Stand: 12.09.2018 04:52 Uhr

Wälder in MV: Borkenkäfer-Plage droht

Ein stürmischer Winter im vergangenen Jahr und die lange Trockenheit des Sommers haben vor allem Fichtenbestände in Mecklenburg-Vorpommern für den Borkenkäfer anfällig gemacht. Den Wäldern im Nordosten droht eine Borkenkäfer-Plage, besonders die Arten Buchdrucker und Kupferstecher, die vor allem Fichten befallen, breiten sich rasant aus.

Ein Mann sägt eine Fichte.

Borkenkäfer setzt Fichten zu

Nordmagazin -

Die lange Trockenheit hat die Fichten geschwächt und anfällig werden lassen für ihren Feind, den Borkenkäfer. Im Forst Dargun müssen zahlreiche Bäume vorzeitig gefällt werden.

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Fichten fällen, um gesunde Bäume zu schützen

Zum Beispiel in einem Waldstück zwischen Dargun und dem nahegelegenen Finckenthal im Landkreis Rostock müssen im Moment viele Fichten gefällt werden, um gesunde Bäume zu schützen. "Besser hätte es für den Borkenkäfer nicht laufen können“, erklärt Forstwirtschaftsmeister Erik Peters. Es habe sehr viele sogenannte Wipfelbrüche gegeben, die Bäume seien zusätzlich zu der Trockenheit sehr geschwächt gewesen und hätten damit für den Borkenkäfer das beste Brutmaterial überhaupt geboten.

Förster suchen nach Bohrlöchern

Der Leiter des Forstamtes Dargun, Rüdiger Neise, zeigt ein typisches Beispiel: "Das ist eine Fichte, die oben in der Krone schon ein bisschen zeichnet. Da geht der Förster natürlich ran. Als erstes kontrolliert er auf Einbohrlöcher, das heißt, hat sich der Käfer schon irgendwo eingebohrt." Neise wird fündig - unter einigen dieser Löcher ist zudem deutlich sogenanntes Bohrmehl zu sehen. Ein weiteres Indiz für einen Borkenkäferbefall.

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Forstexperten: "Invasion des Borkenkäfers noch lange nicht zu Ende"

Mit einem sogenannten Schäleisen zieht der Forstamtsleiter die Rinde vom Baum. "Sie sehen schon beim Abziehen, dass unter der Rinde doch deutlich was zu sehen ist." Am Stamm und auf der Rindeninnenseite sind die Gänge des Borkenkäfers gut zu erkennen, sie sehen aus wie ein Buchstabenlabyrinth. Deshalb trägt diese Borkenkäferart auch den Namen Buchdrucker. "Die Larven und teilweise Jungkäfer, die hier zu sehen sind, werden ausfliegen und dann die nächsten Fichten befallen." Welche Schäden die Käfer in dem etwa 400 Hektar großen Fichtenbestand im Forstamt Dargun insgesamt hinterlassen werden, kann Forstamtsleiter Rüdiger Neise noch nicht abschätzen. Denn die Invasion der Borkenkäfer sei noch lange nicht zu Ende.

Borkenkäfer befallen Fichtenwälder im ganzen Land

So wie im Forstamt Dargun sieht es überall in den Fichtenwäldern des Landes aus. Das bestätigt der Leiter der Waldschutzmeldestelle in der Landesforstanstalt, Mathis Jansen. Mit Hilfe von Lockstoff-Fallen wurde dort ein deutlicher Anstieg der Flugaktivität des Borkenkäfers zweifelsfrei festgestellt. Es heißt, der Fichtenborkenkäfer habe sich durch die hohen Temperaturen der vergangenen Monate stärker als üblich ausbreiten können. Und die von den Herbststürmen umgeworfenen Fichten hätten dem Borkenkäfer eine ideale Brutstätte bereitet.

Waldschäden - zum ersten Mal alle Baumarten betroffen

Laut Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) sind von den jüngsten Massenerkrankungen in den Wäldern von Mecklenburg-Vorpommern zum ersten Mal alle Baumarten betroffen. Nach Informationen der obersten Forstbehörde sind nach groben Schätzungen cirka 30 Prozent der jungen Baumbestände im Land durch die Trockenheit geschädigt. Das sind rund sieben Millionen Pflanzen, die in den Wäldern nachgesetzt werden müssen - Kostenpunkt grob gerechnet rund 10 Mio Euro. Nach der Inventur der Forstleute, gegen Ende September, sollen belastbare Zahlen vorliegen.

35.000 Festmeter Schadholz

Mit Blick auf den Borkenkäfer in den Fichtenbeständen summiere sich das Schadholz auf 35.000 Festmeter, sagte Referatleiter Peter Röhe aus dem Landwirtschaftsministerium. Das Holz sei minderwertig und könne nur als Industrieholz vermarktet werden. Dadurch sei der Preis für Nadelholz um bis zu 70 Prozent gefallen. Der Vorsitzende des Waldbesitzerverbandes Ulrich Ivo von Trotha forderte Unterstützung durch Steuererleichterungen und langfristig eine flexiblere Förderung des Waldumbaus, um die Wälder langfristig klimaresistenter zu machen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 12.09.2018 | 12:00 Uhr

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