Der Biologe Wolgang Wranik auf der Suche nach den Gelegen einer eingewanderten Schneckenart. Wranik steht im knöcheltiefen Wasser und taucht einen Kescher in die See  Foto: Jürgen Drewes

Weiße Kugeln vor Poel stammen von eingewanderter Wasserschnecke

Stand: 21.09.2021 10:45 Uhr

Eine aus Amerika stammende Wasserschneckenart sorgt mit ihrem Nachwuchs derzeit in weiten Teilen der Ostseeküste für Aufmerksamkeit. Offenbar wurde die nordamerikanische Kopfschildschnecke über Ballastwasser der Hochseeschiffe eingeschleppt.

Mit einem kleinen Kescher ausgerüstet streift Wolgang Wranik durch das Flachwasser der Ostsee, um einige der nur rund einen Zentimeter großen, weißen Kugeln einzufangen. Das hat er vor fünf Jahren zum ersten Mal gemacht. Da war er zufällig beim Schnorcheln auf das bis dato auch ihm unbekannte Etwas gestoßen. Mit Hilfe eines Mikroskops hat der Biologe genauer hingeschaut. "Und dann konnte man sehen, dass sich in diesen kleinen weißen Bällen, wir sagen dazu Seligerlarven, entwickeln. Und die gehören zu den Weichtieren."

Phänomen ließ Forscher rätseln

Doch niemand in der Runde um den promovierten Biologen vermochte zu sagen, wem dieser Nachwuchs gehört. Zu sehen war im Wasser nichts. Deshalb wurde knapp unter der Oberfläche, im Sediment, weiter gesucht. "Und dann haben wir die Schnecke gefunden. Ein ganz dünnes Gehäuse, blasenartig. Und durch einen Kollegen in Norwegen haben wir dann eine DNA-Analyse gemacht. Und dann stellte sich heraus: Das ist ein Tier von der Küste Nordamerikas." Eine sogenannte Kopfschildschnecke haben die Forscher da gefunden. Das Tier ist vermutlich mit dem Ballastwasser von Hochseeschiffen zu uns gelangt. Seitdem vermehrt es sich massenhaft, wie derzeit an der Ostseeküste zu beobachten ist.

Keine Gefahr für die Badegäste

"In jedem dieser Eigelege können bis zu Zweitausend Larven drin sein. Und nach 14 Tagen brechen sie aus diesem Ball aus und gehen ins freie Wasser", sagt Wranik. Einige Badegäste fürchten sich vor den unbekannten weißen Kugeln. Sie haben Angst vor dem Kontakt mit den rätselhaften Bällchen, fürchten gesundheitliche Folgen. Biologe Wranik beruhigt: "Da muss man sagen, da kann man für diese Art erst einmal Entwarnung geben." Ulrike Heyen freut sich sogar über den Neuankömmling. Sie betreibt am Strand von Gollwitz auf der Insel Poel einen Imbiss und registriert viele Schaulustige, die gerade der Schnecken wegen kommen. "Es freut mich, wenn noch mal was Besonderes, gerade hier in Gollwitz dazu kommt. Hier ist es, wie am Ende der Welt. Das ist echt wunderwunderschön. Natur pur. Ich freu mich."

Fremde Schneckenart breitet sich weiter aus

Wranik will die Bestandsentwicklung weiter verfolgen. War die Schnecke anfangs lediglich im Bereich zwischen Wismar und dem Salzhaff unterwegs, so breitet sie sich inzwischen immer weiter aus. "Wir haben inzwischen Nachweise bis Flensburg hoch. Und es gibt auch Meldungen aus Dänemark. Das heißt, in diesem westlichen Teil der Ostsee ist die Art inzwischen stabil vorhanden." Noch vermutlich bis Mitte Oktober ist das Naturschauspiel mit den vielen Tausend Eigelegen im Uferbereich zu beobachten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 21.09.2021 | 12:00 Uhr

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