Stand: 21.02.2020 07:38 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Zahl von E-Autos in MV könnte weiter steigen

von Sandra Luner
E-Mobil an einer Ladestation.
Elektrisch zu fahren, wird laut Experten immer attraktiver - vor allem mit Blick auf eine mögliche CO₂-Besteuerung. (Archivbild)

Bis zu 6.000 Euro Zuschuss gibt es ab sofort vom Staat für Käufer von Elektro-Autos. Während Automobil-Experten und Hersteller bundesweit mit steigender Nachfrage rechnen, reagieren Betreiber von Ladesäulen, Energieversorger und auch potenzielle Neuwagen-Käufer in Mecklenburg-Vorpommern eher abwartend. Trotzdem: Der Trend zu alternativen Kraftstoffen sei nicht mehr zu übersehen, heißt es zum Beispiel beim Kompetenzzentrum E-Mobilität MV in Neustrelitz.

Zulassungszahlen steigen in MV

Die Zahl der Neuzulassungen steigt von Jahr zu Jahr - wenn auch auf niedrigem Niveau. Gut 600 reine Stromer kamen vergangenes Jahr dazu - eine Steigerung von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr und schon fast zehnmal so viele wie 2014. Geladen wird ein privat genutztes E-Auto in Mecklenburg-Vorpommern meistens zu Hause - nicht mit der normalen Steckdose, sondern mit einer sogenannten Wallbox. Die fest eingebauten Ladeeinrichtungen kosten im Schnitt 800 bis 1.000 Euro. Öffentliche Ladesäulen, etwa auf Autobahn-Rastplätzen, dienen vor allem der Reichweite bei langen Fahrten und nicht so sehr der regelmäßigen Energieversorgung - zumal dort der Kraftstoff, also der Strom, oft deutlich teurer ist als in der heimischen Garage.

Ladeinfrastruktur ist ein Problem

"Tanken" beim E-Auto
Was das Netz von Ladepunkten angeht, ist MV bundesweit auf dem vorletzten Platz. Nur 138 Ladesäulen gibt es im Nordosten. (Archivbild)

138 Ladesäulen listet die Karte der Bundesnetzagentur im Nordosten auf, davon zehn Standorte mit sogenannten Schnell-Ladern. Noch weniger im bundesweiten Vergleich hat nur der Stadtstaat Bremen. Trotzdem rechnet Projektleiter Robert Grzesko vom Kompetenzzentrum E-Mobilität MV in Neustrelitz damit, dass künftig immer mehr E-Autos durchs Land rollen. "In den nächsten fünf Jahren wird das deutlich zunehmen. Mit steigender Förderkulisse merkt man, dass sich da immer mehr Menschen mit beschäftigen, auch aus dem privaten Bereich. Die Fragen sind, wie kann ich das fördern lassen, welche Modelle gibt es, wie weit komme ich mit dem Fahrzeug".

Private Ladepunkte für kürzere Strecken

Schwierig bleibt die Kraftstoff-Versorgung, also das Strom-Tanken. Wer über eine Garage oder ein einen Carport verfügt, ist bei einer Jahresfahrleistung von 10.000 bis 15.000 Kilometern nahezu unabhängig von öffentlichen Ladesäulen oder -punkten. Als Mieter in einem Mehrfamilienhaus kann man beim Vermieter nachfragen, ob eine Ladeeinrichtung machbar ist. Das erfordert allerdings einen festen, geschützten Parkplatz und entsprechende technische Möglichkeiten. Die Parkhaus-Gesellschaft Rostock etwa, eine Tochter der Wohnungsgesellschaft Wiro, kann so etwas anbieten. Im neuen Parkhaus im Petriviertel könnten Interessenten einen Parkplatz inklusive Lademöglichkeit mieten, sagt WIRO-Sprecher Carsten Kleehn. Wenn man in der Nähe wohnt oder arbeitet, lässt sich das Aufladen so in den Alltag integrieren. Nachgefragt wird das bisher aber nicht.

Wohnungsgesellschaften fürchten Investitionskosten

Bei Wohnungsgesellschaften hält sich die Begeisterung für die Errichtung von Ladestationen meist in Grenzen. Die Investitionskosten sind bei Anlagen mit mehreren Anschlüssen hoch, die Nachfrage dagegen eher gering. Hinzu kommen höhere Brandschutzauflagen und nicht zuletzt die Frage, ob Ladesäulen wirklich die Zukunft sind oder schon bald andere Techniken, wie das induktive Laden, weiterentwickelt werden.

Experten: E-Auto in fünf Jahren günstiger als Verbrenner

Vorerst sieht es somit nicht nach einem Boom bei der Elektromobilität in Mecklenburg-Vorpommern aus. Auch der Energieversorger Wemag erklärte auf Anfrage, dass die Auslastung seiner insgesamt 350 Ladepunkte mit Ausnahme der Ferienzeiten eher überschaubar sei. Gerade in ländlichen Regionen stellt sich niemand für ein paar Stunden an eine öffentliche Ladesäule. Ein Viertel der Aufträge für Ladestationen komme von Privatkunden, Tendenz stark steigend. Trotzdem werde die E-Mobilität in den kommenden Jahren stark zunehmen, ist der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Marktforschungsinstitut CAR (Center Automotive Research) überzeugt. Er rechnet damit, dass es noch rund fünf Jahre dauert, bis das E-Auto in Anschaffung, Unterhalt und Verbrauch billiger ist als eins mit Benzin- oder Dieselmotor. "Die Wartungskosten sind deutlich geringer, und es sind natürlich auch die Kraftstoffpreise, die beim Strom erheblich niedriger sind als für Benzin oder Diesel", sagt Dudenhöffer.

CO₂-Steuer könnte den Markt beleben

Der Experte verweist zudem auf absehbare Entwicklungen: "Die Bundesregierung hat beschlossen, dass CO₂ besteuert wird. Das wird auf den Benzin- und Dieselpreis aufgeschlagen. Das heißt, immer wenn ich nächstes Jahr an der Tankstelle vorbeifahre und die Preise sehe, wird sich mein Herz für den Kauf eines Elektroautos weiter öffnen" erklärt Dudenhöffer. Die jetzt angebotenen 6.000 Euro Zuschuss für den Kauf eines Elektroautos würden sich schon in den kommenden Monaten bei der Nachfrage auswirken, sagt Dudenhöffer. Womit offenbar auch die Automobilhersteller rechnen, die dieser Tage zahlreiche neue oder überarbeitete Modelle präsentieren.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.02.2020 | 16:40 Uhr

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