Stand: 18.08.2019 11:32 Uhr

Weißstörche in MV: Viele Nester bleiben leer

Jedes Jahr im Spätsommer - meist Mitte August - brechen die älteren Weißstörche in ihre südlichen Winterquartiere auf. Mecklenburg-Vorpommern war einst ein Mekka für "Meister Adebar". Doch die Zeiten haben sich geändert. 2018 wurden im Nordosten nur noch 659 besetzte Nester gezählt, wie die Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz des Naturschutzbundes kürzlich mitteilte. 2004 waren es dagegen noch 1.142. Storchenbeobachter befürchten, dass die Zahl der Brutpaare in diesem Jahr weiter abgenommen haben könnte. Genaue Zahlen liegen im Herbst vor.

Meister Adebar hat Nachwuchssorgen

Lübtheener Paar: Nur ein Storchenjunges

Der Schwund ist auch in der Region Ludwigslust spürbar. Dort ist der pensionierte Apotheker Helmut Eggers ehrenamtlicher Storchenbetreuer. Laut Eggers haben in der Region in diesem Jahr 83 Paare gebrütet. 2004 seien es noch 31 Paare mehr gewesen. Eggers steht im Stadtzentrum von Lübtheen. Hinter einem Einfamilienhaus steht ein Storchennest auf einem alten Mast. Ein Jungtier sitzt im Horst, der Vater auf dem Dach: "Das ist unser Lübtheener Senderstorch, der mit einem GPS-Sender ausgestattet wurde. Wir können jeden Tag verfolgen, wo er seine Nahrung sucht, wie oft er zum Nest fliegt", sagt Eggers. Diese Storchenfamilie hat nur ein Junges großgezogen, dabei wären zwei bis drei normal, so der Storchenbetreuer.

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Monokultur und Trockenheit schaden Störchen

Die Gründe liegen auf der Hand: "Es wird immer mehr Monokultur betrieben. Uns fehlt das Grünland, genauer gesagt das artenreiche mit Wasser bestückte Grünland, was dem Storch ein ausreichendes Nahrungsspektrum bietet, um die Jungen großzuziehen." Der Lebensraum ist das eine, die Trockenheit der vergangenen zwei Jahre das andere Problem.

Mäuse sind da, Regenwürmer knapp

Eggers veranschaulicht das anhand der Nahrung. In diesem Jahr habe es sehr viele Mäuse gegeben. "Aber wenn die Jungen klein sind, können sie noch keine Mäuse fressen. Sie brauchen Regenwürmer." Doch das Angebot an Würmern sei wegen der relativen Trockenheit in diesem Jahr knapp. "Das kann dazu führen, dass Junge auch rausgeschmissen werden oder nicht ernährt werden können", so der Experte.

146 Jungstörche in der Region Ludwigslust

Dieser Anblick war für Naturschützer im Nordosten in diesem Jahr nicht alltäglich: Viele Storchennester sind leer geblieben. (Archivbild)

Immerhin: Die 83 Brutpaare im Raum Ludwigslust haben in diesem Jahr 146 Junge großgezogen. Doch laut Eggers überleben nur wenige Jungstörche ihr erstes Jahr. Viele sterben auf dem Weg ins Winterquartier. Sie sind ungeübte Flieger, sterben infolge eines Stromschlags, werden mutwillig abgeschossen oder gegessen, unter anderem in Tansania: "Daraufhin haben wir zusammen mit dem Nabu eine Aktion gestartet, dass in Tansania mehr für den Storch getan wird." Erste Workshops habe es bereits gegeben.

Forderungen ans Agrarministerium gestellt

Das gelte auch für Mecklenburg-Vorpommern. Eggers und die anderen Storchenbetreuer haben einen Forderungskatalog an das Landwirtschaftsministerium geschickt. Ihr Ziel: Dass sich wieder mehr Störche ansiedeln. Inhaltlich geht es um den Erhalt von artenreichem Grünland, die Sicherung wasserführender Elementen in der Landschaft - und Blühstreifen. "Das, was wir für den Storch tun, tun wir auch für andere Arten", sagt Eggers. Er hofft, dass diese Forderungen umgesetzt werden und wünscht sich, das Mecklenburg-Vorpommern wieder storchenreichstes Bundesland wird - und nicht Schlusslicht bleibt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 18.08.2019 | 13:00 Uhr

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