Stand: 28.05.2018 08:28 Uhr

Neue Landräte: Ein Sieger, drei Stichwahlen

Im Anschluss an die Landratswahlen in vier Kreisen in Mecklenburg-Vorpommern hat sich der neue und alte amtierende Landrat der Mecklenburgischen Seenplatte, Heiko Kärger (CDU), enttäuscht über die geringe Wahlbeteiligung gezeigt. Mit einer Wahlbeteiligung von 28,7 Prozent hatten im Schnitt weniger als ein Drittel der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. "Eine relativ geringe Wahlbeteiligung bedeutet zum Schluss auch relativ wenig Interesse an dieser Politik", so Kärger. Eine Aufgabe der Landkreise sei es deswegen, mehr über die Arbeit der Kreise zu informierern sowie Möglichkeiten zur Mitbestimmung zu bieten, so Kärger.

Landräte: Die Kandidaten in den Stichwahlen

Wahlbeteiligung bei knapp 29 Prozent

Kärger konnte sich als einziger Bewerber aller vier Landkreise im ersten Wahlgang im Kreis Mecklenburgische Seenplatte durchsetzen. In den übrigen Kreisen sind laut vorläufigen Ergebnissen Stichwahlen in zwei Wochen erforderlich. Kärger, der sich außerdem als einziger amtierender Landrat der vier Kreise zur Wiederwahl stellte, schaffte laut vorläufigem Ergebnis mit 51,3 Prozent auf Anhieb die zur Wiederwahl notwendige absolute Mehrheit. Seine Mitbewerber Volker Bieschke (Die Linke/22,4 Prozent), Björn Eckardt (AfD/13,4 Prozent) und Franc Heinrihar (SPD/12,9 Prozent) waren chancenlos.

Vorpommern-Rügen: Kuhn und Kerth in der Stichwahl

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Im Kreis Vorpommern-Rügen kommen Andreas Kuhn (CDU) und Stefan Kerth (SPD) in die Stichwahl.

Im Landkreis Vorpommern-Rügen kommt es dagegen in zwei Wochen zur Stichwahl zwischen CDU-Bewerber Andreas Kuhn und SPD-Kandidat Stefan Kerth. Kuhn bekam 34,6 Prozent, Kerth 28,7 Prozent. Den dritten Platz belegte Einzelbewerber Steffen Ulrich (19,4 Prozent). Steffen Bartsch-Brüdgam von der Linken erzielte 12,5 Prozent, Grünen-Kandidat Dirk Niehaus 4,8 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 28,4 Prozent. Der bisherige Landrat Ralf Drescher (CDU) hörte nach knapp zehn Jahren Amtszeit auf.

Vorpommern-Greifswald: AfD-Kandidat schafft es in Stichwahl

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Im Kreis Vorpommern-Greifswald wird das Rennen um das Landratsamt zwischen Michael Sack (CDU) und Axel Gerold (AfD) entschieden.

Im Landkreis Vorpommern-Greifswald schaffte es CDU-Bewerber Michael Sack mit 41,5 Prozent klar in die Stichwahl. Dabei kommt es zum Duell mit AfD-Kandidat Axel Gerold, der 15,7 Prozent der Stimmen erhielt. Einzelbewerber Dirk Scheer wurde Dritter (15,1 Prozent). Monique Wölk (SPD/12,5 Prozent), Ulrike Berger (Grüne/11,4 Prozent) und die Einzelbewerber Kai-Uwe Ottenbreit (3 Prozent) und Andreas Suttor (0,8 Prozent) waren chancenlos. Die Wahlbeteiligung lag bei 32,3 Prozent. Landrätin Barbara Syrbe (Die Linke) hatte den Chefsessel in Vorpommern-Greifswald nach 17 Jahren geräumt. Syrbes Abgang ist besonders: Sie war immerhin die erste PDS-Kreisverwaltungschefin in Deutschland überhaupt, damals noch im Kreis Ostvorpommern. Ihre Partei, die Linke, verzichtete bei der Wahl auf einen eigenen Kandidaten, sie fand schlicht keine geeigneten Bewerber, die Partei gab den Landkreis also "kampflos" auf.

Ludwigslust-Parchim: Sternberg vor Glaser

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Bei der Landratswahl im Kreis Ludwigslust-Parchim tritt Klaus-Michael Glaser (CDU) gegen Stefan Sternberg (CDU) in der Stichwahl an.

Im Landkreis Ludwigslust-Parchim trat Landrat Rolf Christiansen (SPD) nach 24 Jahren Landrats-Zeit nicht mehr an. Sein Parteikollege, der Grabower Bürgermeister Stefan Sternberg, hat gute Chancen in Christiansens Fußstapfen zu treten. Der 34-Jährige bekam laut vorläufigem Ergebnis 36,4 Prozent der Stimmen. Um Platz zwei lieferten sich Jacqueline Bernhardt (Die Linke) und Klaus-Michael Glaser (CDU) ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Am Ende hatte Glaser mit 25,9 Prozent knapp die Nase vorn, Bernhardt lag 0.6 Prozentpunkte dahinter. AfD-Bewerber Mathias Pasternak erhielt 12,4 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 34,1 Prozent.

Stichwahlen in zwei Wochen

Wahlberechtigt war am Sonntag jeder EU-Bürger, der 16 Jahre alt ist und mindestens drei Monate im Landkreis lebt. Gewählt ist derjenige, der mehr als die Hälfte der Stimmen bekommt. Gelingt das nicht, gibt es in zwei Wochen eine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten, die die meisten Stimmen erhalten haben. Vor vier Jahren war in allen vier Landkreisen eine Stichwahl nötig, da holte kein Kandidat gleich im ersten Wahljahr die absolute Mehrheit. Die Wahlbeteiligung ist bei der Landratswahl eher niedrig, 2011 lag sie bei der ersten Wahl zwischen 48 (Vorpommern-Greifswald) und 54 Prozent (Ludwigslust-Parchim), bei den Stichwahlen ging dann weniger als ein Drittel zur Wahl.

"Wahl zweiter oder gar dritter Ordnung"

"Für viele ist die Landratswahl nur eine Wahl zweiter oder gar dritter Ordnung", sagte der Rostocker Politologe Jan Müller. Es bestehe aber auch die Möglichkeit, dass das geringe Interesse eine Folge der Kreisgebietsreform ist. "Es sind Großkreise entstanden, die eine Identifikation mit der politischen Ebene sehr schwierig machen", sagte Müller. Die schwache Beteiligung sei aber auch ein wichtiges Zeichen für die Parteien mit Blick auf die Kommunalwahl im kommenden Jahr, so Müller. "Sie müssen darum kämpfen, dass die Menschen zur Wahl gehen."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 28.05.2018 | 08:00 Uhr

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