Schneeglöckchen im Sonnenschein © NDR Foto: Anja Preußner aus Bollewick

Wetter 2020 in MV: Warmes Jahr mit mildem Winter

Stand: 27.12.2020 07:28 Uhr

Das Jahr 2020 wird vielerorts in Mecklenburg-Vorpommern das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung sein. Ursache dafür ist nicht die Sommerhitze, sondern der milde Winter.

von Henning Strüber, NDR.de

Kein verheerender Sturm, keine sintflutartigen Regenfälle, auch kein gleißender Sommerhitze- oder klirrender Kältetag: Das wahre Highlight des Wetterjahres 2020 in Mecklenburg-Vorpommern vollzog sich für Stefan Kreibohm ganz still, fast heimlich: Es war das ungewöhnlich frühe Sprießen der Pflanzen im Frühjahr, der sogenannte Vegetationsbeginn, wie der Meteorologe vom NDR Wetterstudio auf Hiddensee erklärt: "Es begann schon nachhaltig am 1. März. Gewöhnlicherweise passiert dies erst Anfang April bei uns in Mecklenburg-Vorpommern." Ansonsten verlief das Wetterjahr ohne "besondere Vorkommnisse". Es gab keine extremen Stürme, keine außergewöhnlichen Starkregenereignisse. "Lokal sicher mal ein heftiger Gewitterschauer, auch Sturm und Hochwasser an der Ostsee - aber auch das alles noch im Rahmen."

"Was Kälte angeht, war 2020 absolut lächerlich"

Geprägt war das Jahr von einem sehr milden Winter. Die Schneeglöckchen sprossen schon im Januar. Die tiefste Temperatur wurde mit minus 6,8 Grad am 23. März am Flugplatz Barth gemessen. In der Kältephase Ende März wurde auch der Jahreshöchstwert bei der Schneehöhe gemessen: stolze drei Zentimeter - und zwar in Lübstorf, Ventschow, Brüel, Bernitt, Oettelin und Ribnitz. "Was Kälte angeht, war 2020 absolut lächerlich", so der Experte.

Vielerorts das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung

Laut Kreibohm gab es auch im Sommer keine außergewöhnlichen Temperaturwerte. Die höchste Temperatur des Jahres 2020 wurde am 8. August in Boizenburg gemessen, 35 Grad Celsius war der Spitzenwert. Der MV-Rekordwert datiert mit 39,3 Grad aus dem Jahr 1992 in Karlshagen auf Usedom. Dennoch wird das Jahr 2020 vielerorts als das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung in die Annalen eingehen, ist sich Kreibohm sicher. "Nach 2018 kann 2020 den Wert sogar noch einmal toppen. Das liegt vor allem am sehr, sehr milden Winter."

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2020 liege die Jahresmitteltemperatur das dritte Jahr in Folge in weiten Teilen Mecklenburg-Vorpommerns bei mindestens 10 Grad Celsius. So verzeichnete Schwerin kurz vor Jahresende eine Mitteltemperatur von 10,9 Grad. "In Anbetracht der zu erwartenden Witterung in den Tagen bis Silvester dürfte sie lediglich noch um etwa 0,2 Grad sinken." In der 130-jährigen Messreihe in der Landeshauptstadt habe es überhaupt nur sieben Jahre mit einer Jahresmitteltemperatur von 10 Grad oder mehr gegeben - allesamt nach 1999. "Da ist schon ein langfristiger Trend zu erkennen", so Kreibohm. Es habe lediglich zwei Phasen gegeben, wo es relativ kühl war: Ende März und im Mai und Juli.

Niederschlagsdefizit der vergangenen Jahre nicht ausgeglichen

Beim Niederschlag gab es 2020 eine relativ ausgeglichene Bilanz. Einem vergleichsweise nassen Winter 2019/2020 folgte ein trockenes Frühjahr. Der Sommer war wiederum relativ feucht und wurde von einem trockenen Herbst abgelöst. Bis Mitte Dezember wies das Jahr ein leichtes Niederschlagsdefizit auf, das in der letzten Dezemberdekade noch etwas abgebaut wurde. Im Landesmittel fehlen am Ende insgesamt rund 60 Liter pro Quadratmeter, also etwa zehn Prozent der jährlichen Durchschnittsmenge. "Wir brauchen aber eigentlich mehr Niederschlag als im Jahresdurchschnitt, denn wir haben noch das Defizit von 2018. Fasst man die vergangenen drei Jahre zusammen, dann fehlen noch rund 220 Liter pro Quadratmeter in Mecklenburg-Vorpommern", bilanziert Kreibohm. Das Jahresmittel in Mecklenburg-Vorpommern liegt zwischen 600 und 700 Litern pro Quadratmeter.

Trockenheit in tiefen Bodenschichten

Dabei regnete es in den einzelnen Landesteilen unterschiedlich stark, was aber nichts Ungewöhnliches ist. Generell bekämen die östlichen Landesteile weniger Niederschlag ab als die westlichen. Das war auch 2020 wieder so. "Zudem ist die Trockenheit in tiefen Bodenschichten immer noch sehr groß, weil wir einfach in den letzten Jahren vor allem im Winter diesen fehlenden Niederschlag hatten." Um dies auszugleichen, seien vor allem Winterniederschläge nötig, denn im Sommer verdunste Regen sehr schnell.

Sonnenreichster Ort war Kap Arkona auf Rügen

Sonnenanbeter kamen im Nordosten auf ihre Kosten. Die Sonne schien in diesem Jahr etwas mehr als im Durchschnitt. "Mit rund 1.840 Stunden liegen wir kurz vor Jahresende bei 115 Prozent." Am längsten schien die Sonne bis zum 22. Dezember am Kap Arkona auf Rügen. Dort wurden bis kurz vor Weihnachten 2.132 Stunden registriert. Bis zum Jahresende könnten noch bis zu 20 Stunden hinzukommen, schätzt Kreibohm.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 27.12.2018 | 12:00 Uhr

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