Stand: 02.07.2019 22:56 Uhr

Waldbrand bei Lübtheen: Kampf den Flammen

"Wir gehen nun von der Verteidigung auf Angriff über." Mit dieser Ansage hat der Landrat des Kreises Ludwigskust-Parchim und Chef des Einsatzstabes, Stefan Sternberg (SPD), am Dienstagabend die Marschrichtung im Kampf gegen den Waldbrand bei Lübtheen vorgegeben, dem größten Waldbrand in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns seit Kriegsende. Die Einsatzkräfte verhinderten erfolgreich, dass die Flammen auf umliegende Ortschaften übergreifen. Nun gehen sie mithilfe von Räumpanzern den Flächenbrand selbst an.

Mehr als 3.000 Einsatzkräfte bekämpfen Waldbrand

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Ministerpräsidentin Manuela Schwesig bedankt sich bei den Einsatzkräften für ihren unermüdlichen Kampf gegen das Feuer.

In dem munitionsbelasteten Waldgebiet habe sich das Feuer inzwischen auf rund 850 Hektar ausgeweitet. Auf weiteren 350 Hektar sei die Vegetation abgebrannt, hieß es auf einer Pressekonferenz. Vor Ort sind mehr als 3.000 Einsatzkräfte, um das Feuer im Vier-Schicht-System rund um die Uhr zu bekämpfen. Auch aus den angrenzenden Bundesländern kommen Helfer: So sind rund 100 Feuerwehrleute aus Schleswig-Holstein sowie 110 Kräfte aus Niedersachsen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz im Einsatz.

Räumpanzer und Wasserwerfer sind im Einsatz

Das Gebiet ist so stark mit Munition belastet, dass die Löscharbeiten erheblich erschwert werden: Die Feuerwehr musste 1.000 Meter Abstand halten, auch in der Luft. Deshalb rückte die Bundeswehr mit schwerer Technik an, um sichere Wege in das Brandgebiet zu öffnen. Wegen der Hitze kommt es dort zu Detonationen alter Munition. Am Dienstag waren erstmals auch Wasserwerfer der Polizei im Einsatz. Sie sollen nach Angaben Sternbergs am Mittwoch mit in die als weniger belastet eingestuften Regionen vordringen und das Feuer auch von innen bekämpfen.

Die Dauerbewässerung hat jedoch Folgen: An einigen Stellen kann inzwischen kein Wasser mehr gefördert werden. "Die ersten Brunnen steigen aus", sagte Landrat Sternberg. Deshalb sei ein Fluss aufgestaut worden. Zudem solle auch Wasser aus umliegenden Seen und der Elbe herangeholt werden. Laut Umweltminister Till Backhaus (SPD) liegen auf dem Gelände nicht nur Munition und Granaten von Manövern, sondern auch große Mengen an Sprengmitteln aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges.

Ministerpräsidentin Schwesig fordert Plan vom Bund

Am Dienstagabend kam Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) nach Lübtheen. Sie hatte ihren Urlaub unterbrochen und machte sich vor Ort ein Bild von der Lage. Angereist war sie per Hubschrauber mit Piloten, die bereits am Montag im Löscheinsatz waren. Schwesig forderte wie zuvor schon Innenminister Lorenz Caffier (CDU) Verbesserungen beim Brandschutz auf munitionsbelasteten Flächen: "Es muss uns zusammen mit dem Bund etwas einfallen, dass wir im nächsten Jahr nicht wieder in einer solchen Situation sind. Wir brauchen jetzt Klarheit in Deutschland, wie gehen wir mit solchen Gebieten um."

Sie dankte den Feuerwehren, der Bundespolizei und der Bundeswehr aus Mecklenburg-Vorpommern und dem gesamten Bundesgebiet für ihren Einsatz bei Tag und bei Nacht: "Ich hoffe, dass es uns jetzt gelingt, das Feuer stärker in den Griff zu bekommen und bin froh, dass die Bewohnerinnen und Bewohner so besonnen reagieren."

Vierte Ortschaft evakuiert

In der Nacht zum Dienstag war eine weitere Ortschaft evakuiert worden. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hatte am Montagabend die Räumung von Volzrade angeordnet. Betroffen sind 117 Menschen. Seit Sonntagabend waren bereits drei Orte - Alt Jabel, Jessenitz-Werk und Trebs - evakuiert worden. Insgesamt mussten etwa 650 Menschen ihre Häuser verlassen. Für Anwohner wurde ein Bürgertelefon unter der Nummer 038855-78744 eingerichtet. Wann die Menschen in ihr Zuhause zurückkehren können, könne frühestens am Mittwoch entschieden werden, sagte Sternberg am Dienstagabend: "Im Moment ist es noch brandgefährlich."

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Die Bürger der umliegenden Ortschaften wurden gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Vor allem Asthmatiker und Allergiker sollten sich unbedingt in geschlossenen Räumen aufhalten, betonte Michael Barczok, Lungenfacharzt und Sprecher des Bundesverbandes der Pneumologen, im Interview mit NDR Info. "Wir haben das zusätzliche Problem, dass wir mitten in der Pollenzeit sind. Und die Kombination von Pollen mit Luftschadstoffen führt dazu, dass die Pollen aggressiver werden."

Verdacht auf Brandstiftung erhärtet sich

Das Feuer, das an mehreren Stellen ausgebrochen war, ist mit großer Wahrscheinlichkeit gelegt worden. Das sagte Landrat Sternberg am Dienstag. Die Kriminalpolizei habe die Ermittlungen zwar noch nicht abgeschlossen, doch habe sich der Verdacht auf Brandstiftung massiv erhärtet. Bei einem Überflug kurz nach Ausbruch des Großbrandes am Sonntag seien eindeutig drei Brandstellen entlang eines Waldweges auszumachen gewesen, berichtete der Landrat. Bereits am Montag hatte die Polizei einen Zeugenaufruf gestartet, die Befragungen laufen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 02.07.2019 | 05:00 Uhr

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