Stand: 21.11.2017 16:12 Uhr

Wieder Kurssystem an Gymnasien in MV

Bild vergrößern
Künftig gibt es an den gymnasialen Oberstufen in MV wieder Leistungs- und Grundkurse. (Archivbild)

Das Abitur in Mecklenburg-Vorpommern wird reformiert. Der Nordosten kehrt 2019 zum Prinzip der Grund- und Leistungskurse in der gymnasialen Oberstufe zurück. Das kündigte Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) am Dienstag in Schwerin an. 2021 sollen die ersten Abiturprüfungen nach der Reform abgelegt werden. Hesse betonte, dass alle Standorte von Schulen mit gymnasialer Oberstufe erhalten blieben.

Vorgabe der Kultusministerkonferenz umgesetzt

Mit der Reform setze das Land Vorgaben der Kultusministerkonferenz um, sagte Hesse. Sie diene der besseren Vergleichbarkeit des Abiturs in Deutschland. Außerdem könnten die Elft- und Zwölftklässler besser auf die Prüfungen vorbereitet werden. Die Reform kostet den Angaben zufolge jährlich drei Millionen Euro, rund 40 zusätzliche Lehrerstellen seien dafür nötig. Künftig sollen nur noch zwei Fächer als Leistungsfächer belegt werden müssen und der Rest als Grundfächer. Bisher sind es sechs Hauptfächer - so viele wie in keinem anderen Bundesland, so Hesse.

Derzeit gilt das Hauptfächer-Modell

Das derzeit gültige Hauptfächer-Modell war vor etwa zehn Jahren eingeführt worden. In den Oberstufen-Kursen lernen sowohl Schüler, die das Abitur in dem jeweiligen Fach auf erhöhtem Anforderungsniveau ablegen, als auch solche, die die Prüfung auf Grundniveau schreiben wollen. Diese Heterogenität führe zu Problemen bei der Wissensvermittlung, hieß es.

Philologenverband begrüßt Reform

Das Hauptfächer-Modell sei ein Irrweg gewesen, sagte der Vorsitzende der Gymnasiallehrer-Gewerkschaft Philologenverband, Jörg Seifert. Die Grundkurs-Abiture seien schlechter geworden, weil die Schüler dem Unterricht auf erhöhtem Niveau nicht folgen konnten. Die meisten anderen Bundesländer seien beim Kurssystem geblieben. Seifert befürwortete das neue Modell, weil es zwar bei durchschnittlich 35 Stunden Unterricht pro Woche in Klasse elf und zwölf bleibe, aber die Belastung der Schüler reduziere.

Rückkehr zum Abi nach 13 Schuljahren?

Seifert forderte weitergehende Reformen für die Gymnasien wie etwa die Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren. Die Stundenbelastung der Kinder sei zu hoch, außerschulische Aktivitäten blieben auf der Strecke. Sowohl Hesse als auch der Vorsitzende der Vereinigung der Schulleiter an Gymnasien, Ingolf Litzner, lehnen dies jedoch ab.

GEW: Reform bedroht Bildungsgerechtigkeit

Die Lehrergewerkschaft GEW sieht durch die Abitur-Reform die Bildungsgerechtigkeit im Nordosten bedroht. Diese dürfe nicht dem Wunsch nach einer bundesweiten Vergleichbarkeit des Abiturs zum Opfer fallen, sagte die Landesvorsitzende Annett Lindner. Es müsse zudem geklärt werden, wie in der Fläche bei begrenzten Schülerzahlen eine attraktive Fachauswahl angeboten werden könne.

Linke und CDU unterstützen Reform

Die Linksfraktion im Landtag begrüßte das Vorhaben. "Die Rückkehr zum Kurssystem und die Reduzierung der Hauptfächer in der gymnasialen Oberstufe sind überfällige richtige Schritte", sagte die Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg. Die Schüler könnten jetzt wieder Fächer wählen, die sie tatsächlich interessieren und für ihr Studium gebrauchen können. Außerdem hätten sie wieder mehr Zeit für Hobbys und Sport. Auch der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Marc Reinhardt, befürwortete die Reform.

Weitere Informationen

KMK-Beschluss: Das Abi up platt kann kommen

Die Kultusministerkonferenz will künftig Niederdeutsch als Prüfungsfach für das Abitur anerkennen. Damit kann der Plattdeutsch-Unterricht an den Schulen im Norden weiter ausgebaut werden. (03.03.2017) mehr

Schulprojekt spürt Spuren jüdischen Lebens nach

Sie wollen einen differenzierteren Blick auf jüdisches Leben in Mecklenburg-Vorpommern ermöglichen: Lehrer haben für ein Schulprojekt zehn jüdische Biografien für den Unterricht aufbereitet. (18.11.2017) mehr

mit Video

Neuer Ärger um Seiteneinsteiger an Schulen

Rund 700 Seiteneinsteiger arbeiten als Lehrer in den Schulen im Nordosten. Die Linksfraktion kritisiert, ein Großteil von ihnen habe noch keine Zusatzausbildung für den Beruf. (06.07.2017) mehr

Hesse will mehr Plätze in Ganztagsschulen

Bildungsministerin Hesse setzt weiter auf Ganztagsschul-Angebote. Bis 2021 sollen in Mecklenburg-Vorpommern 10.000 weitere Plätze entstehen. Kritik kommt vom Landesjugendring und der Linken. (20.05.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 21.11.2017 | 17:10 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

00:45

Positive Reaktionen zu den Traditionsschiffen

15.12.2017 19:30 Uhr
NDR Fernsehen
03:26

So hilft die Diakonie Kindern und Familien

15.12.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin
00:49

Das DFB-Mobil macht Halt in Greifswald

15.12.2017 19:30 Uhr
NDR Fernsehen