Küken und Gelege der Wiesenweihe. © Deutsche Wildtier Stiftung Foto: Volker Günther

Wildtier Stiftung sucht brütende Wiesenweihen in MV

Stand: 02.05.2021 09:04 Uhr

Der Greifvogel kommt gerade aus seinem Winterquartier in Afrika zurück. Wie viele Tiere nach Mecklenburg-Vorpommern fliegen, ist nicht bekannt. Es fehlen aktuelle Zahlen. Das will die Deutsche Wildtier Stiftung ändern.

von Franziska Drewes, NDR 1 Radio MV

Eigentlich liebt die Wiesenweihe feuchte Wiesen, unberührte Moorlandschaften und Brachflächen. Doch die sind selten geworden, und deswegen hat sich der Greifvogel angepasst. Er lebt nun vorrangig in Getreidefeldern. "Die Vögel zu finden, ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen", sagt Andreas Kinser über die Wiesenweihe. Er ist Natur- und Artenschützer bei der Deutschen Wildtier Stiftung. Der faszinierende Greifvogel mit den schwarzen Flügelspitzen gilt bundes- wie landesweit als stark gefährdet. Zu Beginn der 2000er Jahre gab es in Mecklenburg-Vorpommern noch etwa 30 bis 40 Brutpaare. Die Daten stammen von Hobby-Ornithologen, die damals regelmäßig Meldungen über Sichtungen gezählt und ausgewertet haben. Das ist mittlerweile vorbei, denn altersbedingt sind diese ehrenamtlichen Strukturen von regionalen Vogelkundlern nahezu komplett weggebrochen. "Dadurch fehlen einfach die harten Fakten aus der Praxis, um überprüfen zu können, ob die Meldungen plausibel sind", bedauert Andreas Kinser.

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Bodenbrüter stark gefährdet

Die Artenschützer erhoffen sich nun viele freiwillige Meldungen aus der Bevölkerung. Jeder gesichtete Vogel zählt. Wiesenweihen fliegen sehr auffällig. "Das sieht aus, als würde man ein Handtuch in die Luft werfen. Sie gaukeln dann in der Luft." So umschreibt Andreas Kinser die Flugkünste der stark gefährdeten Art. Im Mai brüten die Tiere auf dem Boden. Die Jungtiere sind erst dann flügge, wenn die Wintergetreidefelder längst abgeerntet sind. Das bedeutet: viele Horste werden beim Mähen zerstört und Küken sterben. Andreas Kinser und sein Team von der Deutschen Wildtier Stiftung wollen den Nachwuchs retten.

Horste im Getreidefeld schützen

Sie suchen deswegen jetzt nach Wiesenweihen-Paaren, um herauszufinden, wo genau sie brüten. Jeder entdeckte Horst auf dem Boden wird für Landwirte sichtbar abgesteckt und so vor den Erntemaschinen geschützt. Auch Beutegreifer wie Fuchs oder Dachs kommen nicht an die Jungtiere heran. "In anderen Bundesländern haben Artenschützer damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Population konnte sich gut erholen." Das wünscht sich Andreas Kinser auch für Mecklenburg-Vorpommern. Jeder Landwirt, auf dessen Fläche ein Horst entdeckt wird, wird benachrichtigt. Die Betriebe können Entschädigungen für entsprechende Ernteverluste beantragen. Die Deutsche Wildtier Stiftung unterstützt sie dabei und das Land Mecklenburg-Vorpommern stellt dafür Mittel bereit.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Landfunk | 02.05.2021 | 12:00 Uhr

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