Stand: 05.12.2018 18:10 Uhr

Wen wählt die Landes-CDU als Merkel-Nachfolger?

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Am Freitag stimmen CDU-Delegierte über den Parteivorsitz ab. (Archivbild)

Diese zwei aus Mecklenburg-Vorpommern haben sich schon klar festgelegt: Der Schweriner Landtagsabgeordnete Sebastian Ehlers will am Freitag beim CDU-Bundesparteitag in Hamburg Jens Spahn zum Nachfolger der scheidenden CDU-Vorsitzenden Angela Merkel wählen. "Weil damit ein echter Generationswechsel eingeleitet wird", meint der 36-jährige Delegierte. Spahn könne die offene Flanke zur AfD am ehesten wieder schließen, erklärt er.

Amthor will für Spahn stimmen

Auch der Greifswalder Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor will den Bundesgesundheitsminister zum CDU-Bundesvorsitzenden wählen. Weil ihn eine politische Freundschaft mit Spahn verbinde, sagt Amthor. Und er wolle damit nichts Schlechtes über die beiden anderen Kandidaten sagen, über Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz. Bei der einen schätze er die versöhnliche und kämpferische Art, beim anderen die wirtschaftliche Kompetenz und die konservative Einstellung.

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Die Mehrheit lässt sich nicht in die Karten schauen

Amthor und Ehlers sind die Ausnahmen: Kurz vor dem Wahl-Parteitag wollen sich die meisten der 14 Delegierten aus dem Nordosten nicht in die Karten gucken lassen. Fast scheint es so, als ob die ungewohnte Kandidaten-Fülle diese Wahl für sie zu einer echten Qual macht. Die meisten, wie Justizministerin Katy Hoffmeister, sagen knapp, sie seien noch unentschlossen. Der Landesvorsitzende Vincent Kokert winkt ab, wenn er nach seinem Favoriten befragt wird. Von ihm gebe es keinen Kommentar.

Wirtschaftsminister Harry Glawe geht ganz auf Tauchstation. Innenminister Lorenz Caffier meint zumindest, er wolle den Parteitag abwarten, er lasse sich auch von den Favoriten-Nennung der Partei-Prominenz nicht beeinflussen. Caffier spielt damit vor allem auf Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) an, der sich öffentlich für Merz ausgesprochen hat.

Kritik an Schäubles Wahlempfehlung

"Nicht gut" findet Schäubles Wahlempfehlung auch der Innenexperte der Landtags-CDU, Marc Reinhardt. Mit solchen Sachen sollte man sich zurückhalten, meint er. Was seine persönliche Wahlentscheidung angeht, da sei er "noch offen". Reinhardt will die Kandidatenvorstellung auf dem Parteitag abwarten. Sauer auf Schäubles Vorpreschen in der Kandidaten-Frage ist auch der Schweriner CDU-Bundestagsabgeordnete Dietrich Monstadt. "Völlig unangemessen" sei das, weil es auf eine Beeinflussung der Delegierten abziele. Immerhin gehe es um eine geheime Wahl. Monstadt sagt, er sei noch nicht entschieden und wolle den Parteitag auf sich "wirken lassen". Intern gilt er ebenfalls als ein Unterstützer von Spahn.

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Mehrere Delegierte aus Vorpommern halten sich bedeckt

Den will der Greifswalder Delegierte Jörg Hochheim dagegen eher nicht wählen. Er schwanke zwischen "AKK" und Merz, sagt der Chef der Kommunalabteilung im Schweriner Innenministerium. Wichtig sei für ihn, dass die CDU wieder die Partei der inneren Sicherheit und des Rechtsstaats werde. Der oder die Neue an der Spitze müsse integrieren, dürfe nicht spalten und sollte kommunalpolitisch Erfahrung mitbringen. Die dürfte auch für Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow nicht unwichtig sein. Aber auch Badrow macht dicht. Er wisse noch nicht, wen er in Hamburg wähle. Er wolle sich dazu auch noch bei der Basis umhören. Wie Badrow ist auch die Delegierte Arite Hacker aus Vorpommern unentschlossen. "Ich weiß noch nicht, wen ich wähle", sagt sie.

Merkel gibt CDU-Vorsitz nach 18 Jahren ab

1990: Im Dezember wird Merkel mit der ersten gesamtdeutschen Wahl direkt gewählte CDU-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Stralsund. 

1991: Merkel wird Bundesministerin für Frauen und Jugend, später stellvertretende Vorsitzende der CDU.

1994: Merkel wird Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

1998: Der neue CDU-Chef Wolfgang Schäuble macht sie zur Generalsekretärin

2000: Nach Schäubles Rücktritt im Zuge der Spendenaffäre wird Merkel zur Parteichefin gewählt

2002: Nach der verlorenen Bundestagswahl mit Unionsspitzenkandidat Edmund Stoiber (CSU) sichert Merkel sich den Fraktionsvorsitz der Unionsfraktion im Bundestag

2005: Die Union gewinnt mit Merkel als Kanzlerkandidatin die Bundestagswahl; Merkel wird Bundeskanzlerin einer Großen Koalition

2009: Merkel wird zum zweiten Mal vom Bundestag zur Kanzlerin gewählt.

2012: Bei ihrer sechsten Wiederwahl zur CDU-Chefin erreicht Merkel mit 97,94 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis.

2017: Merkel führt ihre Partei zum vierten Mal zu einem Wahlsieg und steht damit vor ihrer vierten Amtszeit als Bundeskanzlerin. Allerdings verliert die Union deutlich. 

2018: Union und SPD schließen ihre Koalitionsverhandlungen ab. Anfang März macht die SPD-Basis in einem Mitgliedervotum den Weg für eine Neuauflage der Großen Koalition frei. Merkel wird zum vierten Mal zur Kanzlerin gewählt. Bei den Landtagswahlen in Bayern und zwei Wochen später in Hessen verliert die CDU dramatisch. Merkel, die bislang immer betont hatte, Parteivorsitz und Kanzleramt müssten in einer Hand liegen, will sich beim CDU-Parteitag Anfang Dezember in Hamburg nicht zur Wiederwahl stellen.

Mehrere weibliche Delegierte tendieren zu Kramp-Karrenbauer

Dagegen zählt die Vize-Landesvorsitzende Martina Liedtke zu den wenigen, die sich schon festgelegt haben. Sie will für Kramp-Karrenbauer stimmen. Denn sie biete die Gewähr, dass die Partei wieder mehr Mitsprache bekomme und dass Ostdeutschland stärker gehört werde. In dieser Frage habe sie von den beiden Männern noch nichts gehört, meint Liedtke. Auch Renate Holznagel - ehemalige Vizepräsidentin des Landtags - ist "im Herzen" für "AKK". Noch aber sei sie nicht "100prozentig entschieden".

Wen wählt Merkel?

Von einer anderen Delegierten aus Mecklenburg-Vorpommern ist dagegen stark anzunehmen, dass sie definitiv ihr Kreuz bei Kramp-Karrenbauer machen wird: Angela Merkel ist formal "Abgesandte" ihres Heimatverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Sie gilt als Förderin ihrer Generalsekretärin und dürfte sie als ihre selbstverständliche Nachfolgerin sehen. Anders als Schäuble hat Merkel sich öffentlich nicht geäußert.

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Merkel räumt nach 18 Jahren den Chefposten

Fest steht aber, dass Merkel am Freitag nach 18 Jahren den Chefsessel in der CDU-Zentrale räumt. Für die kleine Union im Nordosten bedeutet das einen Verlust an Einfluss. Die Partei mit ihren 14 von 1.001 Delegierten wird auf Normalmaß gestutzt. Dabei sind sie auf den direkten Zugang zu Merkel immer stolz gewesen in der Partei, in Vorpommern hat sie ihren Wahlkreis, mit den Verhältnissen zwischen Anklam und Zarrentin ist sie besonders vertraut.

Merkel bleibt zwar noch Kanzlerin, aber in der Union wissen sie: Ohne Merkel im Partei- und dann auch irgendwann im Regierungsamt wird es schwer, im bundesweiten Konzert gehört zu werden. Der nächste politische Aschermittwoch der CDU im vorpommerschen Demmin findet möglicherweise schon ohne Merkel statt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 05.12.2018 | 18:10 Uhr

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