Stand: 21.05.2018 14:39 Uhr

Vorpommern-Rügen: Nahverkehr und Bürgernähe

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Im Landkreis Vorpommern-Rügen hinterlässt der scheidende Landrat Ralf Drescher (CDU) seinem Nachfolger einen ausgeglichenen Haushalt.

Im Landkreis Vorpommern-Rügen übergibt der nicht wieder kandidierende Landrat Ralf Drescher (CDU) seinem Nachfolger ein aufgeräumtes Haus: In dem Kreis, der das nördliche Vorpommern und einen Teil Mecklenburgs westlich von Recknitz und Trebel umfasst, ist der Breitband-Ausbau für mehr als 100 Millionen Euro angeschoben, der Kreishaushalt ausgeglichen. Den Gemeinden geht es so gut, dass der Kreiskämmerer mit Mehreinnahmen von fünf Millionen Euro in diesem Jahr rechnet. Kein Loch klafft mehr in der Kasse: Der Kreis will noch im Sommer den Vertrag mit dem Innenministerium zur Konsolidierung als erfüllt melden. Eine gute Startposition für den neuen Landrat: Fünf Männer stellen sich zur Wahl. Öffentlicher Nahverkehr, Bildungsangebote und Bürgernähe sind die bestimmenden Themen im Wahlkampf.

Der Landkreis Vorpommern-Rügen

Einwohner: 224.971
Fläche: 3.207,37 km²
Verwaltungssitz: Stralsund
Kreisgliederung: 103 Gemeinden
Landrat: Ralf Drescher (CDU)

Die Kandidaten im Landkreis Vorpommern-Rügen

Kerth: Potenzial als Lebensraum weiterentwickeln

Einer davon ist der Sozialdemokrat Stefan Kerth. Er macht seinen Namen zum Programm und verspricht auf Wahlplakaten eine "Kerthwende". Der 45-jährige Bürgermeister von Barth will vom negativen Image der abgehängten Region wegkommen. Er habe Visionen für den Landkreis und meint damit vor allem das Potenzial als Lebensraum. An den Rahmenbedingungen dafür will Kerth feilen: "Bei den Lebensbedingungen im Privaten ist der öffentliche Personennahverkehr ein unglaublich wichtiger Faktor. Dann Kinderbetreuungsangebote und Schulen." All das müsse in einem hervorragenden Zustand sein. "Ich möchte den Bürgern nicht mehr erklären, dass wir in einer Zeit leben, in der wir sagen: Wir haben die höchsten Steuereinnahmen in Deutschland, aber dann die Frage nicht beantworten können, warum wir nicht auch höchste Standards anpeilen sollen."

Kuhn: Bezahlbaren Wohnraum schaffen

Eine Wende braucht Vorpommern-Rügen nicht, meint dagegen CDU-Landratskandidat Andreas Kuhn. Der 53 Jahre alte Bürgermeister von Zingst sieht den Landkreis auf einem guten Kurs. Wie seine Konkurrenten auch verspricht Kuhn mehr Bürgernähe. Er will Sprechstunden für jedermann anbieten und sieht es als eine der vordringlichsten Aufgaben an, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken: "Dann kommt dazu, dass man mit der Digitalisierung Leute herbekommt, die hier arbeiten wollen, die die Heimat lieben, die wieder zurückkommen." Das sei nur möglich, wenn man mit den Gemeinden zusammen Möglichkeiten suche, um bezahlbaren Wohnraum, gute Kitas und Schulen sowie einen vernünftigen Nahverkehr hinzubekommen, meint Kuhn.

Kandidaten im Kurzporträt

Stefan Kerth (SPD)

Stefan Kerth ist seit 2007 Bürgermeister in Barth. Der SPD-Kandidat will "Visionen für den Landkreis". Der Staat dürfe sich nicht weiter aus der Fläche zurückziehen. mehr

Andreas Kuhn (CDU)

Der CDU-Kandidat Andreas Kuhn will sich als Landrat insbesondere für Vereine und Verbände stark machen. Außerdem will der 53-Jährige den Personennahverkehr flexibler gestalten. mehr

Bartsch-Brüdgam: Mehr Geld für den öffentlichen Nahverkehr

Den öffentlichen Personennahverkehr hat sich auch Steffen Bartsch-Brüdgam als erste und wichtigste Aufgabe auf die Liste gesetzt. Nun, da die Zeit der strengen Sparauflagen aus dem Innenministerium vorbei zu sein scheint, will der von der Partei die Linke ins Rennen geschickte Kandidat ohne Parteibuch deutlich mehr Geld in den stark zuschussabhängigen kreiseigenen Verkehrsbetrieb investieren. "Andere Landkreise machen uns das vor. Wir müssen hier Bedarfe ermitteln und nach Lösungsansätzen suchen." Außerdem müsse der öffentliche Nahverkehr mehr vom Schülerverkehr entkoppelt werden, "um unseren Bürgern zu ermöglichen, auf dem weiten, flachen Land am gesamten kulturellen und sportlichen Leben teilzuhaben."

Niehaus: Zu wenig Prävention im Landkreis

Der Grünen-Kandidat Dirk Niehaus (Bündnis 90/die Grünen), der Bauherren bei der Verwendung ökologischer Dämmstoffe berät, züchtet als Landwirt im Nebenerwerb Schafe. Seine Ideen für den Landkreis reichen von ökologischen Themen wie etwa einem stärkeren Nutzen regenerativer Energien bis hin zum Ausbau von Bildungsangeboten und Angeboten für einen sanften Tourismus. "Gemeinsam Zukunft wagen" ist sein Motto. Im Breitband-Ausbau sieht er große Chancen für Vorpommern-Rügen als attraktiven Lebensort, der mehr Menschen in den Landkreis ziehen könnte: "Mit diesen Menschen wachsen auch soziale Aufgaben", sagt Niehaus. Zudem bemängelt der 58-Jährige, dass im Landkreis zu wenig auf Prävention gesetzt werde: "Die Sozialausgaben sind sehr hoch und sie können noch höher werden, wenn man so weitermacht."

Kandidaten im Kurzporträt

Steffen Bartsch-Brüdgam (Die Linke)

Der Linken-Kandidat Steffen Bartsch-Brüdgam will sich als Landrat für mehr Bürgernähe einsetzen. Nach Jahren des Sparens müsse wieder investiert werden. Dabei seien Land und Bund in der Pflicht. mehr

Dirk Niehaus (Grüne)

Der Grünen-Kandidat Dirk Niehaus will als Landrat einen Verkehrsverbund für den Kreis schaffen. Regenerative Energie soll die kreiseigenen Gebäude versorgen, der Tourismus naturnaher gestaltet werden. mehr

Steffen Ulrich (Einzelbewerber)

Der parteilose Einzelbewerber Steffen Ulrich ist fest auf Rügen verwurzelt. Der 49-Jährige will das Ehrenamt stärken und sieht den Personennahverkehr als große Herausforderung. mehr

Ulrich: Förderzentren erhalten, engere Bustakte

In jeder Ecke des Landkreises werde über den Nahverkehr geredet, sagt Steffen Ulrich, der einzige Kandidat ohne Unterstützung einer Partei. Der Amtsleiter von Bergen fordert, die Bustakte noch enger als bisher an die Unterrichtszeiten zu knüpfen. Auch Ulrich will das Amt bürgernäher gestalten, und hat sich das Thema Bildung auf die Fahnen geschrieben: "Besonders wichtig ist mir der Erhalt der Förderzentren und der Erhalt unserer Berufsschulen." Angesichts der Schließung der Tischlerklasse in Sassnitz würde Ulrich versuchen, mit der Handwerkskammer und der IHK sowie Vereinen und Verbänden neue Ausbildungsrichtungen zu gewinnen und an den Schulen zu etablieren.

AfD und FDP ohne eigene Kandidaten

Die AfD, die zur Bundestagswahl vor einem Jahr noch mit Spitzenkandidat Leif-Erik Holm im Wahlkreis der Bundeskanzlerin angetreten war, hat keinen Kandidaten ins Rennen geschickt. Der von ihnen Nominierte sei kurzfristig krank geworden, sagt AfD-Kreissprecher Dario Seifert. Auch die FDP hat keinen Kandidaten, wirbt aber trotzdem auf Plakaten für ihre Themen. Landesgeneralsekretär David Wulf sagte, das seien Arbeitsaufträge an den künftigen Landrat, der im Herbst sein Amt antreten wird.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.05.2018 | 20:15 Uhr

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