Stand: 17.01.2019 21:00 Uhr

Wahlumfrage der "Ostsee-Zeitung": SPD stürzt ab

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Kurz vor ihrer Halbzeitbilanz rutscht die rot-schwarze Koalition in der Gunst der Wähler ab und verliert nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag der in Rostock erscheinenden "Ostsee-Zeitung" ihre Mehrheit. SPD und CDU erreichen danach jeweils 22 Prozent. Wenn am nächsten Sonntag Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern wäre, würden es für die Koalitionsparteien, die seit 2006 gemeinsam regieren, demnach sehr wahrscheinlich nicht mehr für eine Neuauflage ihres Bündnisses reichen.

SPD muss um Spitzenplatz bangen

Das wäre dann eine Folge der aktuellen Schwäche der Sozialdemokraten. Die SPD ist bei dem Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Union klarer Verlierer und muss um den Spitzenplatz, den sie seit 1998 ununterbrochen inne hat, fürchten. Im Vergleich zur Landtagswahl 2016 büßt die SPD unter ihrer Vorsitzenden, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, mehr als acht Punkte ein. Gut vier Monate vor der Kommunal- und Europawahl dürfte das Tief die Alarmglocken in der Schweriner Parteizentrale läuten lassen. Denn offenbar hat die massive Politwerbung für das Projekt "kostenfreie Kita" nicht den gewünschten Erfolg beim Wähler gebracht.

CDU legt leicht zu

Die CDU legt nach ihrem desaströsen 19-Prozent-Ergebnis bei der vergangenen Landtagswahl dagegen laut Umfrage leicht zu. Landespartei- und Fraktionschef Vincent Kokert wird das wahrscheinlich mit Genugtuung sehen, der Trend für seine Union geht nach oben. Der gemeinsame Stimmenanteil von SPD und CDU liegt dennoch nur bei 44 Prozent - auf den gleichen Wert kommen die drei anderen Parteien, die laut Befragung ebenfalls im Landtag vertreten sind.

Auch die AfD verliert an Zustimmung

Dabei sieht die "Ostsee-Zeitung"-Umfrage den Höhenflug der AfD im Land vorerst gestoppt, die AfD verliert - anders als in anderen ostdeutschen Landesverbänden - sogar an Zustimmung und erreicht 18 Prozent, knapp drei Punkte weniger als bei der Wahl 2016, sie wäre aber weiter drittstärkste Fraktion im Landtag. Allerdings erfolgte die Befragung noch vor der Entscheidung des Bundesamts für Verfassungsschutz, die AfD zum Prüffall zu machen.

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Umfrage: Schwesig verliert leicht an Zuspruch

17.01.2019 19:30 Uhr
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In einer Forsa-Umfrage zeigten sich 50 Prozent der Befragten mit der Arbeit von Ministerpräsidentin Schwesig zufrieden. Würde der Landtag neu gewählt, lägen SPD und CDU gleichauf. Video (05:03 min)

Grüne profitieren vom Bundestrend

In der Wählergunst folgt die Linkspartei, die auf 16 Prozent kommt und damit fast drei Punkte über ihrem Ergebnis vom September 2016 liegt. Die Grünen profitieren vom bundesweiten Höhenflug ihrer Partei: In Mecklenburg-Vorpommern würden sie mit 10 Prozent in den Landtag einziehen, das liegt über dem Resultat ihres Wahlerfolges von 2011, damals erreichten sie beim ersten Einzug in den Landtag 8,7 Prozent. Die FDP verpasst laut neuester Forsa-Umfrage mit 4 Prozent erneut den Sprung ins Landesparlament, die anderen Parteien sieht die Umfrage bei zusammen immerhin 8 Prozent.

Regierungsbildung zukünftig in Dreier-Konstellationen?

Laut Umfrage könnte künftig eine Regierungsbildung in Schwerin schwieriger werden und nur noch in einer Dreier-Koalition möglich sein. Neben einem rot-schwarz-grünen Bündnis böte sich aber auch rot-rot-grün an. Die SPD könnte in einer Koalition mit Linken und Grünen dann weiter die Ministerpräsidentin oder den Ministerpräsidenten stellen, auch wenn sie hinter die CDU zurückfällt. Die Union dagegen hat diese Option (bisher) noch nicht.

Bundestagswahl: SPD rutscht auf Platz 5

Bei einer Bundestagswahl ergibt sich in der Sonntagsfrage ein anderes Bild: Die CDU wäre in Mecklenburg-Vorpommern mit 32 Prozent weiter klar vorn, gefolgt von der AfD mit 20 und der Linken mit 16 Prozent. SPD und Grüne liegen mit jeweils 11 Prozent gleichauf, die SPD könnte also auf Platz fünf abrutschen, bei der vergangenen Bundestagswahl kam sie noch auf Rang 4. Die FDP kommt laut aktueller Befragung auf 5 Prozent.

Dämpfer für Ministerpräsidentin Schwesig

Die Forsa-Umfrage hat auch nach der Zufriedenheit mit der Arbeit einzelner Politiker gefragt: Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) muss dabei einen Dämpfer hinnehmen, 50 Prozent sind mit ihrer Arbeit zufrieden, 35 dagegen eher nicht. Vor einem Jahr waren die Werte noch deutlich besser. Und im Vergleich zu ihrem Vorgänger Erwin Sellering ergibt sich ein noch größerer Rückstand. Der Ex-Ministerpräsident kam zum Start seines letzten Amtsjahres auf 78 Prozent Zufriedenheit. Statt aufzuholen, fällt Schwesig zurück.

Mecklenburger und Vorpommer uneinig

Auffällig ist, dass im Landesteil Vorpommern die Zufriedenheit mit der Regierungschefin kleiner (43 Prozent) als in Mecklenburg (52 Prozent) ist. Schwesig kommt dennoch auf den besten Wert aller Kabinettsmitglieder. Neben ihr verbuchen nur Agrarminister Till Backhaus (SPD) und Innenminister Lorenz Caffier (CDU) mehr zufriedene als unzufriedene Bewertungen - bei allen übrigen Ministern ist es umgekehrt, sie rutschen deutlich ins Minus.

Bildungsministerin Hesse verliert an Zustimmung

Größte Verliererin ist Bildungsministerin Birgit Hesse. Nur 31 Prozent sind mit ihrer Arbeit zufrieden, 47 Prozent dagegen eher nicht - sie nimmt damit den letzten Platz in der Zufriedenheitsskala ein. Vor einem Jahr landete Hesse noch deutlich im Plusbereich, gehörte hinter Schwesig und Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) zu den TOP-3 des Kabinetts - gemeinsam mit Backhaus.

Mecklenburg-Vorpommern: Land zum Leben

Forsa fragte im Auftrag der "Ostsee-Zeitung" auch nach der Verbundenheit der Einwohner mit ihrem Bundesland. Daraus ergibt sich: 91 Prozent der Wahlberechtigten leben gerne in Mecklenburg-Vorpommern. Bei den Jüngeren zwischen 18 und 29 Jahren liegt die Verbundenheit mit 85 Prozent etwas niedriger als bei den über 60-Jährigen, hier erreicht der Wert 95 Prozent.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 17.01.2019 | 21:00 Uhr

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