Stand: 09.12.2014 14:13 Uhr  | Archiv

Was, wenn im Nordosten der Strom ausfiele?

von Maike Gross, NDR 1 Radio MV
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Der Autor Marc Elsberg hat in seinem Bestseller "Blackout" das Szenario eines großflächigen Stromausfalls durchgespielt.

Marc Elsberg hat die Katastrophe in seinem Bestseller "Blackout - Morgen ist es zu spät" beschrieben. Fast zwei Wochen ist Europa ohne Strom, Wirtschaft und Gesellschaft brechen nach und nach zusammen. Eine Fiktion. Doch mit einem wahren Kern. Zum Beispiel die Hackerangriffe: Elsberg lässt Terroristen das Stromnetz durch einen Hackerangriff lahmlegen. Und Energiekonzerne sind auch in Wirklichkeit interessant für Hacker. Die SIV AG in Rostock, ein IT-Dienstleister gerade auch für Unternehmen der Energiebranche, kennt das Problem. Die Spezialisten sorgen mit Attrappen, mit sogenannten Honey Pots ("Honigtöpfe") dafür, dass sie einen Überblick über die täglichen Angriffe auf die Netze haben. Dr. Guido Moritz , unter anderem zuständig für die IT-Sicherheit bei der SIV AG, sagt, dass es auf diese Köder über 1.000 Angriffe pro Sekunde gibt.

Zahlreiche Attacken auf Netzbetreiber 50 Hertz

50 Hertz ist der Netzbetreiber in Ostdeutschland für die Übertragungsnetze, also die Stromnetze, die die Energie quer durch den Osten Deutschlands bringen. Auch 50 Hertz ist immer wieder Ziel von Angriffen, erzählt der IT-Sicherheitsexperte des Unternehmens, Dominik Spannheimer: "Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hält uns aktuell, was Warnungen angeht. Die bekommen wir im Tagesrhythmus. Vor zwei, drei Jahren haben wir einmal pro Woche eine Attacke gemeldet bekommen. Heute sind es sehr, sehr viele kleine Attacken, die Maßnahmen notwendig machen, die es vor vielen Jahren gar nicht gab."

Scharfe Trennung von Internet und System

50 Hertz sichert sich ab, indem Internet und das System zum Betrieb der Netze streng voneinander getrennt sind. Trotzdem gibt es auch noch besondere Übungen. So wird laut Spannheimer ein Dritter beauftragt und dem werde gesagt: "Versuche mal, mit unserer Überwachung so weit wie möglich in die sichere Welt zu kommen - also in die Kernsysteme der 50 Hertz. Bis dato hat es noch niemand geschafft."

Bisher nur regionale Ausfälle wie im Münsterland 2005

Vorsichtig müssen die Unternehmen sein. Angriffe aus dem Netz können nie ausgeschlossen werden, meint auch Juliane Matthes, IT-Sicherheitsexpertin der Wemag, dem regionalen Energieversorger in Schwerin. Doch um die Netze lahmzulegen und den Strom auszuschalten, reichen auch Unfälle wie im Sommer 2013 in Schwerin, als ein Traktor einen Strommasten "fällte", oder besondere Witterungsbedingungen: Zum Beispiel im Winter 2005, als im Münsterland mitten in einem Schneesturm ein umgeknickter Strommast dafür sorgte, dass mehr als 25.000 Menschen mehrere Tage ohne Strom waren. Bisher haben in Deutschland solche Unfälle nur zu regional begrenzten Ausfällen geführt.

Experte warnt vor drastischen Einschränkungen im Ernstfall

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Für Harald Weber von der Uni Rostock ist klar: Ein größerer Stromausfall hätte schwerwiegende Folgen.

Professor Harald Weber vom Institut für elektronische Energieversorgung an der Universität Rostock warnt aber: Es könne durchaus auch zu größeren Stromausfällen kommen. Er wird sehr deutlich: "Da werden drastische Einschränkungen stattfinden. Vor allen Dingen auch für die normale Bevölkerung, weil sie keine Kommunikation mehr hat. Sie können nicht mehr fragen: Wo sind Ihre Kinder? Wie kommen die nach Hause? Sie können nicht mehr Ihre Tochter auf dem Handy anrufen. Da hängt ein ganzer Rattenschwanz an Problemen dran."

Forschen für die Schwarzstartfähigkeit

Auf Mecklenburg-Vorpommern kommt dann ein besonderes Problem zu: Ist es dunkel im Nordosten, bleibt das auch eine ganze Weile so. Denn im Nordosten gibt es kein Kraftwerk, das sich von alleine wieder hochfahren kann. Die Kraftwerke hier sind abhängig von Pumpspeicherkraftwerken in Sachsen und Thüringen. Bis die sich hochgefahren haben, dauert es aber - erst recht, bis der Strom stabil von Süd nach Nord kommt, zumal auch die Hauptstadt Berlin versorgt werden muss. Professor Weber und sein Team möchten daher ein Forschungsprojekt auf den Weg bringen, mit dem sie herausfinden wollen, wie auch Mecklenburg-Vorpommern schwarzstartfähig werden kann - wie es die Experten nennen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 09.12.2014 | 16:15 Uhr

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