Stand: 29.11.2019 05:02 Uhr

Wald vor Wild: Jäger schießen gegen Backhaus' Pläne

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Die Vertretung der rund 10.000 Jäger in MV fühlt sich offenbar überrumpelt. (Archivbild)

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) droht Ärger mit dem einflussreichen Landesjagdverband (LJV). Die Vertretung der rund 10.000 Jäger im Land trägt die Pläne des Ministers für eine deutliche Ausweitung von Jagdzeiten in Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr mit. Das Jagdverband fühlt sich offenbar überrumpelt und hat seine gerade erst erteilte Zustimmung widerrufen.

Backhaus will mehr Wild schießen lassen

Der Hintergrund: Backhaus will nach kontroversen Debatten der vergangenen Monate künftig mehr Hirsche und Rehe schießen lassen. Er und seine Experten begründen das mit dem Waldschutz. Denn die Tiere würden nachwachsende Bäume kahl fressen und bei älteren Bäumen die Rinde abnagen. Zusätzlich zu den Belastungen durch den Klimawandel und die Trockenheit sei das weiterer Stress für die Forsten. Dem müsse begegnet werden. Am vergangenen Freitag verkündete der Sozialdemokrat nach einem Spitzengespräch mit Umwelt-, Forst- und Waldbesitzerverbänden eine Einigung.

Positionspapier sollte "Meilenstein" markieren

Schonzeiten für das Wild sollen laut dem "Positionspapier" eingeschränkt werden. Das gilt vor allem für den Rehbock. Er kann künftig zwischen dem 16. April und 31. Januar bejagt werden - vier Monate länger als bisher. Es können deutlich mehr junge Tiere als in den Abschussplänen festgelegt geschossen werden. Außerdem wird das Verbot von Drück- und Treibjagden aufgehoben. Backhaus hatte die Einigung mit den mehr als 30 Teilnehmern als "Meilenstein" bezeichnet, das verabschiedete Positionspapier werde deutschlandweit für Aufsehen sorgen.

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"Entsetzter Aufschrei" unter den Jägern

Dieses Aufsehen gibt es zunächst offenbar nur in der Jägerschaft. Es gab im Anschluss an die Backhaus-Ankündigungen intern heftige Debatten im LJV. Nach den Worten des Kreisverbandsvorsitzenden aus Ludwigslust-Parchim, Andreas Gehrke, erfolgte ein "entsetzter Aufschrei". Ein anderes führendes Mitglied erklärte, "die Leute sind regelrecht aufgebracht". Nils Kempcke, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Güstrow, meinte, "das geht gar nicht".

Jäger fürchten um Tierschutz

Viele Jäger sehen durch die Backhaus-Vorschläge den Tierschutz gefährdet, wenn künftig "quasi unbegrenzt" und über die Abschusspläne hinaus beispielsweise auch Wild bis zum zweiten Lebensjahr geschossen werden kann. Es werde dann viel gejagt, das Wild komme vor allem im Winter nicht zur Ruhe und benötige noch mehr Nahrung. Am Ende werde der Wald weiter geschädigt. Die beiden Vertreter des Landesjagdverbandes, die Vizepräsidenten Wilfried Röpert und Reinhard Hube, zogen ihre Zustimmung zurück. Das hat Hube im Gespräch mit NDR 1 Radio MV bestätigt. Das Ministerium habe den Schritt aber nicht akzeptiert.

Verbandsspitze beruft Krisensitzung ein

Die Spitze des Jagdverbandes kam am Donnerstagabend in Damm bei Parchim zu einer Krisensitzung zusammen. Mit dabei waren auch die Kreisvorsitzenden. Der Verband wollte dabei eine gemeinsame Position formulieren. Die Zeit drängt: Vermutlich schon im Januar will Backhaus das neue Jagdgesetz über die Koalitionsfraktionen SPD und CDU in den Landtag einbringen lassen, um es dann noch im März verabschieden zu lassen. Die neuen Regelungen soll dann zum 1. April gelten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 28.11.2019 | 11:00 Uhr

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