Stand: 06.09.2018 16:02 Uhr

Werften auf Kurs - Mehr feste Stellen gefordert

Volle Auftragsbücher: Bei den Werften im Nordosten gibt es derzeit viel zu tun. (Archivbild)

Laut einer Umfrage der IG Metall Küste ist die Zahl der Beschäftigten auf den Werften im Norden gestiegen. Die Zahl der Beschäftigten auf den mehr als 50 befragten Werften und Zulieferbetrieben in ganz Norddeutschland ist demnach gegenüber dem Vorjahr um 7,3 Prozent auf 16.900 gestiegen. Am größten ist der Zuwachs in Mecklenburg-Vorpommern. Landesweit sind es 1.137 Mitarbeiter mehr - das ist ein Anstieg von 52 Prozent gegenüber 2017.

MV Werften: Fast 1.000 Beschäftigte mehr als 2017

Den größten Anteil daran haben die MV Werften. Auf den Standorten in Wismar, Rostock und Stralsund arbeiten fast 1.000 Beschäftigten mehr als noch im Vorjahr. Die derzeit rund 2.700 Beschäftigten sollen mittelfristig auf 3.100 aufgestockt werden. Auch die Meyer-Werftengruppe mit der Neptun-Werft in Rostock, auf der Teile der AIDA-Kreuzfahrtschiffe gebaut werden, verzeichnet ein kleines Plus. Dort wurden knapp 100 Arbeitnehmer mehr als im Vorjahr gezählt.

Eine Schiffbauarbeiter in Schutzkleidung.

Schiffbaubranche mit rasantem Wachstum

Nordmagazin -

Die Beschäftigtenzahlen im Schiffbau sind rasant gewachsen. Waren vor zwei Jahren 2.048 Schiffbauer beschäftigt, sind es jetzt 3.307. Die MV Werften haben einen Einstellungsmarathon hinter sich.

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Viele offenen Stellen

Die günstige Entwicklung könnte anhalten, denn sämtliche Werften im Nordosten suchen weitere Mitarbeiter. So gibt es bei den MV Werften derzeit mehr als 100 offene Stellen. Die Meyer-Werftengruppe sucht für alle Standorte in den kommenden Jahren sogar 250 neue Mitarbeiter. Bei der HanseYacht AG in Greifswald gibt es ebenfalls viele offene Stellen.

Gewerkschaft kritisiert: Zu viel Leiharbeit und Werkverträge

Das positive Bild wird jedoch vom vergleichsweise hohen Anteil der Leiharbeit getrübt. Mit einer Quote von 12,1 Prozent liegt diese laut Umfrage viermal so hoch wie im Durchschnitt der gesamten Wirtschaft. Auch der Anteil der Werkvertrags-Beschäftigten - also derjenigen, die für spezielle Aufgaben eingekauft werden - liege viel zu hoch, so die Kritik. Die IG Metall Küste fordert daher mehr feste Stellen. Die Werften verweisen dagegen auf die Marktbedingungen: Schiffbau sei Auftrags- und Projektarbeit. Dabei würden Spitzen entstehen, die gepuffert werden müssten. Nur so könne Schiffbau heutzutage funktionieren.

Kiellegung der "Crystal Endeavor" sorgt für Optimismus (18.08.2018)

Ausbildungsquote sinkt - nur nicht in MV

Ein weiter Kritikpunkt der Gewerkschaft ist die seit Jahren sinkende Ausbildungsquote. Diese ist laut IG-Metall-Bezirksleiter Meinhard Geiken auf den niedrigsten Wert seit mehr als zehn Jahren gefallen. Sie liegt aktuell bei 6,2 Prozent (-0,3 Prozent gegenüber 2017). Der Nordosten steht in diesem Bereich jedoch gegen den Trend. So liegt die Ausbildunsgquote etwa bei den MV Werften bei rund 10 Prozent. Zum Start des neuen Ausbildungsjahres Anfang September nahmen dort 115 Lehrlinge eine Ausbildung auf. Aber auch kleinere Betriebe wie etwa die Schiffswerft in Barth stellen jedes Jahr Azubis ein. Die Übernahmequote im Schiffbau liegt den Angaben zufolge bei 100 Prozent.

Auftragsbücher im Passagier- und Spezialschiffbau voll

In puncto Auftragslage kann sich insbesondere Passagier- und Spezialschiffbau über gut gefüllte Auftragsbücher freuen. Die Meyer-Werftengruppe geht davon aus, dass sie bis 2024 gut zu tun hat. Bei den MV Werften sollen bis zum Jahr 2026 bis zu 23 Kreuzfahrtschiffe, zunächst für die konzerneigenen Kreuzfahrtreedereien, gebaut werden. Der Ende 2016 verabschiedete Fünf-Jahres-Produktionsplan habe einen Auftragswert von rund 3,5 Milliarden Euro. Das soll die Auslastung der Standorte bis über das Jahr 2021 hinaus sichern.

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Unsicher ist die Lage im Marineschiffbau, was die Peene-Werft im vorpommerschen Wolgast betrifft. Dort werden derzeit noch Patrouillenboote für Saudi-Arabien gebaut, bald sollen dort Segmente der neuen Korvetten der Deutschen Marine gefertigt werden. Für den Bau des neuen Mehrzweckkampfschiffes der Bundesmarine gab es jedoch eine Absage.

An der zum 27. Mal durchgeführten Schiffbauumfrage beteiligten sich laut IG Metall Küste Betriebsräte von 39 Werften und 14 Zulieferbetrieben, mit insgesamt mehr als 21.000 Beschäftigten. In der Befragung geht es um Arbeitsbedingungen, Auftragslage und Perspektiven im deutschen Schiffbau.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 06.09.2018 | 16:10 Uhr

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