Stand: 24.05.2019 09:23 Uhr

Weiterhin Probleme mit Datenschutzverordnung

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Die DSGVO werde noch nicht überall umgesetzt, so der Datenschutzbeauftragte Müller.

In Mecklenburg-Vorpommern haben kleine Betriebe und Vereine offenbar weiter Schwierigkeiten bei der Umsetzung der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Ein Jahr nach Inkrafttreten gebe es weiter großen Beratungsbedarf, sagte der Landesdatenschutzbeauftragte, Heinz Müller.

Verbände sehen Verordnung als Daueraufgabe

Sein Eindruck sei, dass die Datenschutzgrundverordnung bei kleineren Unternehmen und Vereinen bei weitem nicht umgesetzt sei, so Müller - obwohl es zahlreiche Info-Veranstaltungen gab. So hat etwa allein die Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern 92 Mal Handwerksbetriebe beraten. Auch der Landessportbund, der rund 1.900 Sportvereine in Mecklenburg-Vorpommern betreut, sieht den Datenschutz als eine Aufgabe, welche die Vereine auf Dauer beschäftigen wird.

Differenzierung nach Datenmenge gefordert

Die Handwerkskammer Schwerin verzeichnet nach eigenen Angaben aktuell kaum noch Nachfragen seitens der Betriebe, führt aber weiterhin regelmäßig Schulungen im eigenen Bildungszentrum dazu durch. Die Kammer fordert, dass Handwerksbetriebe, die weder große Mengen noch hochsensible Daten verarbeiten, vom Gesetz anders behandelt werden als intensive Datenverarbeiter wie Telekommunikationsanbieter.

IHK Rostock: Kleine und mittlere Firmen besonders belastet

Insbesondere wegen der zahlreichen schriftlichen Informationspflichten gebe es weiter viel Unmut und Bedarf an Beratungsgesprächen, heißt es von der Industrie- und Handelskammer Rostock. "Nach unserer Einschätzung sind gerade kleine und mittelständische Unternehmen besonders von der DSGVO belastet", so Hauptgeschäftsführer Jens Rademacher. Grund dafür sei, dass diesen Firmen häufig die personellen, finanziellen und zeitlichen Ressourcen fehlten, um sich so intensiv mit dem Thema zu befassen, wie es die DSGVO verlange.

Entlastung bei Dokumentationspflicht gefordert

Die IHK Neubrandenburg sieht als größtes Problem, dass es kaum Rechtssicherheit gebe. Niemand könne sagen, welche Umsetzung juristisch einwandfrei sei. Die Forderung der Verbände: Vor allem Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern sollten von der Dokumentationspflicht entlastet werden.

Abmahnwelle ist ausgeblieben

Im kommenden Jahr will die EU die Auswirkungen der Datenschutzgrundverordnung genauer untersuchen. In ganz Europa sind seit Inkrafttreten der Verordnung rund 150.000 Beschwerden über Verstöße eingegangen. Die befürchtete Abmahnwelle sei aber ausgeblieben. Die EU wertet die Datenschutzgrundverordnung daher auch als Erfolg. Die neuen Regeln hätten das Bewusstsein der meisten Menschen für den Schutz privater Daten geschärft, hieß es.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 24.05.2019 | 07:00 Uhr

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