zur Landtagswahl 2021

Stand: 25.08.2021 12:39 Uhr

Was ist zu tun für gute Schulen? Die Parteien haben da oft unterschiedliche Vorstellungen, in einigen Dingen gibt es Überschneidungen. Alle meinen, es muss mehr getan werden und es muss besser werden.

SPD

Die SPD verspricht ein "Jahrzehnt für gute Bildung in MV". Sie will einen finanziellen Schwerpunkt auf die Schule legen - wieviel Geld sie ausgeben will, sagt sie nicht. Die Sozialdemokraten wollen den Lehrermangel beheben, vor allem durch eine bessere Ausbildung von Lehramtsstudenten und mehr Studienplätze an den Universitäten im Land. Das Ziel: Mehr Studenten sollen ihr Studium auch abschließen, für Referendare an den Schulen auf dem Land soll es eine Zulage geben. Die SPD plant die Lehrer zu entlasten, durch den Wegfall "pädagogisch nicht notwendiger Aufgaben". Der Stundenausfall wird nach dem Willen der Regierungspartei "auf ein Minimum" zurückgedrängt. Die SPD schreibt in ihrem "Regierungsprogramm", dass künftig "niemand in MV die Schule ohne Schulabschluss verlassen" müsse. Das Thema Digitalisierung soll auch im Unterricht eine größere Rolle spielen – das heißt, Schülerinnen und Schüler sollen lernen, "bewusst digital zu lernen." Bei der oft mangelnden technischen Umsetzung der Digitalisierung an den Schulen verweist die SPD auf den Breitbandausbau, dort "investieren wir erheblich", meint die SPD. Die Sozialdemokraten bekennen sich zur Schulsozialarbeit - die soll gesichert werden - und sie wollen Klassenzimmer und Pausenhöfe in staatlichen Schulen modernisieren.

AfD

Die AfD sieht die sogenannten Seiteneinsteiger nur für eine "Übergangszeit" als Möglichkeit, dem Lehrermangel zu begegnen. Um die Unterrichtsqualität zu sichern, seien ausgebildete Lehrer nötig. Die AfD will eine eigene pädagogische Hochschule für die Lehrerausbildung gründen, sie verspricht eine kostenlose Schülerbeförderung, nicht nur zur örtlich zuständigen Schule. Die Orientierungsstufe in Klasse 5 und 6 will die AfD abschaffen, bereits nach Klasse 4 soll die weiterführende Schule (Regionalschule oder Gymnasium) beginnen. Die AfD verlangt einen Stopp der Inklusion, Förderschulen müssten erhalten werden. Die Partei macht sich dafür stark, digitale Lernplattformen auszubauen. Schuleigene - oder kommunale Experten - sollten den IT-Ausbau und die Wartung übernehmen. Die AfD befürchtet eine "Indoktrination" der Schüler durch politische Bildung und verlangt strikte "Neutralität", sie beklagt eine angebliche Frühsexualisierung in Kitas und Schulen. Allgemein, so die AfD, müsse Schule "solides Sachwissen" vermitteln, Schüler müssten "angehalten" werden, sich anzustrengen und etwas zu leisten.

CDU

Die Union will ein Zulagen-System für Lehrer auf dem Land. "Landeskinder" sollten bevorzugt werden, wenn Studien- und Referendariatsplätze vergeben werden. Die Union setzt auf eine konsequente Digitalisierung der Schulen und des Unterrichts. "Die Kreidezeit ist lange her", heißt es im Wahlprogramm. Neben das Schulbuch gehöre das Tablet. Die CDU will die Digitalisierung an den Schulen durch einen "IT-Hausmeister" absichern, der für alle Fragen rund um Anschlüsse und Endgeräte verantwortlich ist. Nach dem Willen der Union sollen Schülerinnen und Schüler künftig stärker die Möglichkeit haben, das Gymnasium auch nach 13 Jahren abzuschließen -an den Noten - auch an den Kopfnoten - hält die Union fest. Die Union setzt auf Schul-Sozialarbeit - nicht nur in sozialen Brennpunkten, sie will auch freie Schulen fördern, denn sie "stellen eine wichtige, wünschenswerte Ergänzung unserer Schullandschaft dar".

Linke

Bildung hat für die Oppositionspartei "oberste Priorität". Sie will die Schulen im Land mit einem Schulbauprogramm in Höhe von einer Milliarde Euro sanieren. Die Linke verspricht ein kostenloses Mittagessen an allen Schulen und sie will Schulstandorte durch kleinere Eingangsklassen sichern. Um die Lehrbedingungen zu verbessern, sollen in Schulklassen nicht mehr als 25 Schüler unterrichtet werden. Die Linke will Kopfnoten abschaffen, da Verhalten nicht zensiert werden könne, Leistungen dagegen schon. Die Linke verspricht 1.000 neue Lehrstellen. Für jede Schule müsse eine Lehrkraft extra eingestellt werden, die Zahl der Lehrerstunde soll von 27 auf 25 in der Woche sinken. Die Linke will Schulleitungen stärken und ihnen eine höhere Zulage gewähren, gleichzeitig sollen sie weniger unterrichten. Das Lehramtsstudium soll reformiert werden, angehende Lehrer sollen den Unterrichtstoff besser vermitteln können, sie müssten keine Fachwissenschaftler sein. Die Linke will in der Lehrerausbildung mehr Praxisbezug (Klassenzimmer statt Hörsaal). Bei der Digitalisierung fordert die Partei konkrete Ausbauziele - es müsse eine einheitliche, landesweite Lernplattform geben, für den Zugang dazu müssten alle Schüler und Lehrer digitale Endgeräte wie Tabletts kostenfrei bekommen.

Grüne

Die Überwindung des Lehrermangels gehört für die Partei zu den "zentralen Bildungszielen". Die bevorstehende Pensionierungswelle und hohe Abbrecherzahlen bei den Lehramtsstudenten würden das Problem Unterrichtsausfall verschärfen. Die Grünen wollen "schrittweise" 500 neue Lehrer einstellen, gleichzeitig fordern sie ein Landesbauprogramm "Moderne inklusive Schule", um bis 2030 den Sanierungsstau an Schulen zu beenden. Die Grünen wollen 300 neue Studienplätze schaffen, das Studium soll stärker auf den Schulalltag ausgerichtet sein und durch Mentoren besser betreut werden. Berufseinsteiger sollen in den ersten beiden Jahren weniger Stunden unterrichten müssen. Schulwege wollen die Grünen durch den Erhalt kleinerer Schulen "verkürzen", sie versprechen eine kostenlose Schülerbeförderung - auch für die Freizeit. In der Digitalisierung fordern die Grünen ein "stabiles WLAN in allen Räumen". Lehrer müssten Dienstgeräte bekommen, nötig sei eine Online-Lern-Plattform und ein zuverlässiger und schneller technischer Support. Die Grünen fordern außerdem eine "Klimabildung" an den Schulen.

FDP

Wie die Linke stellt auch die FDP das Thema Bildung ganz nach vorn. Die Schülerinnen und Schüler in Mecklenburg-Vorpommern müssten "in den besten Schulen der Welt unterrichtet werden." Schulen müssten modern und technisch besser ausgestattet werden, egal, ob die Kommunen als Schulträger arm oder reich seien. Die Liberalen wollen "Talentschulen" mit modernster Pädagogik und bester Ausstattung in sozialen Brennpunkten schaffen. Kleine Schulen auf dem Land sollen erhalten bleiben. In den Schulen müsse mehr Wert auf mathematisch-naturwissenschaftliche und technische Fächer gelegt werden. Die FDP will das Unterrichtsfach "Wirtschaft" einführen, um Schüler besser mit der Marktwirtschaft vertraut zu machen. Auch die FDP will Klassen verkleinern, Lehrer sollten höchstens 25 Stunden in der Woche unterrichten. Lehrernachwuchs müsse praxisbezogener ausgebildet und besser bezahlt werden. Die FDP will mehr Lehrerstellen, um auf dem Papier eine Lehrkräftebesetzung von 108 Prozent zu erreichen - damit gebe es eine Vertretungsreserve gegen Unterrichtsausfall. Eine bessere Bezahlung streben die Liberalen auch für Schulleitungen an ("Spitzenpersonal auch spitzenmäßig bezahlen"). Die FDP fordert in der Bildung einen Digitalpakt 2.0. Dazu gehöre nicht nur die technische Ausstattung an den Schulen. Auch im Unterricht müsse der "Umgang mit den modernen Medien" Lerninhalt werden.

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