Stand: 11.07.2019 10:35 Uhr

Weniger Saisonbetriebe in MV wegen bürokratischer Hürden

von Thomas Köhler, NDR 1 Radio MV

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Vor allem das Hotel- und Gaststättengewerbe hatte einen starken Anstieg der Saisonbetriebe befürchtet.

Die Zahl der Saisonbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern liegt in diesem Jahr deutlich unter denen des Vorjahres. Die Gewerkschaft Nahrung, Gaststätten und Genuss (NGG) hatte stark steigende Zahlen befürchtet. Doch bisher gibt es nur sieben Firmen im Nordosten, die einen Antrag als Saisonbetrieb eingereicht haben, sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Waren es 2016 noch rund 46 Betriebe, sank die Zahl im Jahr darauf auf zwölf und im vergangenen Jahr auf nur noch zehn Betriebe.

Eine Köchin steht vor einem dampfenden Topf. © dpa/picture alliance Foto: Jens Büttner

Weniger Saisonbetriebe in MV wegen bürokratischer Hürden

NDR 1 Radio MV - Die Nachrichten -

Die Zahl der Saisonbetriebe im Nordosten ist in diesem Jahr gesunken. Waren es 2016 noch rund 46 Betriebe, sank die Zahl im Jahr darauf auf zwölf und im vergangenen Jahr auf nur noch zehn Betriebe.

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Verlängerte Arbeitszeiten kompensieren Saisonkräftemangel

Zu Beginn des Jahres 2019 hatte das Ministerium eine neue Regelung eingeführt - das Schweizer Modell. Danach können die Arbeitszeiten während der Saison auf bis zu zwölf Stunden verlängert werden. Die Voraussetzungen dafür sind klar definiert: In Frage kommen nur Firmen, die in der Saison mindestens 35 % mehr Umsatz machen als im übrigen Jahr. Und genau das trifft auf viele  Hotels und Gaststätten zu, wenn sie von Juni bis August gut ein Drittel mehr Umsatz machen als in den anderen Monaten, z.B. wenn sie an der Küste oder in anderen touristischen Zentren liegen. Deshalb hatte der Hotel- und Gaststättenverband dieses Modell schon seit Jahren gefordert, um die während der Saison fehlenden Arbeitskräfte kompensieren zu können.

NGG: Arbeitszeiten schon jetzt unattraktiv

Die Gewerkschaft Nahrung, Gaststätten und Genuss befürchtet, dass diese Regelung zu Lasten der Arbeitnehmer geht. Die Gewerkschaft NGG warnte im Zuge dessen, die Branche könne "sich selbst kaputt machen". Jörg Dahms von der NGG erklärte, die Arbeitszeiten seien schon jetzt "total unattraktiv" und die Löhne oft so niedrig, dass sich die Familien nach der Saison nicht mal selbst einen ordentlichen Urlaub leisten könnten.

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Überwiegend Landwirtschaftliche Betriebe nutzen das Schweizer Modell

Von den sieben Firmen, die in diesem Sommer ihre Arbeitskräfte vorübergehend bis zu zwölf Stunden pro Tag beschäftigen dürfen, kommen nur ein in Binz auf Rügen (Landkreis Vorpommern-Rügen) ansässiger Burgergrill und ein Ferienpark in Dobin am Schweriner See (Landkreis Ludwigslust-Parchim) aus der Gastronomie- und Tourismusbranche. Die anderen fünf sind überwiegend Landwirtschaftsbetriebe, die schon in den Jahren zuvor das Gros der Saisonbetriebe ausgemacht hatten.

Wirtschaftsministerium testet den Bedarf

Die neue Regelung gilt indes nur für 2019 und 2020. Laut Wirtschaftsministerium soll damit getestet werden, wie groß der Bedarf im Land ist und wie er sich ändert. In den Regelungen sind allerdings auch hohe Hürden enthalten. So müssen die Antragsteller dem Wirtschaftsministerium auf Wunsch bei Kontrollen  tiefe Einblicke in ihre Kassenführung gewähren. Denn der Antragsteller hat nachzuweisen, dass er während der Saison mindestens 35 % mehr Umsatz macht als in den anderen Zeiten. Das schrecke offenbar viele Interessenten ab, meinte ein Sprecher der NGG.

Etwa 10.000 Saisonarbeitskräfte in Hotel- und Gaststättengewerbe

Laut Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) arbeiten in diesem Sommer rund 10.000 Saisonarbeitskräfte in Mecklenburg-Vorpommern in Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben. Trotzdem könnten nicht alle Restaurants eine hundertprozentige Realisierung ihrer Öffnungszeiten gewährleisten. Die Neuregelungen zum Arbeitszeitgesetz in Bezug auf die Saisonbetriebe erweisen sich bisher trotz langjähriger Forderungen der Dehoga offenbar nicht als wirksamer Beitrag zur Lösung der Probleme.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 11.07.2019 | 06:00 Uhr

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