Stand: 23.05.2019 08:45 Uhr

YouTuber attackiert CDU - Häme für Amthor

Ein millionenfach abgerufenes Anti-CDU-Video des YouTubers Rezo sorgt bundesweit für Diskussionen. Der vorpommersche CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor sieht sich in sozialen Medien einer Welle von Häme und Spott ausgesetzt. Im Netz kursierten am Mittwoch Gerüchte über die Veröffentlichung eines Antwort-Videos aus der CDU-Parteizentrale - vorgetragen von Amthor. Die Aussicht auf ein Video-Duell der beiden 26-Jährigen, die schon äußerlich kaum gegensätzlicher sein könnten, elektrisierte die Netzgemeinde. Die Hashtags #Amthor, #RezoVideo und #Philipp standen bei den Twitter-Trends ganz vorne.

Kein Video - viel Häme

Doch eine Replik des stets seriös auftretenden CDU-Newcomers mit der Krawatte und dem strengen Scheitel auf die flapsig vorgetragene Anti-CDU-Polemik des Influencers mit den blauen Haaren kam und kam nicht. Was aber kam, war ein Schwall an Häme und Spott über Amthor und die CDU über deren vermeintliche Unfähigkeit im Umgang mit den neuen Medien.

Einige Twitter-Nutzer fragten nach dem Beleg für die Behauptung, dass die CDU ein solches Antwortvideo veröffentlichen werde. Eine offizielle Ankündigung der CDU oder von Philipp Amthor gab es nicht. Berlin-Korrespondenten wie Jan Dörner von der "Stuttgarter Zeitung" und Florian Neuhann vom ZDF bestätigten allerdings das Vorhaben auf Twitter.

YouTuber: CDU zerstört "unser Leben und unsere Zukunft"

Der YouTuber Rezo hatte mit seinem bis Mittwochabend 3,8 Millionen Mal abgerufenen Video "Die Zerstörung der CDU" für Empörung bei den Christdemokraten und eine hitzige Debatte gesorgt. In dem Video heißt es, die CDU zerstöre "unser Leben und unsere Zukunft". Der Influencer wirft den Christdemokraten unter anderem vor, Politik für Reiche zu machen, "krasse Inkompetenz" beim Thema Urheberrecht und Drogenpolitik an den Tag zu legen und beim Klimawandel untätig zu sein. Klimaziele seien nicht eingehalten worden: "Ziele setzen und nicht einhalten ist was für Leute, die abnehmen wollen."

Polemische Kritik in 55 Minuten

In dem bereits am Sonnabend auf der Video-Internetplattform YouTube veröffentlichten Video, das sich vor allem an junge Menschen richtet, trägt der 26-Jährige in rund 55 Minuten seine teils polemische Kritik in flapsigem Tonfall vor, fügt seinen zugespitzten Aussagen Quellen wie etwa Ausschnitte aus der Regierungspressekonferenz, Statements von Wissenschaftlern oder Daten des Statistischen Bundesamts bei. Kritiker monieren unsaubere Recherche und eine einseitige Darstellung. Rezo suche sich nur die vermeintlich passenden Belege heraus, um seine Thesen zu untermauern.

Kritik aus der CDU: Falschbehauptungen

CDU-Politiker sprechen von falschen Behauptungen. "Ich habe mich gefragt, warum wir nicht eigentlich auch noch verantwortlich sind für die sieben Plagen, die es damals in Ägypten gab", sagte CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer am Mittwoch in Kiel. Generalsekretär Paul Ziemiak sagte, Rezo tue so, als sei nur seine Meinung richtig. Das sei gefährlich. "Populismus, Beleidigungen und falsche Vereinfachungen haben wir in den sozialen Netzwerken und in der Politik leider schon mehr als genug." Bei den deutschen Medien sollte das Video Fragen aufwerfen, warum junge Menschen sich dort über Politik informieren und nicht auf bekannten Medienportalen, so Ziemiak.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.05.2019 | 05:00 Uhr

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