Wald aus der Luft © Screenshot

Waldbesitzer aus MV kritisieren Förderprogramm des Bundes

Stand: 29.05.2021 16:46 Uhr

Die Bundesregierung hat ein 500-Millionen-Euro-Programm aufgelegt, um Waldbesitzer zu unterstützen. Das Problem aus Sicht vieler Forsteigentümer in MV: Wer etwas von dem Geld haben will, muss dafür erst dem Wald Schaden zufügen.

Insgesamt 700 Millionen Euro Fördermittel sind es, die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) für deutsche Wälder in diesem Jahr bereitstellt, 500 Millionen davon können die Waldbesitzer direkt abrufen. Allerdings kommt das Geld nicht nachhaltiger Forstwirtschaft zugute, sondern Klöckner hat es untergebracht im Corona-Hilfspaket des Bundes. Das ist aus der Sicht vieler Waldbesitzer und Umweltschützer ein Problem: Denn auch wenn der Wald viele Schäden hat, etwa unter dem Einfluss von Trockenheit und Borkenkäfern leidet - ein Problem mit Corona hat er nicht. So komme es dazu, dass die Auszahlung von Fördermitteln an kaum nachvollziehbare Kriterien gebunden seien.

Zertifizierungssystem mit Schwächen

"Es gibt konkrete Schäden, die in den letzten Jahren durch Wetterbedingungen entstanden sind. Die sind Corona-unabhängig", sagte WWF-Sprecherin Susanne Winter dem Nordmagazin. Doch um an die Fördermittel zu gelangen, seien eventuelle Schäden irrelevant: Alles, was Forstbesitzer vorweisen müssten, sei eine Zertifizierung mit dem sogenannten PEFC-Siegel. Aber genau dieses habe eine "deutliche Schwäche", da es ressourcenschonendes Wirtschaften zu wenig berücksichtige.

Naturnahes Wirtschaften wird nicht unterstützt

"Wir hatten gehofft, dass mit der Förderung auch Betriebe unterstützt werden, die vorbildlich arbeiten", sagt Holger Weinauge von der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern. Die Vereinigung vertritt private Waldbesitzer, die naturnah wirtschaften. Diese hätten viel mehr Geld für ihren Wald ausgegeben, "etwa indem sie Kleintechnik eingesetzt haben oder Pferde." Würden sie etwas von den Fördermitteln haben, müssten sie ihre Ideale aufgeben.

Kritiker: Wer ein Zertifikat will, riskiert das Austrocknen seines Waldes

Das größte Problem nach Ansicht der Forstwirtschaftlichen Vereinigung ist, dass für die Zertifizierung das Anlegen sogenannter Gassen notwendig ist; also von Wegen zur Bewirtschaftung, etwa für Baumfällarbeiten. Auseinanderliegen müssten die Gassen nur 20 Meter - und das gefährde den Wasserkreislauf. "Der Wassertransport ist dann komplett unterbrochen. So kann kein Waldinnenklima mehr funktionieren", sagt Holger Weinauge. Klimaförderliche Waldbewirtschaftung wäre unter diesen Umständen nicht möglich.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Mittagsschau kompakt | 01.05.2021 | 13:00 Uhr

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