Stand: 07.10.2018 09:37 Uhr

Wolf nahe Rostock: Mehr als 20 Schafe gerissen

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Der Wolf breitet sich in Mecklenburg-Vorpommern immer weiter aus - nicht nur Nutztierhalter sind beunruhigt.

Der Wolf breitet sich in Mecklenburg-Vorpommern immer weiter aus. Wie das Landwirtschaftsministerium erst kürzlich mitteilte, sind allein in diesem Jahr mindestens 13 Welpen geboren worden. Nun hat sich offenbar ein Wolf in einem Waldgebiet nur rund 20 Kilometer von Rostock entfernt angesiedelt. Das Landwirtschaftsministerium bestätigte auf Anfrage des NDR einen Wolfsriss in der Region. Es liege eine entsprechende DNA-Spur vor, hieß es.

Mehr als 20 Schafe auf Weide bei Blankenhagen gerissen

Diese Spur kommt von einer Weide in Blankenhagen im Landkreis Rostock. Der Schafhalter Maik Tegtmeier hatte auf dieser Weide am 3. August 15 seiner Schafe tot und zehn weitere teils schwer verletzt aufgefunden. Zudem waren sieben Lämmer verschwunden. Sämtliche toten Tiere wiesen den für den Wolf typischen Kehlbiss auf.

Wildlebende Mufflon-Herde gesprengt

Bei einigen der verletzten Tiere war der Bauch aufgerissen, die meisten von ihnen mussten getötet werden. Auf der Weide lagen außerdem mit Schaffell-Resten durchsetzte Kotspuren, wie sie ebenfalls wolfstypisch sind. Jäger berichteten zudem, dass eine im Billenhäger Forst wildlebende Mufflon-Herde in letzter Zeit gesprengt worden sei. Die Gruppe der 30 bis 40 Wildschafe sei seit dem Riss eines Mufflons nicht mehr zusammen, sondern nur noch in kleineren Gruppen beobachtet worden.

Das Wolfs-Comeback in Mecklenburg-Vorpommern

Keine Information der Öffentlichkeit

Obwohl sich der Angriff auf die Schafherde bei Blankenhagen bereits Anfang August ereignet hatte, erfolgte seitens des beim Landwirtschaftsministerium angesiedelten Wolfsmanagements keine öffentliche Information. Auch Schafhalter Tegtmeier, der den Vorfall umgehend gemeldet hatte, erhielt trotz mehrfacher Nachfrage zunächst keine Rückmeldung über das Ergebnis des Rissgutachters. Das Ministerium begründete die Verzögerungen mit Personalproblemen aufgrund der Sommerferien und der Umstellung des Wolfsmanagements.

Ministerium: Keine direkte Gefahr für Menschen

Bei ähnlichen Fällen in der Vergangenheit hatten die Behörden in der Regel stets eine öffentliche Erklärung abgegeben. Auf die Nachfrage des NDR, ob bei diesem Vorfall nahe einer Großstadt eine Information der Öffentlichkeit nicht sogar dringend geboten gewesen wäre, zumal die nächste Einfamilienhaus-Siedlung gerade einmal zwei Kilometer entfernt liegt, kam vom Ministerium die Antwort, dass in diesem Fall keine direkte Gefahrensituation für den Menschen bestanden habe. Außerdem liege in unmittelbarer Nähe der toten Schafe kein dicht besiedeltes Gebiet.

Weitere Wolfssichtungen dokumentiert

Seit dem Vorfall im August sind in der Gegend drei weitere Wolfssichtungen bestätigt worden, zweimal sogar durch Videos dokumentiert. So spazierte ein Wolf am frühen Morgen des 16. September am Hochsitz eines überraschten Jägers vorbei. "Er hat auf meinen Zuruf gar nicht reagiert, ist einfach weitergaloppiert und auf der anderen Seite wieder in den Wald gelaufen", erinnert sich der Jäger. Einen Tag später tauchte das Raubtier drei Kilometer entfernt auf einem Acker nahe Steinfeld auf.

Wolf läuft Schlepperfahrer vor die Kamera

Ende September lief ein Wolf einem weiteren Schlepperfahrer vor die Handy-Kamera. Denny Dombrowski hielt die Begegnung mit seinem Smartphone fest. "Mir war schon etwas mulmig zumute, weil ich später noch den Traktor auf dem Feld betanken musste." Der Acker liegt etwa 14 Kilometer vom Rostocker Stadtrand entfernt. Auf Nachfrage des NDR teilte das Ministerium mit, dass es weder von den Videos noch von den Beobachtungen des Jägers Kenntnis habe. Diese werden nun gebeten, sich zu melden.

Schafhalter verärgert

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Schafhalter Maik Tegtmeier ist wütend auf die Behörden.

Schafhalter Tegtmeier soll nun nach Angaben des Ministeriums entschädigt werden. Doch die jüngsten Ereignisse haben Spuren hinterlassen. Tegtmeier ist wütend über die schleppende Arbeit der Behörden: '"Es ist nichts passiert." Eine offizielle Bestätigung, dass ein Wolf für den Angriff auf seine Tiere verantwortlich ist, habe er bisher noch nicht erhalten. Er habe lediglich ein Rissgutachten erhalten, in dem der Wolf als Angreifer nicht ausgeschlossen wird, sagt er. Tegtmeier vermutet, dass es wesentlich mehr Wölfe gebe, als zugegeben werden soll.

"Das wird nicht nur einer gewesen sein"

Ob er seine Schafe noch einmal auf der Koppel weiden lässt, wo sich die Attacke ereignete, weiß Tegtmeier noch nicht. Erst vor einer Woche saß er mit seiner Familie abends auf der Terrasse, als plötzlich Wolfsgeheul die Abendstille durchbrach. "Das wird nicht nur einer gewesen sein. Da stehen einem wirklich die Haare zu Berge", sagt er. Und als das Wolfsgeheul nach einiger Zeit wieder verstummte, fingen plötzlich alle Hunde im Dorf an zu bellen. "Das war wirklich beängstigend."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 07.10.2018 | 12:00 Uhr

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