Widerstand gegen geplantes Naturschutzgebiet im Peenetal

Stand: 22.04.2021 14:42 Uhr

Das Umweltministerium will das Flusstalmoor der Peene langfristig schützen. 2009 und 2010 sind bereits zwei Drittel der Fläche unter Naturschutz gestellt worden. Nun sollen nochmals rund 7000 Hektar dazukommen, von Anklam bis zum Peenestrom. Doch in der betroffenen Region wächst der Widerstand.

von Claudia Arlt, NDR 1 Radio MV

Das Land hat sich gegenüber dem Bund verpflichtet, rund 20.000 Hektar im Peenetalmoor zu sichern. Für dieses Naturschutzgroßprojekt hat es bereits 31 Millionen Euro vom Bund bekommen. 2024 soll es soweit sein, doch in der Region regt sich Widerstand gegen die Pläne.

Industrielle Standorte müssen erweiterungsfähig bleiben

So haben Anklams Stadtvertreter am Mittwoch einstimmig gegen die geplante Ausweisung gestimmt. Laut Bürgermeister Michael Galander (IfA/Initiativen für Anklam) schränkt das geplante Naturschutzgebiet "Peenetal von Anklam bis Peenestrom und Haff" die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt ein. Nördlich von Anklam liegt der rund 200 Hektar große Polder Schanzenberg, der künftig zum Naturschutzgebiet gehören soll. Das würde die Pläne der Zuckerfabrik gefährden, die neue Produkte aus Zuckerrüben, wie etwa Verpackungsmaterial herstellen und Bioökonomiestandort werden will, so Galander. Es sei fatal, wenn direkt am Fabrikgelände das Naturschutzgebiet beginnt. Gleiches gelte für Anklams Kläranlage. Dort sei die biogene Verwertung von Klärschlamm geplant, auch hier müsse der Standort erweiterungsfähig bleiben.

Weitere Vernässung kann Region nicht zugemutet werden

Kritik an den Plänen des Landes kommt auch vom Wasser- und Bodenverband Untere Peene, Gemeinden wie Buggenhagen, einem Forstbetrieb und etlichen Landwirtschaftsbetrieben. Auch der Landkreis Vorpommern-Greifswald hat sich bereits geäußert. Eine weitere Vernässung könne der Region nicht zugemutet werden, erklärte Umweltdezernet Jörg Hasselmann. Wiedervernässte Flächen würden immer dichter an Städte und Gemeinden heranrücken. Durch die Wegnahme von Flächen werde die Wirtschaft in Vorpommern weiter eingeschränkt. Deshalb lehnt der Landkreis das neue Naturschutzgebiet komplett ab.

Einspruchsfrist bis Ende Mai verlängert

Noch bis Ende Mai können Betroffene ihre Stellungnahmen abgeben. Ursprünglich räumte das Ministerium dafür eine Frist von sechs Wochen ein. Nach massiver Kritik ist diese Frist bis Ende Mai verlängert worden. Anklams Bürgermeister Galander sagte, das Vorhaben sei völlig überraschend aus Schwerin nach Anklam gekommen. Es habe keinerlei Vorgespräch gegeben. Er spricht von einer "Überrumpelungsaktion". Das gehe so nicht für derartige Eingriffe, heißt es vom Landkreis Vorpommern-Greifswald.

Gespräche und öffentliche Informationsveranstaltung

Laut Umweltministerium sind mittlerweile 33 Stellungnahmen eingegangen. Darin gehe es vor allem um Änderungsvorschläge. Neun Stellungnahmen werden noch erwartet. Das heißt, mehr als 60 Prozent der Betroffenen haben oder wollen sich noch äußern. Das Umweltministerium will nun Gespräche führen. Nächsten Mittwoch will eine Vertreterin des Ministeriums nach Buggenhagen kommen und dem Gemeinderat die Pläne genauer erklären, später soll es auch eine öffentliche Informationsveranstaltung geben. Dieser Termin ist auf Pochen von Bürgermeister Manfred Studier zustande gekommen. Er ist stinksauer darüber, dass nach 2014 mit dem Polder Pinnow nun weitere Flächen seiner Gemeinde unter Wasser gesetzt werden sollen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.04.2021 | 14:42 Uhr

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