Eine Mund-Nasen-Maske hängt an einem Tisch im Klassenzimmer. © picture alliance/Eibner-Pressefoto/Weber/Eibner-Pressefoto Foto: Weber/Eibner-Pressefoto

Zum Schulstart braucht MV 600 neue Lehrkräfte

Stand: 29.07.2021 15:42 Uhr

Mit umfangreichen Corona-Regeln will Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) die Schulen in MV ins neue Schuljahr schicken. Die Bildungsgewerkschaft GEW mahnt allerdings, dass es neben Corona zahlreiche andere "Baustellen" im Bildungsbereich gibt.

Zu Beginn des neuen Schuljahres braucht Mecklenburg-Vorpommern 600 neue Lehrer. Das sind rund 100 mehr, als das Bildungsministerium bislang eingeplant hatte. Doch mehr Lehrerinnen und Lehrer sind für längere Zeit krank. Das Ministerium hatte offenbar auch nicht mit so vielen Lehrerinnen gerechnet, die wegen einer Schwangerschaft pausieren. Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) zeigte sich jedoch zuversichtlich, den Bedarf decken zu können. Konkrete Zahlen wollte Martin aufgrund noch laufender Einstellungsverfahren zunächst nicht nennen. Lehramtsstudierende und ehemalige Lehrkräfte können weiterhin an Schulen unterstützend tätig werden. "Im vergangenen Jahr haben 175 Lehramtsstudierende 110 Schulen unterstützt", erläuterte die Ministerin.

Test- und Maskenpflicht während der ersten beiden Wochen

Mit Corona-Tests und Masken-Pflicht sollen die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern am kommenden Montag in das neue Schuljahr starten. Die Landesregierung hat deshalb für 4,5 Millionen Euro Masken bestellt. Martin hofft zudem, dass im Fall einer weiteren Corona-Welle die Schulen nicht wieder flächendeckend geschlossen werden müssen. Vielmehr sollen die Gesundheitsämter nach der jeweiligen Situation vor Ort entscheiden, wann und wie bei Ausbrüchen in Schulen reagiert wird.

GEW erinnert an bestehende Probleme

Der Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Maik Walm, forderte die Bildungsministerin auf, nicht zu viel Geld für private Nachhilfe zur Verfügung zu stellen. Um Corona-bedingte Lernlücken schließen zu können, müssten die Schulen gestärkt werden. Gerade auf dem Land hätten Eltern auch nicht immer die Möglichkeit, ihre Kinder zur Nachhilfe in die Stadt zu fahren, so Walm bei NDR MV LIVE. Es sei in den Schulen sowieso schwierig genug, Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern, weil häufig die räumlichen, personellen und technischen Voraussetzungen nicht optimal seien. Auch Anton Fischer, Vorsitzender der Landesschülerrats, forderte bei NDR MV LIVE Konzepte, um Schüler während des normalen Unterrichts an den Schulen zu fördern. Er hoffe auch, dass die Lernstandserhebungen zu Beginn des Schuljahrs zu individuellen Förderungen führen und "keine Luftblase" bleiben.


Grüne Spitzenkandidatin vermisst Konzept zu Lernlücken

Auch die Grünen kritisierten im Vorfeld die zum Schulstart angekündigten Maßnahmen. "Zum Start des neuen Schuljahrs gibt es keinerlei Konzept, wie die Schulen mit den Lernlücken aus der Zeit der Schulschließung umgehen sollen", so Anne Shepley, Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl. "Wir brauchen dafür einen klaren Fahrplan."

Schweriner Oberbürgermeister warnt vor Schul-Lockdown

Schwerins Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) hat sich unterdessen für ein baldiges Ende der Corona-Beschränkungen ausgesprochen. Bei Jüngeren sei die Gefahr, schwer zu erkranken, äußerst gering. "Deswegen ist es an der Zeit, über die Aufhebung von Corona-Beschränkungen zu diskutieren, statt mit Impfpflicht, Schulschließungen oder neuen Lockdowns unverhältnismäßige Kollateralschäden zu riskieren", erklärte Badenschier, der vor seiner Wahl zum Oberbürgermeister als Klinikarzt tätig war. "Die jetzige Debatte um eine verschärfte Testpflicht greift zu kurz und kommt zu spät", sagte Badenschier mit Blick auf den Schulstart in Mecklenburg-Vorpommern. Mit der vierten Infektionswelle seien unter Jüngeren vermehrt Ansteckungen zu erwarten. Reihenweise Schulschließungen wie im vorigen Schuljahr müssten im Interesse der Schüler aber vermieden werden. Eine Studie an der Technischen Universität Dresden mit 1.500 Kindern habe herausgearbeitet, dass die Häufigkeit des Krankheitsbildes überschätzt werde. Das Risiko zu erkranken sei geringer als die Gefahr für die psychische und physische Entwicklung der Kinder und Jugendlichen durch einen weiteren Lockdown. 

Internetportal informiert über Corona-Situation an Schulen

Die 561 allgemeinbildenden Schulen erwarten zum Schuljahresbeginn am Montag 155.600 Schülerinnen und Schüler, wie Bildungsministerin Martin sagte. Das seien 2.900 mehr als im vergangenen Schuljahr. Bereits am Sonnabend werden demnach 14.300 Mädchen und Jungen eingeschult, 400 mehr als im vergangenen Schuljahr. Eltern und Schüler können sich ab sofort auf einem Internetportal über die Corona-Situation an den Schulen im Land informieren. Die Universitätsmedizin Greifswald (UMG) und Rostock (UMR) stellen dazu regelmäßig Informationen auf der Website www.schugi-mv.de zu Verfügung, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Die Website informiert etwa über die Zahl der Infektionen an Schulen. In einem geschützten Bereich sollen sich zudem Schulen zum Umgang mit der Pandemie austauschen können. Seit Dezember erforschten die UMG und die UMR das Corona-Infektionsgeschehen an Schulen im Land, hieß es.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 29.07.2021 | 15:00 Uhr

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