Sendedatum: 31.10.2018 00:00 Uhr

Alexander Slatnow | IM "Peter Schreiber"

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Die prominenteste Sportlerin, die IM "Peter Schreiber" alias Alexander Slatnow bespitzelte, war die Olympia-Medaillen-Gewinnerin Ilse Kaschube.

Unter dem Decknamen "Peter Schreiber" hat Alexander Slatnow in den 1970er-Jahren mit dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) zusammengearbeitet. Slatnow wurde am 29. September 1950 in Teterow geboren. Er war zunächst Handballer und Turner in Teterow und kam erst mit dem Wechsel auf die Kinder- und Jugendsportschule (KJS) in Neubrandenburg 1965 zum Kanurennsport. Nach dem Abitur studierte er Bauingenieurwesen. Beim SC Neubrandenburg entwickelte er sich zu einem Weltklasse-Kajakfahrer, 1971 und 1975 war er Weltmeister im K 2 über 1.000 Meter. Mit 20 Jahren erklärte er sich bereit, Inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit zu werden.

Mit einem Spitzel zu Olympia

Eine von Fehlern gespickte Verpflichtungserklärung lässt auf die Unsicherheit im Umgang mit dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) schließen, die IM „Peter Schreiber“ nie überwinden konnte. Er lieferte zunächst alle Informationen über Athleten aus seinem Umfeld. Prominenteste Zielperson war damals Ilse Kaschube, die 1972 die erste Olympiamedaille für den SC Neubrandenburg gewann. Slatnow gehörte zu den mindestens 14 Inoffiziellen Mitarbeitern des MfS unter den Sportlern der DDR-Olympia-Mannschaft 1972 in München. Er informierte seinen Führungsoffizier am 18. September 1972 detailliert.

Korrekt und zuverlässig

Der Bericht, den IM "Peter Schreiber" von den Olympischen Spielen 1972 gab, ist sporthistorisch von einiger Bedeutung. Er wirft ein Licht auf das von der Sportführung verordnete distanzierte Verhalten der DDR-Mannschaft in München, die nicht an der Trauerfeier für die getöteten israelischen Sportler teilnahm.

IM "Peter Schreiber" gab dem MfS lange Zeit Hoffnung, ein zuverlässiger Inoffizieller Mitarbeiter zu werden. Er erfüllte seine Aufträge soweit korrekt und gab alles weiter, was ihm wichtig erschien. So erzählte er seinem Führungsoffizier am 3. April 1973 folgende Geschichte.

Anfang 1992 eröffnete Alexander Slatnow in Neubrandenburg ein Architekturbüro. Ende 2002 erkrankte IM "Peter Schreiber" an Krebs, im Mai 2003 starb er im Alter von 52 Jahren.

"Der IM wurde von seinem Trainer Hörentrup angesprochen, einmal darauf zu achten, für welche Dinge sich der Masseur [...] in Gesprächen mit den Sportlern interessiert. Von den Trainern wurde festgestellt, daß der [...] Interesse für Schreibsachen und Unterlagen zeigt. Betritt er ein Zimmer, so gilt sein erster Blick dem, was auf dem Tisch liegt, so daß er Trainingsunterlagen einfach liest, die ihn überhaupt nichts angehen. Der IM schätzt ein, daß der [...] bei der nötigen Voraussetzung, beim Durchlesen der Trainingswerte durchaus in der Lage ist, sich einen Einblick in die Trainingsmethoden zu verschaffen. Die Trainer decken schon immer alle Materialien zu, sobald er in der Tür erscheint. Auch bei der Massage, wenn sich Sportler über das Training unterhalten, versucht er ins Gespräch mit einzusteigen. Dabei zeigt sich, daß er über gewisse Sachen gut Bescheid weiß. Der IM schätzt ihn vom Charakter als einen neugierigen Menschen ein, der gern alles wissen möchte um sich dann in den Vordergrund zu stellen."

Quelle: AIM III 1181/80 Teil II "Peter Schreiber", BStU 000046, ASt Neubrandenburg, Mitteilung des IM "Peter Schreiber“ vom 3.4.73

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 31.10.2018 | 00:00 Uhr

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