Stand: 28.01.2019 16:41 Uhr

Weiterbildung: Pfleger aus Vietnam erfolgreich

Pflegepersonal zu finden - das ist eine der großen Herausforderungen, vor denen Krankenhäuser in den nächsten Jahren stehen werden. Spätestens ab dem Jahr 2020, wenn die geburtenschwachen Jahrgänge ins Rentenalter kommen, wird das Problem akut. Das Rostocker Universitätsklinikum hat sich darum im August vergangenen Jahres Hilfe aus Vietnam geholt.

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Demografie und Kultur bestimmen den Arbeitsmarkt: In Vietnam herrscht ein Überschuss, in Deutschland ein Mangel an Krankenpflegern.

Vietnam liegt nicht gerade um die Ecke. Warum also geht die Rostocker Universitätsklinik derart weite Wege? Ein zentraler Grund ist, dass es in Vietnam mehr Krankenpfleger gibt, als überhaupt benötigt werden. Die Bevölkerung in dem südostasiatischen Land ist zum einen sehr jung. Zum anderen ist es in Asien generell üblich, dass die Familien die Grundversorgung von Alten und Kranken selbst übernehmen - vom Bettenaufschütteln über das Waschen bis hin zur Essensversorgung, erklärt Anett Laban, Pflegevorstand im Rostocker Klinikum. Für vietnamesische Krankenpfleger ist es daher nicht einfach, einen Arbeitsplatz im eigenen Land zu finden.

Integration erforderlich - fachlich, sprachlich und kulturell

Die 20 jungen Männer und Frauen, die vor einem halben Jahr nach Rostock gekommen sind, haben vorher schon in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi ein Jahr lang Deutschunterricht bekommen und werden in Rostock drei Jahre lang weitergebildet - und das nicht nur sprachlich. Auch die Krankenpfleger-Ausbildung in beiden Ländern unterscheidet sich, was eine fachliche Weiterbildung nötig macht. Darüber hinaus gibt es aus kultureller Sicht vieles, was zwischen den hiesigen Krankenhausmitarbeitern und den Neulingen aus Vietnam einer Vermittlung bedarf. Beispielsweise ist es in Vietnam nicht üblich, einer Respektsperson in die Augen zu sehen oder sogar Konflikte öffentlich auszutragen.

Alle Bewerber haben die Probezeit bestanden

Dieser Integrationprozess ist eine echte Herausforderung für die Männer und Frauen, die sie bisher erfolgreich meistern: Die 20 jungen Pflegekräfte hatten zwar Schwierigkeiten, wenn beispielsweise ältere Leute mit ihnen Plattdeutsch sprechen wollten, aber sie haben allesamt ihre Probezeit geschafft und mit guten bis sehr guten Noten abgeschlossen. Im Anschluss an die Arbeit auf der Station, auf der die Vietnamesen seit August ihre ersten Erfahrungen gemacht haben, sollen sie im Rotationsprinzinp auch alle anderen Bereiche des Krankenhauses kennenlernen. Schon im September sollen die nächsten 25 Pflegekräfte aus Vietnam an das Rostocker Universitätsklinikum kommen.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 28.01.2019 | 18:10 Uhr

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